Bevor ich zum Gerät selbst komme, hier die kaufentscheideden Hintergründe:
Ich war auf der Suche nach einem Medien/MP3-Player für Sohn #2. Da Sohn #1 gleichzeitig mein "altes" Nokia Smartphone erbt und beide gerne die kleinen Games (Angry Birds usw.) darauf spielen, sollte das zur Streitvermeidung auch mit dem Gerät möglich sein. Wesentlich ist aber die WLan-Fähigkeit, da auch Internetradio gehört wird, der Haushalt mächtig vernetzt ist und die Musik/Fotos etc. sich auf dem (Ubuntu-)Homeserver befindet. Bluetooth war ebenfalls gewünscht, um die kabellosen (Billig-)Lautsprecher anzusteuern. Ich selbst bin eher der Bastler, toleriere also auch mal kompliziertere Konfigurationsaktionen, hasse aber geschlossene Systeme wie das von Apple (zumal iTunes ja auf keinem unsere Linux-Rechner laufen würde) und würde den Kids auch nix derartig teures in die Hand geben. Auch war ich selbst neugierig auf Android. Letztlich wurden meine Erwartungen vom Archos 32 größtenteils übertroffen und jetzt nach einer Woche mit dem Archos besitzen wir ein weiteres von diesen tollen Geräten (für mich zum Rumspielen : .
Zum Gerät allgemein:
Die üblichen Punkte will ich hier eigentlich nicht runterbeten sondern lieber zu den etwas exotischeren Qualitäten kommen - trotzdem hier in kurz meine Eindrücke zu den Standardthemen: Soundqualität mit den mitgelieferten Kopfhörern finde ich völlig akzeptabel. Das eingebaute Micro ist ziemlich schwach aber mit einem Headset (hier einem einfachen In-Ear-Kopfhörer mit Mikro-im-Kabel von Nokia) konnte in guter Qualität aufgenommen und testweise via WLan-Fritzbox/SIP telefoniert werden. Das Coverflow-ähnliche MP3-User-Interface wird von den Kids sehr geschätzt (vertauschte Album-Cover-Bilder sind uns noch nicht begegnet). Das Gerät ist sehr leicht und klein - super zum Mitnehmen/Joggen/für die Hemdtasche. Das Gehäuse ist nicht wirklich wertig, aber besser als das von einem Billighandy. Screen und die "Knöpfe" darunter sind wirklich klein und etwas fummelig zu bedienen. Wozu die doppelten Lautstärketasten (vorne touch und seitlich als Kippschalter) sein sollen wird wohl nie jemand erklären können. Aber die LCD-Darstellung ist trotz geringer Größe bei dem Preis (sehr) gut für Film/Foto-Darstellung und eher schwach für Text. Der resistive Touchscreen reagiert gut auf sehr leichten Fingerdruck - ich finde es sogar angenehm, auch mal wieder mit nem Plastikpin "Tastatur"-Eingaben machen zu können (da verzweifele ich manchmal an meinem kapazitiven Handy-Screen und meinen dicken Fingern). Beschleunigungssensoren reagieren ausreichen gut für z.B. Kipp-Spiele (Kugel im Labyrinth usw.) und der Screeninhalt dreht mit vernünftiger Verzögerung in alle vier Richtungen. Wlan ist schnell eingerichtet, der Empfang reicht gerade so für die Wohnung (FritzBox steht zentral) ist aber dann stabil (zumindest nach dem Android-Update). Der Akku hält bei reinem gelegentlichen Musikhören ausreichend lange (mehrere Tage). Sind die Verbraucher Blutooth, WLan und LCD-Screen für Spiele/Filme aber oft/dauernd an, ist auch schon mal nach etwa 4-5 Stunden Schluss. Der seitliche Ein/Aus Taster schaltet bei kurzen Druck den Screen aus und an - das Gerät arbeitet aber weiter. Bei längerem Drücken kommt ein echtes Ausschalten als Menüpunkt.
Der Archos ist nicht wählerisch in der Stromversorgung; Wir haben hier mehrere USB-Ladegeräte und gepowerte Hubs, die alle problemlos das Gerät laden - man braucht dazu natürlich keinen PC anzuwerfen. Das war aber gleich zu Beginn einer der Schreckmomente: der Archos fährt bei USB-Versorgung immer direkt selbstständig hoch um einem ein "Nur Laden oder Bereitstellen von Inhalten"-Menü anzubieten. Mit völlig leerem Akku hatte er sich beim allerersten mal offenbar dabei direkt verheddert und es reagierte gar nichts mehr. Nach etwas Entladungszeit ging es dann im zweiten Anlauf erst richtig los mit der Grundeinrichtung (Touchscreen kalibrieren usw.). War aber nicht wieder vorgekommen und beim Zweitgerät auch kein Thema.
Die Goodies für die Technikfreaks:
Wie schon oft erwähnt spielt der Archos fast alle üblichen Video-Formate in allen bei uns vorhanden Auflösungen ab. Youtube/Flashplayer tun es "natürlich" auch. Wer es braucht, kann für 15 Euro das AC3/MPEG2-DVD Codec-Plugin von der Archos-Seite kaufen (wird man im Bedarfsfall hingelenkt). Besonders genial ist die völlig problemlose Unterstützung unseres Samba-Shares. Die Netzwerk-Freigaben sind sofort direkt im Filebrowser sichtbar (für "Guest"-Accounts; ansonsten Name/PW eingeben und fertig). MP3s/Filme können flüssig direkt vom Server abgespielt werden. UPnP geht auch. Es gibt auch eine App, mit der XBMC auf dem Wohnzimmer-HTPC sehr zuverlässig Remote-gesteuert werden kann - sehr nett um z.B. im Nachbarraum durch die Sammlung zu browsen und die "Anlage" ohne TV zu steuern.
Der Kopfhörerausgang hat eine per Widget bzw. aus dem Kontrollmenü schaltbare TV-Out Funktionalität (NTSC, PAL 4/3, 16/9 oder "Breitbild" umschaltbar). Als 3,5mm Klinke auf 3x Chinch Kabel tun es da z.B. auch die Video-Out-Kabel von Nokia (einstellige Eurobeträge). Die Bild-Qualität ist sehr gut - die Auflösung wird dann von den internen 400x240 hochgesetzt ist aber natürlich kein HD oder digitales HDMI Signal (kostet ja auch nur einen Bruchteil davon). Der Touchscreen wird dann zum Touchpad für die Maussteuerung - reagiert dabei allerdings etwas anders auf die Finger (ich löse dabei manchmal unfreiwillig Klick-Aktionen aus - ist aber wohl auch Gewöhnungssache). Man kann das benutzen um z.B. Spiele "in Groß" zu spielen (auch das Auto-Rennen mit der G-Sensor-Steuerung) ist aber eher weniger praktisch, wenn man direkt vorm TV hockt. Sehr viel sinnvoller ist bei der Nutzung von TV-Out die Bluetooth-Konektivität vom Archos. Problemlos konnte ich Mini-Keyboard, Keyboard mit Touchpad und ne Maus koppeln. Das externe Keyboard-Layout ist auf 7 Varianten (Deutsch, Englisch, usw.) einstellbar. Das Mapping einiger Navigationstasten (Zurück, Menü usw.) ist mir aber nur im englischen Layout klar gewesen. BT-Reichweite ist (sehr) gut. Man kann vom Sofa mit dem BT-Key/Pad alles auf dem Archos einfach steuern und in größerer Auflösung auch schnell mal Wetter/News/Email/Wiki/usw. browsen oder MP3s/Fotos/Filme vom internen Speicher und eben auch vom Server spielen (letztere hakeln aber manchmal mächtig bei HD-Formaten über TV-Out (dort kommt natürlich auch nur SDTV raus) obwohl sie auf internem LCD flüssig laufen, das kann aber auch an Wlan-Rucklern durch die Nähe zu den "Störsendern" TV/HiFi-Anlage/usw. liegen). Der Archos 32 ist dann praktisch ein Mini-Media-Netz-PC. Ist in unserer "natürlichen" Wohnzimmerumgebung eher ein Gimmick - da ja schon per HTPC vernetzt - aber evtl. praktisch für den Urlaub oder für den ganz schnellen Blick ins Netz.
Mit Bluetooth ließen sich auch BT-Lautsprecher und KFZ-Radio-FSE zur A2DP Audioausgabe verbinden. Qualität ist sehr gut (wenn das Audiogerät A2DP unterstützt). Die BT-Konektivität klappt auch super zum Tethering mit einem Handy, um außerhalb von Wlan dessen UMTS-Netzverbindung für das Internet auf dem Archos zur Verfügung zu stellen (Daten-Flat sollte man natürlich haben). Bei mir klappt das völlig konfigurationslos nach dem Pairing mit einem Nokia N8. Der GPS-Sensor vom Nokia wird offensichtlich auch dem Archos via BT bereitgestellt - taucht jedenfalls in der Android Standortbestimmung auf - aber das Navigieren mit dem Archos habe ich aber noch nicht wirklich probiert. Da beide Geräte auch über die USB-Host Fähigkeit verfügen, kann man witzigerweise sogar beide zum schnellen Datenaustauch so verbinden, das einer der Host und der andere der Massenspeicher ist. Auch dazu passt das Micro-USB-Host zu USB-Buchsenkabel von Nokia oder vielen andern (ebenfalls einstellige Eurobeträge) für den Archos. Diese Verbindung ist wohl wirklich etwas exotisch aber die normale Anwendung, einen USB-Stick z.B. mit Mediendateien an dem Archos auszulesen oder zu beschreiben ist wirklich sinnvoll (z.B. für den Urlaub s.o.). Das funktioniert sogar mit einer externen 2,5er Festplatte, wenn man per Y-Kabel und USB-Ladeteil Strom zuführt. Deswegen empfinde ich den fehlenden microSD-Kartenslot auch nicht als Manko. Edit: Auch toll ist die Fähigkeit vom Archos 32 per USB-Host USB-Hubs zu unterstützen (das geht z.B. bei dem N8 nicht) - am besten gepowerte. Dann kann der Kabelfreund z.B. auch eine normale USB-Maus und -Tastatur und stromfressende Festplatten usw. anschliessen - alles gleichzeitig wohlgemerkt. Der Nachteil gegenüber Bluetooth ist, dass er dann über den besetzten USB-Port nicht aufgeladen werden kann.
Tja, die eingebaute VGA-Kamera ist wirklich eher für griselige Fun-Bildchen, funktioniert aber ausreichend gut um z.B. mit der App NeoReader schnell mal einen QR-Code aus einer Zeitschrift oder von einem PC-Screen auszulesen o.ä..
Zu Android und den Apps: Über die nahezu unendliche Vielfalt von sinnvollen und sinnfreien Apps für Android muss man ja nicht viel Worte verlieren. Die AppsLib von Archos schränkt die Vielfalt durchaus ein und auch nicht alle enthaltenen Apps tragen das Label für Archos "getestet" die das rechtfertigen könnte. Ich fand die AppsLib allerdings i.A. nicht zu einschränkend im Umfang... es gibt schon das Wesentliche darin.
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