Mit der Armut kommen die Bücher darüber. Davon gibt es grob zwei Gruppen: die einen haben eine These, die gerne mit mehr als einem Quantum Belehrung für die Betroffenen verfochten wird. Das Leben kommt dabei nicht selten unter die Räder, frei nach dem Motto: If the facts don't fit the theory, change the facts. Die zweite Gruppe geht von Beobachtungen aus und interpretiert diese. Im besten Fall ergibt das brauchbare Thesen, im schlechten Fall stimmt das immer noch nachdenklich und ist, wie Nils Minkmar in der FAZ formuliert, in einem assoziativen, intuitiven, literarischen Sinn erkenntnisstiftend, weil es aus dem sozioökonomischen Fall eine Person macht. Helmut Kuhns Band zählt, wie auch der Band von Nadja Klinger und Jens König, zu den besseren Vertretern der zweiten Gruppe. Der Band ist sehr gut geschrieben, nach Fragestellungen gegliedert, faktenreich und in der Taschenbuchversion vom Februar 2009 mehr als preiswert. Ärgerlich ist, dass die Taschenbuchausgabe die Fülle kleiner Fehler und Ungenauigkeiten neu auflegt: Der Eckregelsatz betrug nicht 354 Euro, sondern 345, und ist mit Hartz IV nicht auf dieses Niveau gesunken, sondern von 296 Euro darauf erhöht worden. Der viel zitierte DIW-Experte heißt nicht Werner, sondern Markus, und der DGB-Vorsitzende nicht Theo, sondern Michael. Im Gegensatz zu den einst durch Josef Ackermann als Peanuts kritisierten 50 Millionen Euro gehören diese kleinen Defizite aber tatsächlich in das Reich der Erdnüsse.