Alle Jubeljahre kommt ein Album daher, das einen schlichtweg umhaut, das auch nach Dauerberieselung nicht fade wird, das für immer zum persönlichen Klassiker wird - nicht mehr wegzudenken aus der persönlichen CD Sammlung und ein ständiger Begleiter auf dem mp3 player. So ein absoluter Glücksfall ist das neue Album "Ark" von Brendan Perry, eine Hälfte des enorm einflussreichen und erfolgreichen alternativem Musikprojekts Dead Can Dance.
Leider gehen die damalige Weggefährtin Lisa Gerrad, selbst eine Legende der alternativen Musikszene sowie mittlerweile vor allem bekannt durch ihre unter die Haut gehenden Soundtracks und Kollaborationen, und Brendan Perry mittlerweile eigene Wege, obwohl sich in letzter Zeit auch wieder Gerüchte mehren, dass eine erneute Zusammenarbeit erwägt wird.
Nach der Trennung kam 2002 von Brendan Perry das erste Solo-Album "Eye of the hunter" heraus, das viele der alten Dead Can Dance nicht so recht überzeugen konnte. Es war ein Songwriter Album, überwiegend akustisch aufgenommen und konnte nicht an die Magie der Dead Can Dance Kompositionen anknüpfen. Ich war schon immer eher ein Anhänger von Lisa's Stimme und bin davon ausgegangen, dass die tollen Melodiebögen, die unverwechselbare Atmosphäre wohl eher Lisa als Brendan zuzuschreiben sind. Das neue Brendan Perry widerlegt diese Theorie auf eindrucksvollste Weise.
"Nur" 8 Songs bietet uns Brendan hier, darunter zwei Songs, die für die Dead Can Dance re-union tour 2005 geschrieben wurden. Allerdings sind fast alle Songs über 6 Minuten lang und trotzdem gibt es auf diesem Album keine Längen, das Material kann als episch beschrieben werden, immer faszinierend, einschmeichelnd, exotisch, melancholisch, manchmal auch etwas düster und unheimlich. Alle Songs sind absolut umwerfend, laden zum Träumen ein. Ich persönlich kann mich mit der Musik unheimlich gut beruhigen und aufmuntern.
Die lyrischen Themen des Albums sind überwiegend Kritik an den Mißständen dieser Welt und zeugen von eines Zeitalters, das es uns einfach macht über große Distanzen miteinander hinweg zu kommunizieren und trotzdem tief im Herzen uns einsam zu fühlen. Die Informationsflut hat seine Schattenseiten, man hat durchaus den Eindruck überfordert zu sein und das Hoffen auf eine bessere Zeit und vielleicht auch die namensgebende Arche als Symbol einer überirdischen Rettung, einer Reinigung und eines Neuanfangs. Der Leuchtturm ziert nicht umsonst das Albumcover, sozusagen ein "Licht am Ende des Tunnels" bzw. in der Ferne, ein Licht, das und davor bewahrt, persönlichen Schiffbruch zu begehen und die Hoffnung aufzugeben.
Die Texte sind insgesamt sehr kritisch: Kolonialismus werden in Songs wie "Babylon" genauso angeprangert wie schleimige Politiker, die weltweit einen auf Vorbild machen und Ihre Wähler bzw. Völker dann schnell fallen lassen und alle guten Vorsätze über Bord werfen, um sich selbst zu bereichern oder Vorteile herauszuschinden "Bogus Man".
Mein persönlicher Lieblingssong ist "Wintersun", der auch auf der letzten Solo Tour von Brendan gespielt wurde. Es handelt sich hierbei um einen unglaublich verführerischen Song, traumhaft mit elektronischen Chören umschmeichelt, eine wunderbare gesangliche Leistung, die geniale Umsetzung aller Instrumente erinnern mich auf die Brandung eines wilden Meers, die Gitarren erinnern in ihrer schrägen Umsetzung interessanterweise an ferne Länder der Südsee. Ob diese Assoziationen so gewollt bzw. beabsichtigt waren, ist fraglich. Schon immer haben Zuhörer von Dead Can DAnce und Brendan Perry & Lisa Gerrad ihre eigenen Welten eröffnet und eigene Zusammenhänge gefunden.
"Ark" kommt als Album sehr geschlossen daher. Brendan hat überwiegend synthetische Sounds und Samples (allerdings auch von klassischen Instrumenten und Chören) angewandt, allerdings stets begleitet von "echtem" Schlagzeug und Percussion. Sämtliche Songs wurden von ihm selbst kombiniert, sämtliche Instrumente von ihm selbst gespielt, alle Texte selbst verfasst, alle Songs mit seiner unverwechselbaren, kraftvollen Stimme gesungen. Daraus schliesse ich persönlich ganz einfach und konsequent, dass Brendan ein absolutes musikalisches Genie ist. Wenn es bei Verkaufszahlen der heutigen Musikbranche um Qualität und Innovation und Talent gehen würde, müsste dieses Album die Verkaufscharts für Jahre anführen. Mein Fazit: Die Songs auf "Ark" können sich mit den allerbesten von Dead Can Dance locker messen.
Meine Anspieltipps für dieses Album sind insbesondere: Wintersun, Babylon, The Bogus Man, This Boy und Utopia.