„Argus" wurde 1972 vom „Melody Maker" zum Album des Jahres gekürt, und die Band belegte in der Leserumfrage des gleichen Blattes den 1. Platz bei den beliebtesten Newcomern. Was aber nichts an der Tatsache änderte, dass sowohl die LP als auch die spätere CD einen etwas dumpfen Keller-Sound aufwiesen. Dieser Mangel ist nun mit dieser Jubiläums-Pressung behoben, und „Argus" präsentiert sich so, wie es sein sollte - mit etwas knackigerem Bass-Fundament, klaren Gitarrenstimmen und ohne den störenden Grauschleier eines permanenten Grundrauschens. Ehre, wem Ehre gebührt: Das Album ist die vielleicht geschlossenste Produktion von Wishbone Ash. Es zeichnet sich durch profunde Musikalität aus, die von Anfang bis Ende durchgehalten wird, obwohl nicht alle Kompositionen das gleiche Qualitätslevel aufweisen. Die Stilmerkmale der Gruppe - zwei eng verflochtene Leadgitarren und ein langsamer, manchmal fast vorsichtiger Aufbau der Songs - werden hier mehr als einmal erfolgreich demonstriert. Zudem besitzt „Argus" eine sehr melodiöse Grundstruktur, die manchmal sogar an Folk-Einflüsse denken lässt. Wie dem auch sei: Das Album ist weder Hardrock noch Softrock, sondern irgendetwas dazwischen, sehr eigenständig und individuell, dazu abwechslungsreich und mit großen Spannungsbögen versehen. Das als Bonus dazugestellte Live-Material rockt schon etwas stärker, passt aber nicht so richtig in den Zusammenhang. Was soll's: Damit kommt die CD auf immerhin 77 Minuten - nicht schlecht für ein Jubiläum.