Bei dieser Einspielung gibt es viel zu loben, zuallererst das glänzend disponierte Orchestra of Patras, das George Petrou im Rahmen eines Festivals in Korinth anvertraut wurde. Die Aufnahmen dauerten mehrere Tage und wurden von Dabringhaus & Grimm sehr versiert betreut, um dem eigenen audiophilen Anspruch gerecht zu werden. Die griechischen Sänger sind allesamt hörenswert (kleine Schwächen), die Titelpartien Theseus und Ariadne überzeugen; es singen Mary-Ellen Nesi (Mezzo-) und Mata Katsuli (Sopran), die lange in Düsseldorf engagiert war. Nesi singt dabei die schwerste Arie "Salda quercia...", -eine atemberaubende Bravour-Arie, 1734 vom Kastraten Carestini dargeboten.
Die Geschichte von Theseus und Ariadne wurde im Libretto durch eine zweite "unglückliche" Liebe aufgedoppelt, - Carilda liebt ebenfalls Theseus und Alcestis seinerseits ist ohne Aussicht auf Erfolg in Carilda verliebt. Am Ende finden sich natürlich beide Paare, die Liebe besiegt nicht nur alle Verwicklungen sondern auch die politische Konfrontation zwischen Athen und dem minoischen Reich. Leider bietet das Booklet keine Synopsis der Handlung, man muss sich daher durch das altenglische oder italienische Libretto quälen. Die Musik ist für die emotional-psychologische Handlung sehr agogisch geraten, das heroische Moment tritt deutlich hervor. Sie entstammt Händels mittlerer Schaffensperiode. Übrigens war die Oper bei ihrem Erscheinen ein relativ großer Erfolg, vielleicht auch wegen ihres Gruselpotenzials im Labyrinth des Minotauros. Auf mich wirkt sie fast etwas burlesk. Die große Arie von Alcestis im Akt II (mit Barock-Cello) bildet den Höhenpunkt der leisen Töne, sie ist wirklich bewegend. 1734 wurde sie vom Sopran-Kastraten Scalzi gesungen, der nur eine einzige Saison bei Händels Ensemble blieb. Die Rolle ist hier Theodora Baka zugefallen, die sie sehr gut ausfüllt.