Arnold Schwarzenegger ist ein hochinteressanter Mann. Immerhin hat es der Österreicher geschafft, gleich in drei "Branchen" erfolgreich zu sein: er wurde nicht nur zum erfolgreichsten Bodybuilder aller Zeiten, sondern definierte den Sport in großem Umfang und machte ihn erst populär. Als Schauspieler begann er in zweit- und drittklassigen Streifen und wurde in rund zehn Jahren zum erfolgreichsten Darsteller in Hollywood. Und auch als Politiker wurde er zunächst belächelt, regiert er Kalifornien bereits in der zweiten Amtszeit und immer wieder wird er auch als möglicher Präsidentschaftskandidat ins Gespräch gebracht (was bekanntermaßen eine Verfassungsänderung voraussetzen würde).
Die Biographie Hans Janitscheks von 2003 erschien nach dem Sieg Schwarzeneggers im Gouverneurwahlkampf. Leider kann sie mir nicht gefallen. Janitschek baut sein Buch nicht chronologisch auf, sondern beleuchtet in kurzen Artikeln den Steirer recht unsystematisch. So erfahren wir erst in der zweiten Hälfte des Buches etwas von seiner Geburt. Überhaupt ist wenig zu lesen über die frühen Jahre, die Schulzeit ist praktisch komplett ausgeblendet, aber auch die Jahre in München werden nur angerissen. Dafür ist dann (gefühlt) mindestens fünfmal zu lesen, wie Schwarzenegger ohne Geld in Amerika ankam. Diese Zerissenheit hinterläßt zumindest mich als Leser recht ratlos über die Person Schwarzenegger.
Die vorliegende Ausgabe ist nicht die Erstveröffentlichung, sondern die Heyne-Taschenbuchausgabe von 2004. Da ist es ärgerlich, dass einige Fehler der mit heißer Nadel gestrickten Erstausgabe nicht korrigiert wurden. So wird ein Film "Herkules gegen die Vampire" erwähnt, der heißt natürlich im deutschen Titel "Vampire gegen Herakles", und die Ein-Satz-Inhaltsangabe, die Janitschek darüber zum Besten gibt, zeigt deutlich, dass er diesen oft im Fernsehen gelaufenen Film offensichtlich nie gesehen hat. Und der Film "Conan, the Barbar [sic]" harrt wohl auch noch seiner Realisierung. Klar - Fehler können einem Autor schon mal passieren, dafür gibt es Lektoren, aber dass sogar bei einer Wiederveröffentlichung des Buches diese immer noch drin stehen, zeugt von Schlamperei bei den beteiligten Verlagen.
Lästig auch einige Austriazismen wie "Realitätengeschäft" oder "Badewaschel", die in einer bundesdeutschen Taschenbuchausgabe ruhig in einer kleinen Anmerkung verständlich gemacht hätten werden können (diese Kritik geht ausschließlich an den Heyne-Verlag, der österreichische Molden-Verlag darf das natürlich so publizieren).
Auch die Ausstattung des Bandes ist unschön. So fehlt z.B. eine Filmographie Schwarzeneggers (von einer Bibliographie ganz zu schweigen). Die Abbildungen stehen oft nicht im Zusammenhang mit dem Text, bei einigen ist mir nicht mal klar, was sie überhaupt darstellen sollen (z.B. S. 165 "Arnold mal zwei" - ist das eine Fotomontage, ist das ein Doppelgänger, sein Bruder?).
Schwarzenegger hätte eine weit bessere Biographie verdient als diese hingeschmierte Artikelsammlung.