Helmut Hirsch stellt anhand eines sehr erhellenden Textes, verschiedener Bilddokumente aber auch von Selbstzeugnissen Gräfin Bettine von Arnim, geb. Brentano vor (1785-1859).
Für die Tochter eines wohlhabenden Frankfurter Kaufmanns, die sich von Mignon inpirieren ließ, war das Leben eine Traumreise durch blühende Gefilde. So war ihr stets danach zumute Blumen ins Haar zu winden und sich in mystischen Verbindungen mit jedem zu ergehen, der Geist und Genie besaß. Sie schwärmte in der Reihe nach für den alternden Goethe, dem sie vor lauter Bewunderung gleichsam zur Last fiel, für Beethoven, den sie mit Goethe zusammenbrachte, der darauf jedoch keinen Wert legte, für Achim von Arnim, den Ritterpoeten, den sie heiratet, für ihren eigenen Bruder, den charmanten Clemens von Brentano und wesentlich später für den faszinierenden Fürst Pückler-Muskau, dem Herzensbrecher und Gartenarchitekten.
Sie lebte in einer Welt fern der Wirklichkeit, und ihre dichterischen Neigungen trübten zuweilen ihr Urteilsvermögen. So schätzte sie die Revolutionäre wie Souveräne gleichermaßen und wurde die vertrauliche Ratgeberin Friedrich-Wilmhelm IV. von Preußen.
Von klein auf an das Wunderbare gewöhnt, ignorierte sie die Forderungen des Alltags. Die Veröffentlichung der etwas geschönten Briefe, die sie mit Goethe, mit ihrem Bruder Clemens Bretano und mit der unglücklichen Karoline von Günderode gewechselt hatte, nimmt in der deutschen Literaturgeschichte einen bedeutenden Platz ein.
Philip Nathius und Franz Liszt waren die letzten, die ihr jugendlich gebliebenes Herz in Unruhe versetzten. Und als dieses Herz stillstand, da war es, wie einer ihrer Biographen, Anré Germain schrieb, ihre " Erste Ruhe".
Weimar muss für Bettines inpiratorische Funkenflüge, ihre Verknüpfungslust, die sowohl Dingen als auch Menschen galt und ihren Sinn für bildliche langfristige Beziehungen ein idealer Besuchsort gewesen sein.
Im Verlauf ihrer drei Leben- der schwärmerisch-romantischen Jugend, der harten Ehejahre, der Geburt und Erziehung von 7 Kindern und schließlich des großen Aufbruchs als Dichterin, oppositionelle politische Schriftstellerin und Inhaberin eines demokratischen Salons- kam Bettine erneut nach Weimar.
Im Spiegel ihrer Besuche, deren brieflich literarische Reflexe und künstlerische Wirkungen, werden jeweils aktuelle inhaltliche Stationen und tonangebende Persönlichkeiten des Weimarer und damit teilweise auch euroäischen Geistesleben sichtbar.
Für Weimar war Bettine einerseits wichtig als Integrationsfigur zwischen alter und neuer Zeit, andererseits auch originäre und provokante geistige Anregerin und sprudelnde Quelle künstlerischer Produktivität.
Die bekannteste konsequenzenreichste Begegnung zwischen der 22 Jahre jungen Frühromantikerin und dem 58 jährigen Klassikfürsten in dessen Haus wurde dadurch möglich, dass sie ihm von Wieland als Enkelin der berühmten Schriftstellerin Sophie La Roche empfohlen wurde.
Interessant, dass der Bezug zwischen Weimar und der Familie Armin auch nach Bettines Tod nicht abriss. Noch in den 80er Jahre besuchte Großherzogin Carl Alexander Bettinas Tochter Gisela in Berlin.