Ein faszinierendes Thema: Hat es eine arktische Heimat gegeben, eine Art Atlantis, von der aus die Menschen, als das Goldene Zeitalter erstarb, über die Welt wanderten? Zahlreiche Mythen berichten davon. Prof. Joscelyn Godwin untersucht sie und die Wirkung, die diese Mythen im 20. Jahrhundert und vor allem im totalitären Europa entfalteten. Herausgekommen ist ein wissenschaftlich weitenteils unvoreingenommenes Buch, das sich des Themas ernsthaft annimmt, ohne sich allzusehr in politisch korrekten Sentenzen zu ergehen, und das Weg und Wandlung des arktischen Mythos nachzeichnet.
(Das Buch lag erstmals 1997 auf Deutsch vor, jedoch in einer schlechten und entstellenden Übersetzung. Diese Ausgabe (2007) beim Ares-Verlag stellt eine komplette Neuübertragung dar.)
Stutzig macht den Leser allerdings zunächst, daß sich Autor Godwin im Vorwort für die großzügige Beschaffung von Büchern bedankt, die doch jederman nach fünfminütiger Suche im Internet als unveränderten Scan im PDF-Format findet oder wenigstens kinderleicht als Fotokopiensatz bestellen kann! Und hier liegt auch die Crux: Offenbar hat mittlerweile die virtuelle Revolution stattgefunden, von der dieses Buch - 1996 erschienen - noch nichts weiß.
Unverständlicher- und bedauerlicherweise - und hierfür muß ich zwei Bewertungssterne abziehen - hat der Autor die Neuübersetzung nicht zum Anlaß genommen, sein Werk aus dem Jahre 1996 einer Aktualisierung zu unterziehen. Dabei sind gerade zu den Aspekten, die sich um das hier behandelte Thema gruppieren, mehrere grundlegende Studien allein in deutscher und englischer Sprache erschienen. So vermißt man Roses gründliche Arbeit über "Die Thule-Gesellschaft", Hamanns "Hitlers Wien", Bahns und Gehrings fundiertes Werk "Der Vril-Mythos", Weißmanns Monographie über "Das Hakenkreuz" und viele weitere Studien.
Das 12seitige Literaturverzeichnis (Stand 1996) ist umfassend, wenngleich nicht ganz klar wird, warum - offenbar willkürlich - manchmal deutsche Übersetzungen von Referenzwerken genannt werden und manchmal nicht, obwohl solche teilweise schon seit Jahrzehnten auf Deutsch vorliegen. (Übrigens stützt sich Godwin zwar weitgehend, aber keineswegs immer auf Primärquellen, wie in der Einführung etwas vollmundig hervorgehoben wird.)
Volle fünf Sterne gebe ich hingegen dem 29seitigen, gründlichen und erhellenden Nachwort von H. T. Hakl, das auf dem neuesten Forschungsstand (!) ist und ausführlich auf Bâl Gangâdhar Tilak und seine bis heute einflußreiche These von der arktischen Urheimat der ârya eingeht. Ich habe mir "Arktos" allein aufgrund dieses hervorragenden Textes von Hakl gekauft.