Lange habe ich auf die CD gewartet, da ich ein großer Fan von Vivica Genaux bin - und wurde dann leider etwas enttäuscht. Die Händel-Arien singt Frau Genaux zwar genau so, wie ich es erwartet habe: virtuos, ausdrucksstark und mit viel Verve. Beonders hervorzuheben sind die eingefügten Ornamentationen bei der Ruggiero-Arie, die für ein schieres Bel-Canto Vergnügen sorgen.
Doch dann kommen die Hasse-Arien: Sie hören sich zunächst mehr oder weniger alle gleich an, sind vom Tempi mittelschnell und - leider - auch nur mäßig schwierig. Ich frage mich, warum man mit einer Sängerin mit den exzeptionellen technischen Fähigkeiten einer Genaux nicht die als "unsingbar" geltenen Arien Hasses (bzw. Porporas, Pergolesis etc.) aufgenommen hat. Sie wäre vermutlich derzeit die einzige, welche diese Arien angemessen interpretieren könnte. Stattdessen ist bei den hier ausgewählten Stücken meist "nur" ein langer Atem erforderlich, sodass die Arien auch bequem von anderen Sängerinnen hätten gesungen werden können.
Schade, Genaux ist hier einfach total unterfordert und man ist leider weiterhin auf die überwiegend schlechten (Live-)Einspielungen der "galanten Komponisten" angewiesen.
Eigentlich drei Sterne, aber das wäre einfach weit unter dem Wert der Künstlerin, daher noch 4.
NACHTRAG (1. Februar 2007)
Tipp: Wer Hasses galant-verzierten Stil wirklich genießen will, sollte sich unbedingt das Oratorium "Serpentes Ignei in Deserto" in einer fantastischen Einspielung unter Jerome Correas zulegen.