Wunderlich-kein anderer Sänger hat eine so umfassende Fan-Gemeinde, die in höchsten Tönen schwärmt,nicht Peter Anders,nicht Rudolf Schock,andere ohnehin nicht. Es gibt wohl nichts, was von diesem Sänger nicht veröffentlicht ist ( einschliesslich technisch fragwürdiger Privataufnahmen). Er ist ein Markenzeichen.
Lyrische Tenöre sind ja recht selten und eine solche Berühmtheit wie Wunderlich hat keiner erreicht,nicht annähernd, im Gegenteil, eigentlich alle stehen in seinem Schatten. Auch ein Peter Schreier. Natürlich erst recht Blochwitz,Protschka, Pregardien, Güra,Schade, um nur einige aus dem deutschsprachigen Raum zu nennen.
Er hatte eine ans Herz gehende Stimme, die nie forciert klang, sich in der Höhe strahlend entfaltete.
Der so frühe Tod war tragisch. Wunderlich war auf dem Wege zu einer neuen Karriere. Sein Alfredo(mein liebster) 1965 in München zeigte, wo es weiter gegangen wär.Die in dieser Zeit entstanden Mozart-Aufnahmen sind davon beeinflusst,ebenso die späten Liedaufnahmen. Da klingt schon sehr viel Metall, das rein lyrische tritt dahinter zurück.
Man höre, wenn man es kann, unvoreingenommen, un aura amorosa aus der Cosi von Wunderlich (von ihm nur in Deutsch,leider) und von Blochwitz.
Was wirklich pp-Singen bedeutet, hört man bei anderen Sängern besser.Protschka und Blochwitz verwirklichen dies bei den letzten Liedern der schönen Müllerin nachdrücklicher (ich finde,auch bewegender).
Zweitens kommt hinzu, dass Wunderlich nicht immer mit hochrangigen,gleichwertigen Partnern gesungen. Viele Aufnahme hat er, dem damaligen Markt gemäss, in deutschen Versionen gesungen(die teilweise ziemlich grässlich sind). Und orchestral ist oft nichts Hochwertiges zu berichten.
Die Stimme ist ein Juwel, die Interpretation im Laufe der Jahre immer besser geworden. Aber DER Jahrhundertsänger, da wäre ich doch vorsichtiger. Er hatte nie ein Repertoire wie Fischer-Dieskau oder Domingo. Aspirations-Hs (Liehhbe) hört man bis zur letzten Aufnahme ( Edinburg 4.September 1966). Koloraturen können andere Sänger mindestens so gut singen,man höre einmal italienische Bässe wie Ragazzo und sehr viel andere, die hochvirtuose Musik exekutieren. Die Baumeister-Arie ist sicher anspruchsvoll, aber es gibt Musik, die höhere Anforderungen an den Sänger stellt. Nur ein Beispiel: man höre Blchwitz, wie ihn Gardiner durch die Tenor-Arie in der vierten Kantate des Weihnachtsoratoriums jagt. Da ist mehr Virtuosität gefordert.
Natürlich kann man schreiben, dass einen diese Stimme sehr berührt und man durch Wunderlich tief bewegt. Aber ein darüber hinausgehendes Urteil über die Qualität des Sängers muss die Summe von Sängern aus den letzten fünfzig Jahren einbeziehen.
Und da gibt es wunderbare,nicht wenige. Auch in dem Stimmfach, in dem Wunderlich tätig war.
Für mich seit Jahrzehnten ein wunderbarer Sänger, aber nicht DER Sänger des Jahrhunderts.