Diese Biografie kann ich jedem Musikfreund, der sich bisher vergeblich an Arnold Schönberg versucht hat oder daran im Vorfeld scheiterte, als guten Einstieg empfehlen. Obwohl profunder Musikwissenschaftler, ist Matthias Henkes Werk über Schönberg wohltuend frei von akademischer Verengung. Vielmehr spürt man beim Autor die tiefe Begeisterung und Sympathie für diese großen Künstlermenschen, den er in möglichst vielen Facetten und tatsächlichen Begabungen - auch weit über die Musik hinaus - vorstellen möchte. Der teils unbekümmerte Tonfall und mitreißende Verve seiner eigentlich mehr Erzählung, schmälert die streng wissenschaftliche und künstlerische Terminologie des Gegenstandes in keiner Weise.
Henke schrieb diese spannende Biografie mit dem klaren idealistischen Ziel, überhaupt an Schönberg anknüpfen zu wollen und zu können, sinnfällig einer Erzählung Bölls mit dem Titel "Fürsorgliche Belagerung". Denn das ist sie in der Tat, die Henke gegenüber "seinem" Schönberg pflegt. Idealismus ist nicht das Schlechteste bei einer, die Entität betreffende, "sperrigen" Universalgröße wie Arnold Schönberg, der hier auch als Mensch von hoher Moral und enormer geistiger wie sprachlicher Gelenkigkeit erlebbar wird. Bereicherndes scheint lange genug von Henke belagert worden zu sein, um hier dann in erstklassiger Vermittlung aufzuwarten.
Schade nur, dass Henke auf den letzten Seiten im Spätherbst von Schönbergs Leben ein bisschen auf die Zeitraffertube drückt. Vorgabe des Verlags ? Wahrscheinlich - denn an Wissen und Stoff fehlte es Henke ganz sicher nicht. Hervorragend sind die Nebenfiguren (z.T. Hauptfiguren in Schönbergs Leben) beleuchtet. Vorzüglich auch das sehr sorgfältig editierte und eingewobene Bildmaterial, das direkt auf der jeweiligen Buchseite seine Entsprechung erfährt. Mehr kann eine Biografie diesen Umfangs und für den Preis in der Druck- und Papierqualität unmöglich leisten. Deshalb in jedem Fall 5 Sterne.