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Johnny Depp hat zu Beginn seiner Karriere wirklich alles richtig gemacht: Anstatt an seinen großen Erfolg als TV-Serien-Darsteller in "21 Jumpstreet" anzuknüpfen und sich für Hollywood-Blockbuster verpulvern zu lassen, wirkte er nur in erlesenen, kommerziell oft nicht besonders erfolgreichen Projekten mit. Die Rolle des Axel in "Arizona Dream" war seine dritte nach Auftritten in "Cry Baby" und "Edward Scissorhands".
"Arizona Dream" nachzuerzählen wäre schwierig. Hier ist der Titel Programm: Es handelt sich um einen surrealistischen, bildgewaltigen Film über Träume - allen voran den amerikanischen - voller unvergesslicher Aufnahmen, Szenen und Dialogstücke, mit einer unglaublichen Besetzung: Neben Johnny Depp sind Faye Dunaway ("China Town") sowie der gealterte Komiker Jerry Lewis mit von der Partie. Heimlicher Star des Films ist aber Vincent Gallo, der die besten und einprägsamsten Szenen hat: Er spielt eine Figur, die vom Schauspieler-Ruhm träumt und die Zeit damit verbringt, Dialoge aus Film-Klassikern wie "Raging Bull" auswendig zu lernen und im Kino - sehr zum Ärger des Publikums - vor der Leinwand mitzusprechen. Bei einem Wettbewerb spielt er die Szene aus "North by Northwest" nach, in der sich Cary Grant, von einem Flugzeug angegriffen, in ein Maisfeld stürzt. Genial!
Dieser eigenwillige Film ist aber mit Sicherheit nicht für jeden was, und man muss vor allem ein wenig Geduld mitbringen. Denn zwar hat Kusturica die ursprünglich 4 Stunden um fast die Hälfte reduziert, nichtsdestotrotz zieht sich der Film am Ende aber ein wenig in die Länge. Nach der perfekten ersten Hälfte steigert sich hier die Kusturica-typische hektische Mischung aus folkloristischer Musik, im Bild herumirrenden Tieren und chaotischer Handlung, wobei das Timing einfach nicht so perfekt ist wie in "Schwarze Katze, weißer Kater".
Trotzdem gebe ich fünf Punkte, auch wegen der guten Ausstattung (bei äußerst fairem Preis) der DVD. Dieser Film ist so voller unvergesslicher Momente, dass man das etwas anstrengende Ende und ein wenig kitschige Momente gerne verzeiht. Für Johnny-Depp-Fans sowieso ein Muss (von Kusturica-Fans ganz zu schweigen). Letzter Pluspunkt: Ein wunderbarer Film-Song von Iggy Pop, der das Schicksal des Filmes teilt: Ihn kennt kaum jemand, vor allem nicht in Amerika.
Da ist also der junge Axel, der Fischer in New York und dort mit seinem Leben ganz zufrieden ist. Eines Tages taucht sein Cousin bei ihm auf, macht ihn betrunken und nimmt ihn mit sich nach Arizona, wo ihr gemeinsamer Onkel demnächst Hochzeit feiern wird. Wieder nüchtern und schließlich in der ungeliebten alten Heimat, kann Axel seinem Lieblingsonkel den Gefallen natürlich nicht abschlagen, einige Zeit bei ihm zu bleiben und sich sogar als Autoverkäufer zu versuchen. Dabei läuft ihm eine ältere, sehr attraktive Frau (Faye Dunaway) über den Weg und er verliebt sich augenblicklich in sie und schafft es schließlich auch, sie für sich zu gewinnen. Mit ihr zusammen beginnt er dann damit, ihren größten Traum zu verwirklichen: den Traum vom Fliegen. Zusammen basteln sie an einer Flugmaschine, mit mehr oder weniger Erfolg.
Dann gibt es da noch die Stieftochter Grace (die alle als Lisa in Six Feet under kennen werden), die sich sofort in Axel verliebt und dadurch nur ungern sieht, wie er mit ihrer Stiefmutter zusammen ist. Sie zerstört die Flugmaschine und geht den beiden auch so ständig auf die Nerven. Zudem ist sie von Selbstmordwünschen geplagt, mit dem Wunsch, als Schildkröte wiedergeboren zu werden.
Schließlich verliebt sich Axel doch in Grace und bittet sie, mit ihm wegzugehen. Doch leider soll es dazu nicht kommen...
Der Film ist gespickt mit unglaublichen Bildern und immer wiederkehrenden Motiven, die sich zwischen Traum und Wirklichkeit bewegen und beide somit fast unmerklich miteinander verbinden. Dadurch kommt man in die gleiche Wahrnehmungsebene wie Axel, der Traum und Realität oftmals auch nur allzu schwer voneinander unterscheiden kann.
Einen skurrileren Film habe ich selten gesehen und er hätte fast von Tim Burton stammen können, der für Filme dieser Art und für die Zusammenarbeit mit Johnny Depp ja bekannt ist, aber er tut es nicht, sondern entstammt dem brillanten Hirn von Emir Kustorica, von dem ich bisher -ganz ehrlich gesagt- noch nie gehört habe. Aber er hat es einfach drauf, das muß man neidlos zugeben, denn dieser Film ist einfach nur unglaublich und ohne weiteres kann man ihn sich immer und immer wieder ansehen. Allerdings sollte man eine kleine Vorliebe für eigenartige Filme mitbringen oder zumindest ein Fan von Johnny Depp sein, denn in diesem Film ist er als doch noch recht junger Schauspieler so perfekt, wie man wohl nur sein kann. Ich glaube langsam wirklich, dass dieser Mann keinen Film machen kann, in dem er nicht hundertprozentig überzeugt und sein unglaubliches Talent beweist. Da kann einem vor Bewunderung wirklich nur die Kinnlande nach unten klappen und da kann man einfach nur schon nach dem nächsten Film Ausschau halten, den man mit Johnny Depp noch nicht gesehen hat.
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