"Around the Fur" stellte bei Erscheinen das bis dato heftigste Album des Vierers aus Sacramento dar. Kein Wunder, gab es doch nur "Adrenaline" als einzigen offiziellen Vergleich. Schon diese Album schlug ein mit der Gewalt einer Bombe. So war denn auch klar, dass der Nachfolger nicht unbedingt sanfter ausfallen würde, denn die Jungs hatten eine ganze Menge in die Welt hinauszuschreien.
Allerdings versucht man bei diesem Album die Brachialität weniger durch Shouting (was auf dem Vorgänger noch schwer im Vordergrund stand) als vielmehr durch psychedelischen Gesang und Gefühlsausbrüche an den entsprechenden Stellen zu betonen. Die Aggresivität und das aufkochende Gefühl der Musik übernimmt in diesem Fall großteils eher der instrumentale Part der Band.
Stephen Carpenter zeigt hier das erste mal großes Können im Bezug auf die wahrscheinlich eingängisten Akkordfolgen und Riffs, die eine Metal-Combo je produziert hat. Das herausragendste Markenzeichen der Deftones ist neben den einmaligen Vocals der von der ersten Sekunde an vertraute Instrumentalsound, den diese Band auch noch bis zur heutigen Zeit rigoros beibehalten hat. Und dieser ist hier schwer verbessert worden und hat bereits die Perfektion und den Wiederkennungswert, den wir auch von den neueren Produktionen kennen. Welche Bands können das schon so zahlreich von sich behaupten? Als Beipiel wäre hier Staind zu nennen, die nach "Break the Cycle" ihren Stil für "14 Shades of Grey" vom tiefdüsteren und doch warmen und ähnlich gefühlvollen NuMetal zu seichtem und zweifellos kommerziell orientiertem Radiorock radikal änderten. Dass diese Band heute keine namentliche Nennung mehr wert ist, wundert mich hierbei überhaupt nicht.
Komplett anders verhält es sich hier mit den Deftones: dem Grundprinziep über Jahre treu geblieben, erweiterten sie ihren musikalischen Horizont mit der Zuwanderung von Frank Delgado als Keys- und Synthiexperten, zwar erst auf der 2000er-Scheibe "White Pony", aber dort hundert Prozent konsequent.
Auf diesem Album hier finden wir nur vereinzelte Auftritte von Delgado. Logisch, denn das Album tendiert fraglos zum reinen Metal und darf wirklich als Ausflug in NuMetal-Gefilde bezeichnet werden, was der Band vielleicht im Zuge ihres weiteren Schaffens zu einer Art Verhängnis wurde; denn ihr eigener Stil wird viel zu oft und vollkommen zu Unrecht in dieses Genre eingeordnet und als entsprechend belanglos abgetan.
Fakt ist aber, dass diese Album als Steigerung von "Adrenaline" und als Ausdruck des erlangten Ansehens gesehen werden sollte. Die Band versucht, ihre neuen Erfahrungen mit dem Musikbiz zu verarbeiten und dies geschieht als eine Form der Katarsis in ausgesprochen lauter, aber keineswegs chaotischer Weise. Die Songs beinhalten bei aller tighten Schlagzeugarbeit, tief bösen Gitarrenriffs und einem drückenden Bass eine riesige Portion Gefühl und positive Melancholie, die zu den harten Instrumentalparts wie ein Ausgleich steht. Dass die Jungs nicht nur Moll, sondern auch Dur können zeigt der Song "Be quiet and drive": hier erschließt sich dem Hörer das erste mal wie in sonst keinem anderen Song auf diesem Album und dem davor ein Teil des immensen mitreißenden Potentials, dass die Band in ihren weiteren Veröffentlichungen noch viel mehr verkörpern und nach außen zeigen wird.
Wer sich auf das nachfolgende Material einlässt wird bemerken, dass er es hier mit etwas weitaus größerem und komplexeren zutun hat, als nur mit einem weiteren mittelmäßigen NuMetal-Act wie z.B. Korn - die ja inzwischen auch langsam aber sicher bemerkt haben, dass sich undifferenziertes Gewummer auf Dauer nicht als Verkaufsgarant eignet. Das Dumme ist nur, dass man den Moment der Wandlung nicht verschlafen sollte, denn sonst kann es sein, dass die Änderung so radikal ausfällt, dass der letztendliche Schaden noch viel größer als erwartet ausfällt. Und genau das ist den Deftones NICHT passiert!