oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an.
Jetzt eintauschen
und EUR 0,30 Gutschein erhalten
Eintausch
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Arrivederci Amore, Ciao: Roman [Taschenbuch]

Massimo Carlotto
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 8,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Nur noch 9 auf Lager (mehr ist unterwegs).
Verkauf und Versand durch Amazon. Geschenkverpackung verfügbar.
Lieferung bis Mittwoch, 30. Juli: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Eine hochspannende Beschreibung dieses kriminellen Getriebes - und gleichzeitig eine Charakterstudie, die einem die Ekelschauer den Rücken hinunterjagt.« (Süddeutsche Zeutung)

»Der Roman fasziniert vor allem dadurch, dass der Leser dem Bösen direkt in die Augen sieht.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

»Der beste lebende Krimiautor Italiens.« (Il Manifesto)

»Carlottos Buch über eine von Verbrechen durchwucherte Gesellschaft ist grandios und spannend, voll mafiöser Machenschaften, sexueller Abgründe und brutaler Gewalt.« (Vanity Fair)

»Ein faszinierendes Buch über die antreibende Kraft des Bösen.« (Ulrich Wickert)

»Ein kleiner Machiavelli für Gangster.« (FAZ)

Klappentext

»Grandios und spannend.«
Vanity Fair

»Eiskalt und bösartig.«
Der Spiegel

»Hochspannende, brutale und sexy Literatur.«
Neon

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Massimo Carlotto, geboren 1956 in Padua, ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Italiens. Als Sympathisant der linken Bewegung wurde er in den 1970er Jahren zu Unrecht wegen Mordes verurteilt. Nach fünfjähriger Flucht und einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren wurde er 1993 begnadigt. Er lebt heute auf Sardinien.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der Kadaver des Alligators trieb im Wasser, den Bauch nach oben gekehrt. Man hatte ihn abgeschossen, weil er dem Lager allmählich zu nah gekommen war und niemand einen Arm oder ein Bein riskieren wollte. Der süßliche Geruch der Verwesung mischte sich mit dem des Dschungels. Die erste Hütte stand rund hundert Meter von der Stelle am Ufer entfernt. Der Italiener plauderte gelassen mit Huberto. Er bemerkte meine Anwesenheit. Er drehte sich um und lächelte mich an. Ich zwinkerte ihm zu, und er redete weiter. Ich trat hinter ihn, atmete tief ein und schoss ihm in das Genick. Er fiel ins Gras. Wir packten ihn an Armen und Beinen und warfen ihn neben den Alligator. Das Tier bauchoben, er bauchunter. Das Wasser stand derart zäh und reglos, dass Blut und Hirnfetzen sich kaum mehr als über die Größe einer Untertasse ausbreiten konnten. Huberto nahm mir die Pistole ab, steckte sie sich in den Hosenbund und schickte mich mit einem Nicken zurück ins Lager. Ich gehorchte, obwohl ich lieber noch eine Weile den Körper im Wasser betrachtet hätte. Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht ist. Ich hatte den Lauf auf seine blonden Haare gerichtet, ohne den Kopf zu berühren, damit er sich nicht umdrehte und ich ihm nicht in die Augen sehen musste, dann hatte ich abgedrückt. Der kurze, trockene Knall hatte die Vögel verscheucht. Es hatte einen leichten Rückschlag gegeben, aus dem Augenwinkel hatte ich gesehen, wie das Magazin der Halbautomatik die nächste Kugel lud. Eigentlich war mein Blick auf seinen Hinterkopf konzentriert. Ein rotes Einschussloch. Perfekt. Die Kugel hatte beim Austritt an der Stirn eine ausgefranste, klaffende Wunde hinterlassen. Huberto hatte ihn sterben sehen, ohne mit einer Faser seines Leibes zu zucken. Er wusste, dass es geschehen würde. Der Italiener musste beseitigt werden, und er hatte sich angeboten, ihn in die Falle zu locken. Seit einiger Zeit war der Italiener ein Problem. Nachts, wenn er sturzbesoffen war, belästigte er die Gefangenen. Am Abend zuvor hatte der Comandante mich in sein Zelt beordert. Er saß auf einer Pritsche, eine schwere Pistole in den Händen drehend.
»Eine Neunmillimeter aus chinesischer Herstellung«, erklärte er, »die exakte Kopie der Browning HP. Die Chinesen kopieren alles. Sie arbeiten sauber und genau. Wenn die Schriftzeichen nicht wären, würdest du sie für ein Original halten. Aber die Mechanik ist Scheiße. Bleibt mitten im Nachladen hängen. Äußerlich perfekt, aber im Inneren funktioniert nichts ... Genau wie der chinesische Sozialismus.«
Ich nickte, um Interesse zu heucheln. Comandante Cayetano war ein legendärer Guerilla-Anführer. Und einer der wenigen Überlebenden. Er war über sechzig und trug einen langen, dünnen Spitzbart a la Onkel Ho, und ganz wie der vietnamesische Revolutionsführer war auch er lang und dünn. Als Sohn eines Zuckerbarons hatte er sich schon in seiner Jugend auf die Seite der Armen und der Indios geschlagen. Ein konsequenter Typ. Hart und mutig, der hatte was in der Hose. Gewiss hatte er mich nicht zum Plaudern holen lassen. Das hatte er nie getan. Ich war ihm nicht sympathisch.
»Leg ihn um.« Er hielt mir die Pistole hin. »Ein Schuss genügt.«
Ich nickte nochmals. Ich ließ keine Überraschung erkennen und fragte nicht, wen ich umlegen sollte. Ich hatte genau verstanden.
»Warum ich?« Die Frage war meine ganze Reaktion.
»Weil du auch Italiener bist. Ihr seid zusammen gekommen, ihr seid Freunde. Besser, die Sache bleibt in der Familie«, sagte er boshaft, in einem Ton, der keine weitere Frage zuließ.
Ich nickte zum xten Male, und am nächsten Abend drückte ich ab. Niemand im Lager machte eine Bemerkung zu dem Vorfall. Alle hatten es erwartet.

Das war alles, diese Exekution aus dem Hinterhalt war meine ganze Erfahrung als Guerillakämpfer. Einen töten, der genau wie ich beschlossen hatte, sein Leben dem Kampf eines zentralamerikanischen Volkes zu widmen. Mit Worten. In Wahrheit waren wir zwei arrogante Arschlöcher, waren aus Italien geflohen und vor den Fötzchen der Universität, wurden wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und irgendwelchen belanglosen Attentaten per Haftbefehl gesucht. Und dann war da noch die Bombe, die wir vor der Industrie- und Handelskammer gelegt hatten und die einen Nachtwächter tötete. Einen Pechvogel kurz vor der Pensionierung. Die Tasche war ihm aufgefallen, er war vom Fahrrad gestiegen und hatte den dämlichen Einfall, die Nase reinzustecken. Den Zeitungen konnten wir entnehmen, dass er allabendlich dort vorbeikam. Wir hatten das einfach nicht kontrolliert, waren zu beschäftigt damit, in der Kneipe mit den Aktionen anderer anzugeben. Nach einer halben Stunde auf der Wache beschloss ein Mädchen, mit dem ich seit ein paar Wochen ging, auszusagen und unsere Namen zu verraten. Wir mussten in aller Eile über die französische Grenze. Als wir dann ein Jahr später in Paris erfuhren, dass wir zu einer Haftstrafe verurteilt waren, sahen wir einander in die Augen und beschlossen, Helden zu spielen. Nur war der Dschungel eine andere Nummer als das Quartier Latin, er war nicht Bergamo und auch nicht Mailand. Und wenn der Feind dich fasste, steckte er dich nicht in den Bau, sondern zog dir bei lebendigem Leibe das Fell über den Kopf. Bei unserer Ankunft waren wir voller Begeisterung und gesundem revolutionärem Eifer, aber nach einer Woche hatten wir begriffen, dass das Leben bei der Guerilla die Hölle war. Glücklicherweise wurden wir nie an vorderster Front eingesetzt. Zum direkten Kampf mit den Rangern der Diktatur und ihren amerikanischen Ausbildern fehlte uns der Mumm, anders als den schweigsamen Indios. Die lächelten nie. Sie lebten und starben unbewegten Gesichts. Mein Freund war mit der Zeit durchgedreht. Er hatte angefangen zu trinken und mit den Soldaten, die unsere Einheit bei ihren Hinterhalten gefangen nahm, seine seltsamen Spielchen zu treiben. Ich hatte ihn gewarnt, dass man in dieser Gegend kein Verständnis für gewisse Schwächen hatte, aber er hörte auf niemanden mehr. Er verbrachte die Tage wie ein Roboter in Erwartung der Nacht.
Ich nutzte die Ankunft eines Trupps von Fernsehleuten aus Spanien, um Comandante Cayetano, den gefährlichen Kämpfen und der gerechten Sache, die mir mittlerweile scheißegal war, zu entkommen. Eine kurzbeinige, dickärschige Journalistin hatte ein Auge auf mich geworfen. Ich gab ihr das Gefühl, ein berauschendes Abenteuer mit einem der letzten Kämpfer der Internationalen Brigaden zu erleben. Nach ein paar leidenschaftlichen Nächten erwirkte sie beim Comandante, dass er mich als ihren Assistenten bei den Interviews abstellte. Ich floh zu Fuß über die Grenze nach Costa Rica, nachdem ich versprochen hatte, zu ihr nach Madrid zu kommen. Aber ich hatte keine Papiere, und mit der Aussicht auf Lebenslänglich nach Europa zurückzukehren, schien mir immer noch ein zu großes und sinnloses Risiko. Lieber suchte ich mir eine Arbeit am Strand. Investoren aus Europa, vor allem aus Italien, hatten angefangen, an der wunderschönen, unversehrten Küste Hotels hochzuziehen. Es gab keine Verträge, keinerlei Bodennutzungspläne, und die Frage der Baugenehmigung wurde mit einem schlichten Schmiergeldsystem geregelt. Vom Paradies auf Erden zum Paradies aus Beton. Neben Italienisch sprach ich Spanisch und kam mit Französisch sehr gut zurecht. Eine italienische Hotelbesitzerin stellte mich als Barkeeper ein, eine stinkreiche Vierzigerin, sie lebte getrennt, hatte keine Kinder. Eine geschäftstüchtige Mailänderin. Eine von denen, die wissen, woran sie mit einem sind. Als ich mich vorstellte, musterte sie mich von oben bis unten. Der Anblick schien ihr zu gefallen, aber dumm war sie nicht. Sie sagte mir ins Gesicht, ich sei eindeutig ein Terrorist auf der Flucht. Einer von diesen Idioten, die ihr Auto abgefackelt hatten, um mitten in Mailand eine Barrikade zu errichten. Sie wusste noch das Datum. Ich auch. Drei Tage des Zorns, die ganze Stadt stank nach Benzin und Tränengas, zwei Tote, Varalli und Zibecchi.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der Kadaver des Alligators trieb im Wasser, den Bauch nach oben gekehrt. Man hatte ihn abgeschossen, weil er dem Lager allmählich zu nah gekommen war und niemand einen Arm oder ein Bein riskieren wollte. Der süßliche Geruch der Verwesung mischte sich mit dem des Dschungels. Die erste Hütte stand rund hundert Meter von der Stelle am Ufer entfernt. Der Italiener plauderte gelassen mit Huberto. Er bemerkte meine Anwesenheit. Er drehte sich um und lächelte mich an. Ich zwinkerte ihm zu, und er redete weiter. Ich trat hinter ihn, atmete tief ein und schoss ihm in das Genick. Er fiel ins Gras. Wir packten ihn an Armen und Beinen und warfen ihn neben den Alligator. Das Tier bauchoben, er bauchunter. Das Wasser stand derart zäh und reglos, dass Blut und Hirnfetzen sich kaum mehr als über die Größe einer Untertasse ausbreiten konnten. Huberto nahm mir die Pistole ab, steckte sie sich in den Hosenbund und schickte mich mit einem Nicken zurück ins Lager. Ich gehorchte, obwohl ich lieber noch eine Weile den Körper im Wasser betrachtet hätte. Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht ist. Ich hatte den Lauf auf seine blonden Haare gerichtet, ohne den Kopf zu berühren, damit er sich nicht umdrehte und ich ihm nicht in die Augen sehen musste, dann hatte ich abgedrückt. Der kurze, trockene Knall hatte die Vögel verscheucht. Es hatte einen leichten Rückschlag gegeben, aus dem Augenwinkel hatte ich gesehen, wie das Magazin der Halbautomatik die nächste Kugel lud. Eigentlich war mein Blick auf seinen Hinterkopf konzentriert. Ein rotes Einschussloch. Perfekt. Die Kugel hatte beim Austritt an der Stirn eine ausgefranste, klaffende Wunde hinterlassen. Huberto hatte ihn sterben sehen, ohne mit einer Faser seines Leibes zu zucken. Er wusste, dass es geschehen würde. Der Italiener musste beseitigt werden, und er hatte sich angeboten, ihn in die Falle zu locken. Seit einiger Zeit war der Italiener ein Problem. Nachts, wenn er sturzbesoffen war, belästigte er die Gefangenen. Am Abend zuvor hatte der Comandante mich in sein Zelt beordert. Er saß auf einer Pritsche, eine schwere Pistole in den Händen drehend.
»Eine Neunmillimeter aus chinesischer Herstellung«, erklärte er, »die exakte Kopie der Browning HP. Die Chinesen kopieren alles. Sie arbeiten sauber und genau. Wenn die Schriftzeichen nicht wären, würdest du sie für ein Original halten. Aber die Mechanik ist Scheiße. Bleibt mitten im Nachladen hängen. Äußerlich perfekt, aber im Inneren funktioniert nichts ... Genau wie der chinesische Sozialismus.«
Ich nickte, um Interesse zu heucheln. Comandante Cayetano war ein legendärer Guerilla-Anführer. Und einer der wenigen Überlebenden. Er war über sechzig und trug einen langen, dünnen Spitzbart a la Onkel Ho, und ganz wie der vietnamesische Revolutionsführer war auch er lang und dünn. Als Sohn eines Zuckerbarons hatte er sich schon in seiner Jugend auf die Seite der Armen und der Indios geschlagen. Ein konsequenter Typ. Hart und mutig, der hatte was in der Hose. Gewiss hatte er mich nicht zum Plaudern holen lassen. Das hatte er nie getan. Ich war ihm nicht sympathisch.
»Leg ihn um.« Er hielt mir die Pistole hin. »Ein Schuss genügt.«
Ich nickte nochmals. Ich ließ keine Überraschung erkennen und fragte nicht, wen ich umlegen sollte. Ich hatte genau verstanden.
»Warum ich?« Die Frage war meine ganze Reaktion.
»Weil du auch Italiener bist. Ihr seid zusammen gekommen, ihr seid Freunde. Besser, die Sache bleibt in der Familie«, sagte er boshaft, in einem Ton, der keine weitere Frage zuließ.
Ich nickte zum xten Male, und am nächsten Abend drückte ich ab. Niemand im Lager machte eine Bemerkung zu dem Vorfall. Alle hatten es erwartet.

Das war alles, diese Exekution aus dem Hinterhalt war meine ganze Erfahrung als Guerillakämpfer. Einen töten, der genau wie ich beschlossen hatte, sein Leben dem Kampf eines zentralamerikanischen Volkes zu widmen. Mit Worten. In Wahrheit waren wir zwei arrogante Arschlöcher, waren aus Italien geflohen und vor den Fötzchen der Universität, wurden wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und irgendwelchen belanglosen Attentaten per Haftbefehl gesucht. Und dann war da noch die Bombe, die wir vor der Industrie- und Handelskammer gelegt hatten und die einen Nachtwächter tötete. Einen Pechvogel kurz vor der Pensionierung. Die Tasche war ihm aufgefallen, er war vom Fahrrad gestiegen und hatte den dämlichen Einfall, die Nase reinzustecken. Den Zeitungen konnten wir entnehmen, dass er allabendlich dort vorbeikam. Wir hatten das einfach nicht kontrolliert, waren zu beschäftigt damit, in der Kneipe mit den Aktionen anderer anzugeben. Nach einer halben Stunde auf der Wache beschloss ein Mädchen, mit dem ich seit ein paar Wochen ging, auszusagen und unsere Namen zu verraten. Wir mussten in aller Eile über die französische Grenze. Als wir dann ein Jahr später in Paris erfuhren, dass wir zu einer Haftstrafe verurteilt waren, sahen wir einander in die Augen und beschlossen, Helden zu spielen. Nur war der Dschungel eine andere Nummer als das Quartier Latin, er war nicht Bergamo und auch nicht Mailand. Und wenn der Feind dich fasste, steckte er dich nicht in den Bau, sondern zog dir bei lebendigem Leibe das Fell über den Kopf. Bei unserer Ankunft waren wir voller Begeisterung und gesundem revolutionärem Eifer, aber nach einer Woche hatten wir begriffen, dass das Leben bei der Guerilla die Hölle war. Glücklicherweise wurden wir nie an vorderster Front eingesetzt. Zum direkten Kampf mit den Rangern der Diktatur und ihren amerikanischen Ausbildern fehlte uns der Mumm, anders als den schweigsamen Indios. Die lächelten nie. Sie lebten und starben unbewegten Gesichts. Mein Freund war mit der Zeit durchgedreht. Er hatte angefangen zu trinken und mit den Soldaten, die unsere Einheit bei ihren Hinterhalten gefangen nahm, seine seltsamen Spielchen zu treiben. Ich hatte ihn gewarnt, dass man in dieser Gegend kein Verständnis für gewisse Schwächen hatte, aber er hörte auf niemanden mehr. Er verbrachte die Tage wie ein Roboter in Erwartung der Nacht.
Ich nutzte die Ankunft eines Trupps von Fernsehleuten aus Spanien, um Comandante Cayetano, den gefährlichen Kämpfen und der gerechten Sache, die mir mittlerweile scheißegal war, zu entkommen. Eine kurzbeinige, dickärschige Journalistin hatte ein Auge auf mich geworfen. Ich gab ihr das Gefühl, ein berauschendes Abenteuer mit einem der letzten Kämpfer der Internationalen Brigaden zu erleben. Nach ein paar leidenschaftlichen Nächten erwirkte sie beim Comandante, dass er mich als ihren Assistenten bei den Interviews abstellte. Ich floh zu Fuß über die Grenze nach Costa Rica, nachdem ich versprochen hatte, zu ihr nach Madrid zu kommen. Aber ich hatte keine Papiere, und mit der Aussicht auf Lebenslänglich nach Europa zurückzukehren, schien mir immer noch ein zu großes und sinnloses Risiko. Lieber suchte ich mir eine Arbeit am Strand. Investoren aus Europa, vor allem aus Italien, hatten angefangen, an der wunderschönen, unversehrten Küste Hotels hochzuziehen. Es gab keine Verträge, keinerlei Bodennutzungspläne, und die Frage der Baugenehmigung wurde mit einem schlichten Schmiergeldsystem geregelt. Vom Paradies auf Erden zum Paradies aus Beton. Neben Italienisch sprach ich Spanisch und kam mit Französisch sehr gut zurecht. Eine italienische Hotelbesitzerin stellte mich als Barkeeper ein, eine stinkreiche Vierzigerin, sie lebte getrennt, hatte keine Kinder. Eine geschäftstüchtige Mailänderin. Eine von denen, die wissen, woran sie mit einem sind. Als ich mich vorstellte, musterte sie mich von oben bis unten. Der Anblick schien ihr zu gefallen, aber dumm war sie nicht. Sie sagte mir ins Gesicht, ich sei eindeutig ein Terrorist auf der Flucht. Einer von diesen Idioten, die ihr Auto abgefackelt hatten, um mitten in Mailand eine Barrikade zu errichten. Sie wusste noch das Datum. Ich auch. Drei Tage des Zorns, die ganze Stadt stank nach Benzin und Tränengas, zwei Tote, Varalli und Zibecchi.

‹  Zurück zur Artikelübersicht