Der Autor des Werks ist Kunsthistoriker und Bauforscher und hat schon mehrere Schriften über Bauten der Zeit von 1933 bis 1945 verfasst. Seine fachliche Qualifikation steht damit meines Erachtens außer Zweifel. 30 Bauwerke aus der genannten Periode werden vorgestellt, eine durchaus erträgliche Anzahl. Was weniger überzeugt ist die Einführung. Zum einen grenzt sich der Autor beinahe zu oft vom Nationalsozialismus ab. Das Lesen der fachlich relevanten Teile wird dadurch erwschwert, ebenso trübt es den Anspruch der Wertungsfreiheit, den ein Werk eines Wissenschaftlers üblicherweise haben sollte.
Zum anderen wird zu wenig auf eine stilistische Analyse der Bauten Wert gelegt. Der Ausdruck "pompöser Neoklassizismus" ist für sich allein nichtssagend, wird im gegenständlichen Werk dergestalt, aber auch in Abwandlungen und Umschreibungen zu oft verwendet und differenziert ferner überhaupt nicht zwischen den einzelnen Gebäuden, die doch teilweise erhebliche Unterschiede aufweisen. Die Stilanalyse entfällt leider oft, dabei ist genau eine Architekur, die ein gebautes Parteiprogramm darstllen soll, voll von Symbolen und versteckten Andeutungen.
Dafür wird der Nutzung und den Bauherrn der Gebäude zu viel Platz eingeräumt. Der Titel "Architektur in München" legt den Schwerpunkt eher in die Richtung einer Stil- und Bauformenanalyse, wobei nicht gesagt sei, dass oben genanntes gänzlich irrelevant wäre. Für einen an der Architekur und Architekturgeschichte interessierten Leser mag der vorliegende Führer daher unter Umständen nicht alle Erwartungen erfüllen.