Johann Sebastian Bachs "wohltemperiertes Clavier" hatte auf viele Nachfolgegenerationen von Komponisten großen Einfluss. Der melodiöse Reichtum und die kontrapunktische Fülle ziehen bis heute in ihren Bann. Was Wunder, dass der eine oder andere Komponist dazu verleitet wurde, eigene Arrangements aus dem "alten Testament der Klavierliteratur" vorzunehmen.
Das bekannteste Beispiel derartiger Arrangement ist Wolfgang Amadeus Mozarts KV 405, innerhalb dessen er fünf Fugen für Streichquartett transkribierte. Aber auch Emanuel Aloys Förster (1748-1823) tat sich gütlich an Bachs unermesslicher Hinterlassenschaft und arrangierte zahlreiche Fugen aus dem "wohltemperierten Clavier".
Das Emerson String Quartet hat sich unter Verstärkung durch den Bratschisten Da Hong Seetoo - für die fünfstimmigen Fugen - daran gemacht, sämtliche Transkriptionen einzuspielen. Im ausführlichen Booklet werden einige interessante Details ihrer Vorgehensweise erläutert. Auch die Aufnahmequalität ist mehr als zufrieden stellend.
Zunächst fällt die hervorragende, geschmackvolle und authentische Bearbeitung durch Mozart und Förster auf. Keiner der beiden hatte es hier offensichtlich im Sinn, die Werke auf ihre Zeit anzupassen. Ihre Transkriptionen stehen völlig im Dienste der Komposition.
Auch das Emerson String Quartet stellt sich devot hinter die Partitur, ohne es dabei aber zu versäumen, dezente Akzente zu setzen. Durch ihr demütiges Zusammenspiel schaffen es die Streicher, die unvergleichliche Atmosphäre zu erzeugen, die jeder Komposition des Thomaskantors anhaftet. Klar und deutlich zeigen sie auf, dass Bachs Musik bis heute zeitlose und absolute Gültigkeit besitzt.
Ihr Vortrag ist an keiner Stelle in irgendeiner Form akademisch oder bieder, sondern stets empathisch und kontemplativ. Mit Leidenschaft nehmen sie sich jeder Fuge von Neuem an, durchdringen Bachs profunden Kosmos bis ins kleinste Detail. Nie jedoch gerät ihre Darbietung dorthin, dass man sie als zu wenig transparent bezeichnen müsste. Jede Stimme ist deutlich zu vernehmen, so dass sich die volle Klanggewalt entfalten kann.
Weiterhin setzen die Emersons fein abgestimmte Nuancen und steigern damit den Farben- und Kontrastreichtum der einzelnen Stücke, obgleich die einzelnen Fugen ja bereits mit einem Gros an Spannung aufgeladen sind. Einer differenzierten Interpretation steht damit nichts mehr im Wege.
Fazit: Die Emersons in Hochform - wahrscheinlich eine der besten Aufnahmen dieser "alten Hasen" der Kammermusik!