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Die Uraufführung des zweiten Streichquartetts von Schönberg am 21. Dezember 1908 geriet zu einem der größten Skandale in der Wiener Musikgeschichte. Nicht etwa der eklatante Schritt in der Entwicklung zur Neuen Musik, dem Übergang von der tonalen zur atonalen Komposition, erhitzte die Gemüter -- sondern der Sopranpart, der dem erwartet ästhetisch reinen Bild eines Streichquartetts nicht entsprach. Die schwermütigen, metaphorischen und erstmals vertonten Gedichte von
Stefan George machten die Sache auch nicht gerade zugänglicher.
Aus heutiger Sicht ist diese Aufregung kaum mehr nachvollziehbar. Schönberg schuf zwar Neues, griff aber mit einem viersätzigen Sonatenzyklus auf traditionelle Verfahrensweisen zurück. Das mäßig schnelle Moderato gestaltet sich warm und weich in den Tonfolgen, das Scherzo tänzelt leichtfüßig in Trioform, und der langsame dritte Satz greift die vorangegangenen Themen wieder auf. Die Sopranstimme fungiert als gleichberechtigter Partner, die Sopranistin Christine Oelze arbeitet vor allem im vierten Satz ("Entrückung") sehr einfühlsam mit den samtigen Stimmen der Streicher zusammen.
Ist das zweite Streichquartett ein Markstein in der 12-Ton-Entwicklung Schönbergs, bezeichnet das 1936 entstandene vierte Streichquartett die Grenze zwischen seiner mittleren Kompositionsperiode und seinem Spätwerk und zugleich einen Höhepunkt seines Schaffens. Stilistisch sehr sicher auskomponiert sind die Einzelklänge hier nur noch in der Beziehung aufeinander und nicht mehr in ihrem harmonischen Zusammenspiel verständlich. So energiegeladen und spannungsreich wie dieses Werk ausgelegt ist, kann das Leipziger Streichquartett die ganze Breite seines Könnens beweisen. Bekannt für die Einspielung thematischer Zyklen spielen sich die vier Musiker mit dieser CD wieder ein Stück weiter nach vorne in der Rezeption zeitgenössischer Musik. Ihre engagierte und doch glasklare Spielweise bietet uns Schönberg, wie er sein muss: unskandalöser, aber spektakulärer 12-Ton-Genuss. --Sabine Stoessel
Produktbeschreibungen
MDG 3070935; MDG - GERMANIA; Classica da camera Quartetto archi