Die Bücher des Soziologen Niklas Luhmann sind schwer verständlich und von einem Abstraktionsgrad, der den Bezug zur beschriebenen Realität oft nicht deutlich werden läßt. Er vermeidet es im allgemeinen, die soziologietypischen Alltagsbeispiele anzuführen oder praktische Konsequenzen aus seiner Theorie zu erörtern. In diesem Buch, das Interviews mit verschiedenen Gesprächspartnern enthält, werden solche Fragen gestellt und auch jene nach der Person und dem Selbstverständnis Niklas Luhmanns, die dieser aus seinen Büchern heraushält. Natürlich kann man darüber streiten, ob man wissen sollte, wie oft am Tag Luhmann mit seinem Hund Gassi geht oder wer sein Lieblingsmaler ist. Interessant ist aber zumindest, wie Luhmann sich zu dem Vorwurf äußert, eine rationalistisch verengte Sicht, z.B. auf Liebe, zu haben und wie er verschiedene andere Klassifizierungen seiner Arbeit und seiner Person beurteilt (»Das würden sie also akzeptieren?« - »Naja, ich würde sagen: so denken die Leute«) und wie er sich in aktuellen soziologischen Debatten positioniert. Mit Hochspannung schließlich habe ich das Streitgespräch mit Robert Jungk (einem Vordenker der sog. Sozialen Bewegungen) gelesen. Dieser plädiert für eine Reduktion sozialer Komplexität, für eine Abschaffung nicht mehr durchschaubarer Systeme, für direkte Demokratie. Luhmann antwortet damit, daß ein Gegensatz »hier wir, dort die gesellschaftlichen Systeme« nicht durchzuhalten ist un daß man mit solchem Protest einzelne Systeme nur irritieren, nicht aber steuern könnte. Schließlich erfährt man aus dem Buch noch einiges über die Arbeitsweise und die Biographie von Luhmann. Am Ende bleibt das Gefühl, etwas mehr über Luhmann zu wissen, ohne daß dies einen im Verständnis seiner Theorie weiterbringt.