Wenn man Christine Schäfer im Interview erlebt ist man nicht nur angetan von Ihrer Intelligenz und Ihrem Selbstbewusstsein, auch ihre Stimme, eher tief und fast ein wenig rauh, hat ein ganz eigenes Appeal.
Umso enttäuschter ist man, wenn man feststellt, dass ihre Singstimme kaum etwas davon enthält. Sie klingt völlig anders, sehr klar und hell, manchmal fast ein wenig scharf. Man kann fast kaum glauben, dass das die selbe Person ist. Ich erwähne das, weil ich glaube, dass darin auch eine Ursache liegt, warum ich mit ihren CDs nicht so wirklich warm werde.
Schon die Idee ihrer letzten Platte mit Alcina Arien fand ich großartig, ihre Winterreise war höchst bemerkenswert und an der Auswahl dieser CD bewundere ich immerhin die individuelle Auswahl, auch wenn ich das Programm persönlich ein wenig zu buntscheckig finde.
Doch immer gab es da eine gewisse Ernüchterung, die ich oft nicht recht zu lokalisieren wusste. Inzwischen glaube ich, dass es daran liegt, dass sie ihre Stimme und Kunst als etwas von ihrer Person losgelöstes betrachtet und behandelt. Alles hat einen artifiziellen Charakter. Sie gestaltet hochbewusst und sehr differenziert, doch mit einem objektiven analytischen Blick. Die existenzielle Erschütterung des Wanderers in der Winterreise und der verlassenen Alcina, für die man mit eigenem Fleisch und Blut bezahlen müsste, bleiben aus. Das ließe sich auch über die Desdemona Arien auf diesem Album sagen, die Gestaltung ist originell doch der existentielle Unterton von Angst und schlimmer Vorahnung ist nicht Recht zu spüren.
Statt der Alcina (einer Strada Partie) läge der Schäfer die Semele (eine Francescina Partie) viel eher. Nur schade, dass man aus der einen kurzen Arie, die hier geboten ist, kaum einen Begriff bekommt von den Geheimnissen dieser Rolle und der Oper (eigentlich ein dramatisches Oratorium), die eine der interessanten Werke Händels ist.
Leider hat die Schäfer keinen Händel, der ihre spezifischen sängerischen und dramatischen Fähigkeiten ins rechte Licht rückt. Vielleicht bräuchte sie tatsächlich jemanden, der sie sanft in die richtige Richtung führt. Auch die Callas und die Schwarzkopf hatten solche Mentoren. In jedem Fall wäre es furchtbar schade, wenn die Schäfer, eine der bemerkenswertesten und interessantesten Sänger zur Zeit, ihr Potential nicht wirklich ausschöpfen könnte.