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Arno Fischer - Situation Berlin. Fotografien 1953 - 1960
 
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Arno Fischer - Situation Berlin. Fotografien 1953 - 1960 [Gebundene Ausgabe]

Ulrich Domröse , Arno Fischer
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 129 Seiten
  • Verlag: Nicolai Berlin; Auflage: 2., Aufl. (Mai 2004)
  • Sprache: Englisch, Deutsch
  • ISBN-10: 3875840968
  • ISBN-13: 978-3875840964
  • Größe und/oder Gewicht: 29,7 x 24,8 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 506.786 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de


Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 09.01.2002
Wolfgang Kil berichtet ausführlich von der Vorgeschichte zu diesem Bildband. 1961 bewarb ein DDR-Verlag auf der Leipziger Messe seinen Stand mit Fotografien aus einem geplanten Bildband über die "Situation Berlin". Der Fotograf hieß Arno Fischer und war jahrelang in beiden Teilen der Stadt unterwegs gewesen. Kurz darauf wurde die Mauer hochgezogen - die "Situation Berlin" war perdue, der Bildband auch. Er ist nie publiziert worden. Nun sind 40 Jahre später zwar die Fotografien neu erschienen, aber in neuer Anordnung und ohne die damals flankierenden ideologischen Texte, Zeugnisse des Kalten Krieges. Dadurch bekommt der Bildband, so sehr Kil sein Erscheinen ansonsten begrüßt, für ihn etwas Versöhnliches; schwerer vermittelt sich nun auch die Härte des damaligen politischen Klimas, findet er. Die Bilder selbst sind in seinen Augen großartig und René Burris fast zeitgleich erschienenen "Deutschen" sowie Robert Franks "Les Américains" ebenbürtig.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Immer im richtigen Moment 19. März 2002
Ein gemeinsames Charakteristikum haben alle Aufnahmen von Arno Fischer: Die perfekte Balance des fotografierten Augenblicks. Man sieht eine Holzbank in der S-Bahn, am einen Ende knien drei Kinder wie die Orgelpfeifen und gucken aus dem Fenster. Am anderen sitzt als Gegengewicht ein Mann versunken hinter seiner Zeitung. Oder: Ein Junge rollt hüpfend einen Autoreifen an einem Trümmergrundstück vorbei. Ihm kommt eilig mit steifen Schritten ein Mann entgegen, ein schmales helles Holzstück schräg in der Hand, als wolle er den Reifen anstoßen. Die Beinpositionen der beiden korrespondieren jeweils mit ihrem Gegenstand. Fischers leise, unspektakuläre Alltagsaufnahmen aus den Jahren zwischen 1953 und 1960 zeigen die Berliner in einer zerbombten Stadt, deren Ost- und Westteil sich langsam immer weiter auseinanderentwickeln. Wie Zugvögel sitzen sie auf Zäunen und Mauern, stehen Schlange zwischen Schutthaufen, blicken verhärmt oder schon wieder selbstbewußt mit leichtem Wohlstandsbauch und Naht-Nylons auf Paraden und neue Vergnügungsangebote. Propagandaplakate und Fahnenträger, die ersten Leuchtreklamen und dicken Autos vervollständigen die Szenerie. Freude herrscht allerdings selten, stattdessen wirken die Menschen oft wie Figuren eines Brettspiels, stehen beziehungslos und stumm beeinander.
Neben visueller Befriedigung bietet ein gutes Foto immer auch unergründliche Geschichten: Da sitzt ein alter Mann mit rundem Rücken so zivilisiert im Café über der Zeitung und der Flasche Bier, daß es auch 1930 sein könnte, in einer anderen Epoche und einer unversehrten Stadt. Ein Gegenbild sind ältere Arbeiter im Blaumann, die in der Kantine hastig ihre Klappstulle essen ? neue sozialistische Menschen? Ein weiterer Männerrücken fällt auf, dieser ist soldatisch grade durchgedrückt. Der Besitzer hat markante Züge, trägt einen Schlips und betrachtet aus dritter Reihen einen Autokorso. Woher kommt seine Haltung, was hat er zwanzig Jahre vorher gemacht, fragt sich der heutige Betrachter. Auf den Gesichtern eines älteren Ehepaars, im Bus aus der Froschperspektive aufgenommen, kann man Resignation, aber auch Selbstgerechtigkeit lesen. Was überwiegt, was hat sie geprägt, was den finster-skeptisch blickenden Mann mit Hut auf dem Ku'damm? Am leichtesten hat man es mit den "Halbstarken" und den vielen Kindern, sie blicken herausfordernd oder zutraulich wie zu anderen Zeiten auch. So glaubt man zumindest... Drei der bekanntesten, symbolisch am stärksten aufgeladenen Bilder von Arno Fischer zeigen Fassaden und Fenster: Da ist der steinerne Adler mit dem abbröckelnden Hakenkreuz in den Krallen, auf dem Sims schräg drüber sitzt winzig eine Taube. Dann die "Generationen-Fenster" ? im rechten die Alten mit Knebeljoppe, Hindenburg-Bart und hochgeschlossenem Kleid, im linken die Jungen mit kurzem Lockenkopf und Windjacke. Sie warten auf etwas, das die Straße heraufzieht. Und natürlich fehlt der berühmte "Riß in der Mauer" nicht: Eine bildfüllende Ziegelmauer, jemand hat provisorisch ein neues kleines Fenster eingebaut, durch das ein Mann hinaussieht. Ein Riß läuft der Länge nach hinunter, scheint auch das Fenster zu teilen. Daß derartiger Symbolismus in der Zeit des Mauerbaus schlecht gefiel, wundert nicht. Eigentlich sollten die Berlin-Arbeiten von Arno Fischer im Herbst 1961 unter dem Titel "Situation Berlin" herauskommen. Mit anti-westlichen Texten wurden die Fotos zu einem Collagenbuch zusammengestellt. Unmittelbar nach dem Bau der Mauer entschied die staatliche Zensur jedoch, es gebe keine "Situation Berlin". Damit war das Projekt gestorben, Fischer wandte sich anderem Themen zu. Erst der neu konzipierte Band aus dem letzten Jahr greift den Titel wieder auf und veröffentlicht die meisterhaften Fotografien teilweise zum ersten Mal. Sehr empfehlenswert!
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