Diese Platte macht mich immer noch irgendwie nervös, wenn ich das Wagnis eingehe, sie nach langer Zeit mal wieder in den Player zu schieben und ganz durchzuhören. 1978, im Jahr ihres Erscheinens, wirkte sie gar verstörend, löste eine musikalische Revolution aus und startete eine Bewegung, die schon bald 'New Wave' genannt werden würde.
Die damals von vielen als unerhörte Lästerung angesehene Dekonstruktion des Rolling Stones-Evergreens "Satisfaction", die großartige Glamrock-Hommage "Mongoloid" (wie Gary Glitter auf Speed), der Opener "Uncontrollable Urge" (wie frühe Beatles und Beach Boys, verloren in einem unheimlichen Paralleluniversum), das unvergleichliche "Jocko Homo" (wie Kraftwerk, Frank Zappa und Led Zeppelin, aneinander gekettet und gezwungen, gemeinsam eine Art musikalisches Zukunftsprojekt auf die Beine zu stellen), das eingängige "Come Back Jonee" (wie Chuck Berry, Del Shannon und Johnny Cash, mit einer Rakete in die 80er-Jahre geschossen), "Sloppy (I Saw My Baby Gettin')" (wie die Sparks) und "Shrivel Up" (wie ein Treffen von Talking Heads und Ultravox vor Midge Ure) sind die Highlights dieses selbst heute noch bemerkenswerten Albums.
Auch wenn Devo später zugegeben haben, dass ihr angeblich so durchdachtes De-Evolutions-Konzept inklusive alberner Uniformen mit bunten Plastikeimerchen auf den Köpfen eigentlich sinnfreier Highschool-Humbug war und lediglich höchst mögliche Aufmerksamkeit erregen sollte (was ihnen ja auch hinreichend gelang!), so war Q: ARE WE NOT MEN? A: WE ARE DEVO! doch ein sehr wichtiges Statement des Aufbruchs in eine neue Ära der Pop- und Rockmusik, welches das nächste Jahrzehnt maßgeblich beeinflussen sollte.
Ob das zum Besseren oder zum Schlechteren geschah - diese Einschätzung bleibt im pophistorischen Rückblick jedem selbst überlassen. Denn ein wenig anstrengend sind sowohl diese Scheibe als auch vieles von dem, was unter dem Etikett 'New Wave' danach so alles veröffentlicht wurde, natürlich schon. Außer in England, wo es immerhin zu Platz 12 der Charts reichte, verkaufte sich das Album damals auch nicht sonderlich gut. Und in Deutschland schon gar nicht, da konnten die üblichen Verdächtigen (sprich in diesem Falle: der leicht verstrahlte Harald Inhülsen im 'Musik Express') es auf einer ganzen Seite noch so sehr in den Himmel loben.