"Mein Vater wird noch die ganze Welt erobern und mir nichts zu tun übriglassen."
(Alexander der Große, 356 - 323 v. Chr)
Der im April 2009 vom Brandenburgischen Verlagshaus Siegler herausgegebene Band "Die Armee Alexander des Großen" kann im Gegensatz zu seiner Artikelbeschreibung nicht nur 96, sondern 112 Seiten vorweisen. Auch durch den für die deutsche Ausgabe von der Edition Lampertz gewählten Titel wird das Buch im Hinblick auf seine englischsprachigen Vorlagen thematisch geschmälert, denn es beinhaltet zwei Teile, von denen jeder auf einen Originalband aus dem Hause Osprey Publishing zurückgeht. Während der erste Teil "
The Army of Alexander the Great (Men-at-Arms)" in der Reihe "Men-at-Arms" bereits 1984 erschienen ist, erfolgte die Publikation des zweiten Teils "
Macedonian Warrior: Alexander's Elite Infantryman" in der "Warrior-Reihe" erst im Jahre 2006.
Nach einer kurzen Einführung befasst sich der erste Teil des Bandes zunächst mit Alexanders Vater Philip II. vom Makedonien, dessen Hof, Somatophylakes (Leibgarde), Heeresleitung, Kommunikation und Verwaltung. Dazu gibt es eine Karte des makedonischen Herrschaftsbereiches mit seinen Verwaltungseinheiten und benachbarten Völkern sowie eine Zeittafel mit den wichtigen Daten der Regierungszeiten Philips und Alexanders. Mehr als zwei Drittel des ersten Teils sind den beiden "Waffengattungen" des makedonischen Heeres gewidmet, Kavallerie und Infanterie. Deren deren Ausstattung, Organisation und Taktik wird zum Teil in Graphiken wiedergegeben. Die Besonderheiten der einzelnen Unterabteilungen, wie der Thessalischen und Thrakischen Kavallerie, den Hetaroi Alexanders, den Prodromoi, den Reitern des korinthischen Bundes und der aus Söldnern bestehenden Hilfs-Kavallerie werden in einzelnen Abschnitten erläutert. Dasselbe gilt für die Kampfgefährten zu Fuss, wie die Hypaspistes, die Hopliten der griechischen Stadtstaaten, die Psiloi, Toxatai. Die in 16 Reihen gestaffelten Syntagmata, deren Pezhetairoi mit bis zu 4,5 Meter langen Sarissen ausgestattet waren, werden an dieser Stelle jedoch nur kurz angesprochen. Zu den acht Farbtafeln ist zu bemerken, das sie zwar recht farbenprächtig sind, dadurch mitunter jedoch auch grell und dadurch weniger realistisch wirken. Besonders Kämpfer auf dem Schlachtfeld, die gerade einen Gegner bezwungen haben kommen derart adrett daher, als wären sie gerade eingekleidet worden.
Der zweite Teil des Bandes befasst sich mit der Thematik, die zuvor viel zu kurz gekommen ist, der Makedonischen Phalanx. Zunächst wird die Entstehung der griechischen Hopliten-Armeen geschildert und anschließend ihre Geschichte in einer Chronologie von 650 v. Chr - 301 v. Chr. zusammengefasst. Von der Rekrutierung über die Ausbildung, Ausstattung bis zu den Bedingungen des Dienstes werden die wichtigsten Aspekte erläutert. Neben Besoldung, Auszeichnungen, Beförderungen und anderen Arten der Ehrungen wird auch auf die Arten der Bestrafungen eingegangen. Ein weiterer Abschnitt behandelt die Umstände der Truppe im Feldlager und während ihres Marsches, der durch Versorgungs- und Kommunikationslinien gesichert wurde. Die enormen physischen und psychischen Belastungen versuchten Alexander und seine Offiziere mit bacchantischen Exzessen zu kompensieren. Der nachfolgende Abschnitt "Organisation, Zahlen und Terminologie" macht den Leser mit den griechischen Originalbezeichnungen vertraut und bietet der Abbildung einer makedonischen Phalanx aus der Vogelperspektive mehrere Tabellen mit den Befehlshabern der größten Einheiten. Neben der Aufstellung der Phalanx, werden nacheinander die Schlachten am Granicos, von Issos und Gaugamela und am Hydaspes nur äußerst kurz und ohne Karten ihres Verlaufs präsentiert. Einem Epilog über die "Niederlage der unbesiegbaren Phalanx" folgen noch drei Web-Links zu Museen und Webseiten sowie ein ebenso spartanisches Glossar Die Bildtafeln sind farblich weniger grell und realistischer anzusehen als die des ersten Teils. Insbesondere die Abbildungen der Syntagma verdeutlichen, den taktischen Charakter des Herzstücks der makedonischen Armee.
Gleichwohl auf Seite 72 auch eine Karte von Alexanders Asienfeldzug geboten wird, vermisst timediver® eine detaillierte und visualisierte Darstellung der großen Schlachten, wie dies z. B. Die in "
Die Kriegskunst der Griechen und Römer" von John Warry aus dem Jahre 1981 geboten wird. Trotz der seiner Unzulänglichkeiten kann der Doppelband angesichts seines äußerst günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses noch mit 5 Amazonsternen bewertet werden.