Da ja meine Jugendhelden RUNNING WILD auch nach ihrem Comeback weiterhin ziemlich abstinken, paßt es doch hervorragend, daß sich mittlerweile ein richtig vollwertiger Ersatz für Rocking Rolf gefunden hat. Die Franzosen LONEWOLF habe ich über Plattensammlung eines Freundes entdeckt. Die beiden Vorgängeralben 'Made In Hell' und 'The Dark Crusade' gefallen mir ausnehmend gut ' entsprechend gespannt war ich darauf, was LONEWOLF auf ihrem aktuellen Longplayer 'Army Of The Damned' abliefern. Auf den mir bekannten Veröffentlichungen konnten mich LONEWOLF neben der großartigen Musik vor allem durch die nicht alltägliche Stimme von Shouter Jens Börner begeistern. Eine willkommene Abwechslung im Meer der Falsettsänger speziell im Heavy und Power Metal Bereich, für die ich sehr dankbar bin. Jens verleiht durch seinen rauen, kehligen Gesang den Stücken von LONEWOLF eine nicht zu verachtende Portion Eigenständigkeit und ist ein echtes Trademark der Band geworden. Doch genug der Vorrede, schauen wir mal, was sich im Vergleich zum großartigen Vorgängeralbum 'The Dark Crusade' auf dem aktuellen Output getan hat.
Hier die Bewertung der einzelnen Tracks:
1. Lonewolf
Nach einer kurzen atmosphärischen Einleitung prescht der Opener mit einer ordentlichen Portion Speed voran, die Gitarren klingen ungemein vertraut, die Hookline ebenso, und unversehens hat man das Gefühl, daß genau so eigentlich das neue RUNNING WILD-Album HÄTTE beginnen sollen! Aber man würde LONEWOLF nicht gerecht werden, würde man sie als bloße Kopie abstempeln - das sind die Franzosen nämlich ganz und gar nicht. Die Musik von LONEWOLF im Allgemeinen und das Eingangsstück des neuen Albums im Speziellen sind unbestreitbar von RW beeinflußt, aber nichtsdestotrotz machen die Jungs durchaus ihr eigenes Ding. Sie haben Spaß, und die Spielfreude und Frische spürt man bereits im ersten Song überdeutlich. Gelungener Einsteiger! 9,5/10
2. Crawling to Hell
Weiter geht es etwas gemäßigter, was das Tempo betrifft, doch 'Crawling To Hell' dröhnt nicht weniger druckvoll aus den Box, als der Opener. Eine herrliche Mitsinghymne, die, wie viele andere LONEWOLF-Songs nicht zuletzt vor allem durch Jens' ungewöhnliche Stimme lebt. 8,5/10
3. Army of the Damned
Der Titelsong ist ein echter Knaller vor dem Herrn. Bereits die Einleitung zeigt deutlich, wo hier der Hammer hängt. Schleppend und mächtig walzt sich das Stück durch die erste Strophe, um dann zielgerichtet in einen Mitsing-Chorus vom Feinsten zu münden. 'Army Of The Damned' ist ein Stück feinsten melodischen Schwermetalls und einer meiner Favoriten des Albums. 9,5/10
4. Hellbent for Metal
Und schon folgt der nächste Kracher. Herrlich speedig galoppiert das Stück voran, und der Nackenmuskulatur wird nicht die kleinste Pause gegönnt. BANG OR DIE!!! Großartiger, schnörkelloser Song! 9,5/10
5. Soulreapers
'Soulreaper' kann die Qualität der ersten Stücke mühelos halten. Ein melodischer Midtempo-Groover mit ordentlich Schmackes ' hier liegt in der Kürze die Würze! 9/10
6. Celtic Heart
Jawohl, LONEWOLF können auch Powerballaden! 'Celtic Heart' dürfte mit seiner geilen Melodie und den vielen Mitsingparts zu einem Live-Klassiker avancieren. Thumbs Up! 9,5/10
7. The Last Defenders
Und schon wieder folgt ein Midtempostampfer, bei dem man sich förmlich die Seele aus dem Schädel bangen muß. 'The Last Defenders' rockt wie nur was! 9,5/10
8. Cold
Ich muß zugeben, die Hookline von 'Cold' klingt verdammt nach RUNNING WILDs 'Riding The Storm', aber das verbuchen wir mal wohlwollend als Verbeugung vor Rolf in seinen Glanzzeiten. Denn 'Cold' macht einfach Spaß, ist ungemein mitreißend und hat einen megageilen Chorus. Mir gefällt der Track jedenfalls ausnehmend gut. 9,5/10
9. The One You Never See
Daß LONEWOLF absolut in der Lage sind. Auch völlig eigenständiges Material abzuliefern, beweisen sie eindrucksvoll mit 'The One You Never See'. Das Stück hat fast schon Schunkelqualität und eignet sich hervorragend, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Fans bei den kommenden Liveauftritten zu fördern. Geile Nummer! 9,5/10
10. Tally Ho
Zur Abwechslung gibt es an dieser Stelle wieder eine straighte Uptempo-Nummer, die ohne Schwächen über die gesamte Distanz zu gefallen weiß, der aber vielleicht noch das letzte I-Tüpfelchen fehlt. 8/10
11. One Second in Eternity
Bei einem Album-Abschluß im Uptempobereich und einer Spielzeit von unter vier Minuten darf man getrost von einem Rausschmeißer sprechen. Und der kommt richtig gut. LONEWOLF fahren noch einmal eine ordentliche Portion melodischen Speed auf und erinnern einmal mehr daran, wer das große Vorbild der Band ist, ohne dieses einfach nur zu kopieren. 8,5/10
Produktion
Schön druckvoll und sauber, wobei der Sound allerdings nicht blankpoliert wirkt, sondern das Raue, Natürliche, das einen Großteil des Reizes der Musik von LONEWOLF ausmacht, bewahrt und unterstreicht. 9/10
Artwork und Verpackung
Ich finde das Artwork sehr gelungen, da es hervorragend zum Sound von LONEWOLF paßt. Schon das Cover macht visuell deutlich, was man beim Hören der Stücke zu erwarten hat. 8,5/10
Fazit
LONEWOLF liefern mit 'Army Of The Damned' ein großartiges Melodic Metal Album ab, da zu jeder Zeit frisch und unverbraucht aus den Boxen hämmert. Die Parallelen zu RUNNING WILD sind unüberhörbar, trüben für mich den positiven Gesamteindruck aber in keiner Weise. Minimale Abzüge in der B-Note gibt es dafür, daß Shouter Jens nicht wirklich jeden Ton genau trifft, aber das macht er größtenteils durch seine markante Stimme wieder wett, die eine willkommene Abwechslung zum Kopfstimmeneinerlei vieler anderer Metalbands darstellt. 'Army Of The Damned' klingt rau, ursprünglich und unverbraucht. Das Album macht ungeheuer viel Spaß, und zumindest bei mir haben sich auch nach dem x-ten Durchlauf noch keine Abnutzungserscheinungen bemerkbar gemacht. Deswegen ergeht an dieser Stelle meine klare Empfehlung an alle Fans des melodischen Metals, und speziell auch an die jenen, die wie ich vom neuen RUNNING WILD Album ziemlich enttäuscht sind. Bei LONEWOLF kann sich der gute Rolf eine gute Scheibe abschneiden, was Spielfreude und Abwechslungsreichtum angeht.
9/10 Gesamtwertung