Trotz vieler Kritiken habe ich habe das Gerät vor 3 Wochen für meine Frau gekauft und um zu sehen, ob es unsere Erwartungen erfüllt. - Um es kurz zu machen, wir sind nicht enttäuscht worden!
Allerdings sollte jedem Käufer vorab klar sein, dass das Archos 9 kein Gerät zum "Einschalten und Loslegen" ist. Wer das erwartet, wird eine Menge Potential verschenken.
Auch finde ich den Vergleich mit dem iPad Unzweckmäßig. Das iPad ist ein großes iPhone ohne Phone, das Archos 9 dagegen ein Netbook ohne Tastatur. Und wer es als solches einsetzt wird eine Menge Spaß damit haben. - Dazu sollte man aber zuerst ein vollwertiges Windows 7 (am Besten einen aktiven Hub, USB-Maus und -Tastatur anschließen) und die aktuellsten Treiber installieren. Damit ist das Archos 9 auch nicht langsamer, als das Amilo Mini Netbook, welches meine Frau bis dato verwendet hat. Selbst mit aktivierter Aero-Oberfläche läuft alles reibungslos. Auch Flash-Videos in 720p HD laufen völlig ruckelfrei, selbst 1080p ist möglich.
Ebenfalls gern kritisiert wird, dass ein resistiver Touchscreen von Archos verbaut wurde. Hier muss ich sagen, für Windows mit seinen vielen filigranen Elementen scheint mir das die richtige Wahl gewesen zu sein.
Außerdem verwendet meine Frau das Tablet auch, um Texte zu lesen und diese mit handschriftlichen Notizen (Stylus) zu versehen. Ein kapazitiver Touchscreen wäre für solch eine Aufgabe wohl tödlich gewesen.
Dank Windows 7 kann man auf dem Archos (fast) alle Programme nutzen, die man auch von seinem normalen PC kennt - Office, Browser, Mailprogramm, sogar Spiele. Die von Netbooks gewohnte Auflösung von 1024x600 Pixel auf dem 8,9" Display ist ideal. Zoomen beim Surfen im Web (was bei anderen Geräten immer wieder gerne als tolle Multitouch-Anwendung gezeigt wird) ist damit zum Beispiel überflüssig.
Noch zwei Empfehlungen, die sich im täglichen Einsatz sehr bewehrt haben:
* Für das virtuelle Keyboard gibt es ein "Origami"-Layout, bei dem die Tasten rechts und links unten in den Ecken in 2 Viertelkreisen angeordnet sind. Diese Tastatur nimmt wenig Platz weg und lässt sich gut mit den Daumen bedienen, während man das Pad mit beiden Händen fest hält.
* Mit dem kostenlosen Programm "AutoHotKey" lassen sich die Tasten des Tablets in Abhängigkeit vom aktuellen Programm neu belegen. Das macht dann Sinn, wenn man mal ein Spiel auf dem Archos 9 laufen hat, bei dem die virtuelle Tastatur sowieso nicht funktioniert (z.Bsp. bei DirectX Vollbild, um beispielsweise das Menü anzeigen zu lassen).
Im folgenden noch kurz die Dinge, die uns mehr oder weniger gefallen haben:
+ Sehr ansprechendes Design, angenehm flach und gut verarbeitet.
+ Mattes Display mit einer für die Auflösung optimalen Größe (5" wären uns zu klein, 10" dagegen zu groß).
+ Der Touchscreen reagiert gut und präzise. Mit der Fingerkuppe lassen sich Fenster verschieben und mit dem Fingernagel Buttons und Menüs bedienen.
+ Das optische Trackpad eignet sich erstaunlich gut als Mausersatz. In Kombination mit dem Touchscreen klappt die Bedienung sehr gut.
+ Eine Akku-Ladung hält mit aktiviertem WLAN, Bluetooth und hoher Helligkeit zwischen 3:30 und 4:30 intensiver Dauernutzung durch.
+ Das Laden des Akkus im Gerät geht sehr schnell.
+ Die Festplatte bietet genügend Speicherplatz.
+ StandBy (Aufwachen und Schlafen) klappt in 3 Sekunden.
+ Wer Windows kennt, findet sich auch beim Archos sofort zurecht.
+ Die vom normalen PC gewohnten Programme lassen sich größtenteils auch auf dem Tablet verwenden.
+ Die Verbindung zu unseren Handys über Bluetooth klappte problemlos (Einsatz als UMTS-Modem unterwegs).
+ Das Tablet ist praktisch lautlos (keine Lüfter vorhanden), lediglich die Festplatte ist ab und zu zu hören.
- Anstatt einer Festplatte hätte Archos auch Varianten mit SSDs anbieten sollen, wie das beim Archos 5 IT ja auch gemacht wird. Diese Flashspeicher sind deutlich schneller und gleichzeitig stromsparender, als die vergleichsweise langsame Festplatte.
- Nur ein USB-Anschluss ist etwas mager. Hier hätten es gut und gerne 2 Anschlüsse und ein CardReader sein dürfen. Dazu ist der USB-Anschluss noch so ungünstig Platziert, dass er bei Benutzung (z.Bsp. UMTS-Stick) der Bedienung im Weg ist.
- Das Gerät wird im Betrieb sehr warm (90°C CPU, 42°C HDD), was am Gehäuse auch deutlich zu spüren ist. An USB-Sticks aus Metall kann man sich nach kurzer Zeit auch schonmal die Finger verbrennen.
- Der Hauptspeicher lässt sich nicht erweitern, was sehr ärgerlich ist, da die 1GB RAM sehr schnell voll sind (mit Win7, Aero, ein paar Desktop Widgtes sind bei mir nach dem Start schon 70% belegt). Hier empfiehlt sich der Einsatz eines schnellen Nano-USB-Sticks für ReadyBoost, womit dann aber der einzige USB-Anschluss belegt ist.
- Das Display hätte etwas mehr Blinkwinkelstabilität haben dürfen.
- Archos bietet kaum Zubehör für das Tablet an. Kfz-Lader, Ersatz-Netzteil, Akku-Lader, Docking-Station? - Fehlanzeige! Zwar gibt es einen Ersatz-Akku, doch macht der wenig Sinn, wenn man nicht den einen Akku laden kann, wärend man den anderen gleichzeitig im Gerät verwendet.
- Der angebotene Port-Replikator sieht aus, als wäre er der Prototyp einer (missglückter) Design-Studie.
- Archos hat in den letzten BIOS-Versionen den Ruhezustand gestrichen. Jetzt geht nur noch StandBy, der jedoch permanent den Akku leer saugt.
- Leider wird durch schlechte Treiber eine Menge Potential verschenkt. So unterstützt der verbaute GMA500 Grafikchip OpenGL 2.0 und eine ganze Reihe Video-Beschleunigungen, doch Dank der der Treiber von Intel ist unter Windows 7 maximal OpenGL 1.1 möglich. - Unverständlich!
Trotz der vielen Kritikpunkte sind wir mit dem Archos 9 zufrieden und sobald es das Budget erlaubt, wird sicherlich ein zweites Tablet seinen Weg zu uns finden. Im Moment gibt es keine bezahlbare Alternative für uns. Die vielen anderen Tablets, die Momentan auf den Markt wandern, fallen aus verschiedenen Gründen aus: Auflösung mit maximal 800x480 Pixeln zu gering, Display mit 5" zu klein, Display ab 10" zu groß und schwer, kein vollwertiges Office vorhanden - um nur einige zu nennen.
Übrigens lieferte uns Amazon zuerst eine veraltete Version des Archos 9. Dieses hatte noch den Z510 Prozessor mit 1.1 GHz, einen defekten Pixel und einen klapprigen Akku. Amazon tauschte das Gerät jedoch schnell und unbürokratisch aus und das neue Tablet ist nun einwandfrei.