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Arnes Nachlaß: Roman
 
 
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Arnes Nachlaß: Roman [Taschenbuch]

Siegfried Lenz
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (43 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Kühler, ruhiger Erzählfluß. Breit angelegt. Sich Zeit nehmend. Norddeutsch unaufgeregt. Ja, sowas gibt es noch mit Arnes Nachlaß, dem neuen Roman von Siegfried Lenz. Spannende Geschichte? Ja auch, aber ist das denn so wichtig? Wem trotz all der durch die heutige Literatur marodierenden Heerscharen von Alchimisten und Hannibalisten der Begriff des schlichten Geschichtenerzählens nicht schon völlig ins Absurde gerutscht ist, der wird mit diesem Buch reich belohnt werden.

Ach, Arne! Ein Aufseufzen, das sich durch das ganze Buch zieht. Lenz hat das Porträt eines Menschen geschaffen, der kaum auffiel und doch so viel bewegte. Der junge Arne Hellmer, einziger Überlebender einer Familientragödie, findet Aufnahme bei der Familie eines Ex-Kapitäns, der ein Freund seines verstorbenen Vaters war. In Hans, Sohn des Hauses und Ich-Erzähler des Romans, findet Arne einen geistigen Bruder. Zwischen den beiden entsteht eine innige Freundschaft. Dennoch vermutet Hans hinter Arnes Verstocktheit und seinem Trauma durch den schrecklichen Freitod seiner gesamten Familie, bei dem nur er durch Zufall gerettet wurde, ein weiteres, tiefgründigeres Geheimnis.

Lenz verlegt den Ort der Handlung in eine Abwrackwerft im entlegensten Winkel des Hamburger Hafens. Hier webt er sein meisterhaftes Geflecht aus Fernweh und Abenteuerspielplatz, zaubert längst vergessene Seefahrtsutensilien aus seiner Sprachtruhe. Und hier in dem nächtlichen Zimmer, an dem die Ozeanriesen vorbeigleiten, lernt Hans seinen unergründlichen Freund Arne, diesen Suchenden und Verzweifelten, endlich kennen -- um ihn wieder zu verlieren.

Nun gilt es, Arnes Nachlaß zu ordnen. Im Sammelsurium dieser traurigen Hinterlassenschaft findet Hans die Wahrheit über den verlorenen Freund. Ach, Arne! Wer, wenn nicht ich, soll nun deine Geschichte erzählen? --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Amazon.de-Hörbuchrezension

Arnes Nachlaß erzählt die Geschichte von Arne Hellmer, einem Jungen, der als einziger die mysteriöse Tragödie überlebte, in deren Verlauf seine gesamte Familie ausgelöscht wurde und der nun Aufnahme gefunden hat bei der Familie eines Ex-Kapitäns und Freundes seines verstorbenen Vaters. Mit dieser stillen, in ihrem ruhigen Erzählfluss fast unzeitgemäß schlicht daherkommenden Geschichte, belegte Siegfried Lenz fast das gesamte Jahr 1999 die Bestsellerlisten.

Nun aber kommt der Leckerbissen: Der Autor höchstselbst liest den gesamten Roman -- ungekürzt -- auf drei Kassetten. Eine reife Leistung und ein fast fünf Stunden währender Hörgenuss. Lenz' spröder, unaufgeregter norddeutscher Erzählduktus bringt ein hohes Maß an Authentizität. Der Schauplatz der Handlung, eine triste Abwrackwerft vor den Toren Hamburgs, wird durch seine Erzählkunst regelrecht zum Leuchten gebracht. Das rostende Eisen der Schiffswracks, in denen Arne und Hans, der Sohn des Hauses herumstreunen, die Zauberwelt der Ozeanriesen, die nächtens am Schlafzimmer der Jungen vorübergleiten, all dies wird sinnlich erfahrbar gemacht.

In Hans, dem Ich-Erzähler des Romans, hat Arne einen geistigen Bruder gefunden. Trotz ihrer innigen Freundschaft wird Hans den Verdacht nicht los, dass hinter der Verstocktheit des Freundes und seiner Traumatisierung durch den schrecklichen Tod seiner Familie ein weiteres, noch tiefgründigeres Geheimnis liegt. Dem 74-jährigen Siegfried Lenz gelingt ein meisterhaftes Geflecht aus Fernweh, Abenteuerspielplatz, alten Schiffahrtsutensilien -- und dem Schicksal dieses fremdartigen Jungen, der nichts als entdeckt werden möchte -- und schließlich seinem Entdecker Hans wieder entflieht. Diesem bleibt nun nichts anderes übrig, als Arnes Nachlaß zu ordnen und seine Geschichte zu erzählen.

Eine Geschichte, anrührend klein, dabei groß an Wahrhaftigkeit und wunderbar gelesen vom Altmeister unter den deutschen Gegenwartsautoren. Spieldauer: 290 min., 3 Kassetten
--Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Ausserhalb des Kreises

«Arnes Nachlass» von Siegfried Lenz

Jemand sichtet einen Nachlass, sondert aus. Ein anderer kommt hinzu und stellt alles wieder an seinen Platz. So kehrt die Zeit zurück, nicht aber der Besitzer all der Erinnerungsstücke. Denn dieser, der vierzehnjährige Arne Hellmer, hat sich eines Tages auf einem kleinen Beiboot weggestohlen, gilt als Verschollener, den man vergeblich in den Elbgewässern des Hamburger Hafens gesucht hat. Früh lernte er die dunkle Seite kennen. Sein Vater hatte mit der ganzen Familie den Tod gewählt, da er nicht über einen Schuldenberg hinaussah. Als einziger kehrte Arne nach den Wiederbelebungsversuchen ins Leben zurück. Harald, ein Freund von Arnes Vater seit der Seefahrtsschule, nimmt den Knaben auf, und in Hans, dem Ältesten, findet er einen brüderlichen Freund. Hans wird zwei Jahre später die Hinterlassenschaft des Zimmernachbarn durchsehen, bei einzelnen Gegenständen verweilen und mit den Gedanken zurückwandern.

So kann Siegfried Lenz zwischen der Ankunft und dem Verschwinden Arnes einen Roman entfalten, der in seiner Straffheit novellistisch anmutet. Er ist das sensible Seelenbild eines einsamen Knaben, das zugleich das Drama des begabten Kindes in sich birgt. Da wirkt der Schock des Familiensuizids nach, der sich in psychischen Ausfällen des Gymnasiasten bezeugt. Aber solche Auffälligkeiten nähren in Arne um so heftiger das Bedürfnis, mit allen Mitteln dazuzugehören. Doch die Clique der Gleichaltrigen nimmt ihn vorerst nicht auf. Erst als Arne einen gefährlichen Auftrag annimmt, der entscheidender Teil einer verbotenen Unternehmung ist, akzeptieren sie ihn. Indessen schlägt die Aktion der Jugendlichen fehl, und auf Arne lastet eine Schuld, der er nur durch seinen «Ausfall» begegnen kann. So wiederholt sich an ihm die Geschichte seines Vaters, die Gespenster sind zurückgekehrt.

Es ist eine Geschichte, die Siegfried Lenz präzis vermittelt, ohne das Geheimnis, in dem der Knabe steht, zu verletzen. Aber auch die Verbindungen zu einzelnen Mitgliedern der Gastfamilie, zu Hans und zur fast gleichaltrigen Wiebke, zeichnet er behutsam nach; immer ist in ihnen noch eine Vielzahl an unausgesprochenen Möglichkeiten versteckt. Dabei werden einzelne Figuren prägnant skizziert: Harald in seiner schweigenden Gelassenheit, Arnes Grossmutter mit ihrer verschwiegenen Sorge, der wortkarge Nachtwächter Kalluk. Mitten in dieser stillen, aber intensiv fühlenden Welt nimmt die Tragödie ihren Gang und lässt sich durch keinen väterlichen Zuspruch, durch kein freundschaftliches Wort aufhalten. Das Fatum scheint noch immer seine Gültigkeit bewahrt zu haben. Aber es entlädt sich nicht mit Wucht, sondern diskret.

Beatrice Eichmann-Leutenegger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

»Die nur in zarten Andeutungen sich bewegende Schilderung der unerwiderten Neigung Arnes zu Wiebke, der Schwester des Erzählers, gehört zu den unvergesslichen Momenten dieses bewegenden Romans.«
Dieter Borchmeyer, Die Zeit

»Das sensible Seelenbild eines einsamen Knaben, das zugleich das Drama des begabten Kindes in sich birgt.«
Beatrice Eichmann-Leutenegger, Neue Zürcher Zeitung

Kurzbeschreibung

»Sie beauftragten mich, Arnes Nachlaß einzupacken.« Hans, der Ich-Erzähler, kommt nicht umhin, die kleinen und großen Schätze zu sichten, die Arne Hellmer, dieser außergewöhnliche Junge, mit dem er zwei Jahre lang ein Zimmer teilte, zurückließ. »Wie ein Eindringling in seine Welt, seine Tränen, seine verborgenen Hoffnungen« kommt sich Hans vor und entfaltet, angeregt durch die Fundstücke des Nachlasses, Arnes Geschichte.

Vor dem Hintergrund des Hamburger Hafens und seiner Werften gewinnt sein Leben nach und nach Kontur. In ruhigen, atmosphärisch dichten Bildern entwirft Siegfried Lenz das Psychogramm eines Jugendlichen, der das Unglück früh kennenlernt; eines Außenseiters, der verzweifelt nach Nähe und Geborgenheit sucht.

»Was Lenz in diesem Bändchen erzählt, gehört zum Anrührendsten, das deutsche Autoren in diesem Jahrzehnt geschrieben haben.« (Focus)

Der Verlag über das Buch

»Die nur in zarten Andeutungen sich bewegende Schilderung der unerwiderten Neigung Arnes zu Wiebke, der Schwester des Erzählers, gehört zu den unvergesslichen Momenten dieses bewegenden Romans.« Dieter Borchmeyer in der ›Zeit‹

»Das sensible Seelenbild eines einsamen Knaben, das zugleich das Drama des begabten Kindes in sich birgt.« Beatrice Eichmann-Leutenegger in der ›Neuen Zürcher Zeitung‹

Über den Autor

Siegfried Lenz, der am 17. März 1926 in Lyck, einer kleinen Stadt im masurischen Ostpreußen geboren wurde, zählt seit langem zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur.

Nachdem Lenz aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, ging er nach Hamburg und studierte Philosophie, Anglistik und deutsche Literaturgeschichte, ehe er 1950/51 als Redakteur für die "Welt" arbeitete. Seit 1951 lebt er als freier Schriftsteller in Hamburg. Bereits mit seinem ersten Roman gelang es ihm, die Kritik und die Leser für sich einzunehmen, und bis heute zeichnet sich Lenz' Werk dadurch aus, daß es menschliche Schicksale und aktuelle gesellschaftliche Fragen auf eine Weise verknüpft, die literarisch ambitioniert die Bedürfnisse breiter Leserschichten nicht vernachlässigt.

Weite Teile des Lenzschen Werkes sind geprägt durch die Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (etwa die Romane "Der Mann im Strom", 1957, oder "Brot und Spiele", 1959, einer der wenigen geglückten Sportromane der deutschen Literatur) und mit dem Dritten Reich bzw. seiner Verarbeitung. Zu Lenz' größtem Erfolg wurde dabei der 1968 erschienene Roman "Deutschstunde", der auch internationalen bahnbrechend wurde. Wie der junge Siggi Jepsen darin die Geschichte seines Vaters, eines norddeutschen Polizisten, der es im Nationalsozialismus für seine Pflicht hält, das Malverbot seines Freundes Nansen zu überwachen, erzählt, ist eine bis heute bestechende Demaskierung eines pervertierten Pflichtbegriffs und wurde von vielen als befreiende künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema verstanden.

Der "Deutschstunde" folgten viele große Romane ("Heimatmuseum", 1978, "Der Verlust", 1981, "Exerzierplatz", 1985 oder "Die Auflehnung", 1994), die Lenz unverrückbar an die Seite der ‚großen' deutschen Gegenwartsautoren wie Heinrich Böll, Günter Graß oder Martin Walser stellten. Sein Werk umfaßt alle literarische Gattungen: Lenz arbeitete für das Theater ("Zeit der Schuldlosen", 1961), schrieb Hörspiele ("Haußuchung", 1967) und Essays ("über den Schmerz", 1997), und für viele Leser ist er nicht zuletzt ein Meister der "kleinen Form". Seine oft humoristisch grundierten Erzählbände wie "So zärtlich war Suleyken" (1955), "Lehmanns Erzählungen" (1964) und "Der Geist der Mirabelle" (1975) belegen dies trefflich.

Siegfried Lenz wurde für sein Œuvre mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Gerhart-Hauptmann-Preis, der Bayerische Staatspreis für Literatur, der Thomas-Mann-Preis, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und zuletzt, 1999, der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Seine Auszeichnungen galten dem literarisch unvergleichlichen Werk, und sie rühmten immer auch das unerschrockene Engagement des Autors.

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