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Fear Factory gießen ihren Stahl wieder in warmen Räumen. Der stete Wechsel von harten Shouts zu cleanen Melodielinien ist auf Archetype ausgeprägter, aber es kommen auch ganze Songs wie das Titelstück oder "Bite The Hand That Bleeds" in Ohrwurm-Charakter und sogar mehrstimmigen Satzgesängen daher. Dafür gibt es aber auch Blastbeat-Atacken wie bei der ersten Single "Cyberwaste" zu bewundern, die manchen Death-Metaller erbleichen lassen.
Insgesamt ist Archetype hochklassiger Fear-Factory-Stoff, der einen Europäer streckenweise an In Flames erinnert. Das Nirvana-Cover "School" sei ihnen daher verziehen, denn das ist einfach nicht ihre Baustelle. --Deborah Denzer
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Ich gebe es unverhohlen zu: meine Erwartungen an dieses Album waren gleich null. Seinen Stil hat der Vierer seit "Demanufacture" kaum noch verändert, die Platteninfo zum Neuling sprach zu allem Überfluß auch noch von einer Eigenproduktion (das letzte Korn-Debakel läßt grüßen). Dino hat die Band nun tatsächlich verlassen, statt dessen steht Ex-Basser Christian Ole Wolbers an der Klampfe, dessen Position durch den Strapping Young Lad Alt-Basser Byron Stroud besetzt wird. Sound- und stiltechnisch wirkt sich diese Veränderung glücklicherweise überhaupt nicht aus. Und so tat ich bereits gegen Mitte des Silblings als Dank an die Metalgötter den sprichwörtlichen Kniefall vor meiner Stereoanlage. Was dem Hörer hier an Brachialität entgegenschießt, sucht wirklich seines gleichen.
Schon der Opener "Slave Labor" eröffnet den Reigen mit dem typischen FF-Double-Bass-Riffing-Arrangement und einem göttlich melodischen, ultraschweren Keyboardteppich, der ein wenig an "No Good" von Depeche Mode erinnert. Dazu schreit sich Burton die Seele aus dem Leib als gäbe es kein Morgen mehr. Aber es wird noch besser: habt Ihr Euch auch schon einmal gefragt, wie es klingen würde, wenn Raymond Herrera richtig nach vorne losprügeln würde? Die Antwort gibt es auf "Cyberwaste" bzw. "Bonescraper", hier kommen gar Blast Beats zum Einsatz. Den totalen Gegensatz liefert dann u.a. "Human Shields", das im Vergleich zu früheren Balladen-Versuchen der Band (ich erinnere nur an solche Rohrkrepierer wie "Resurrection") absolut unverkrampft aus den Boxen schimmert und ein wenig an die Werke von Ocean Machine erinnert (wen wundert das auch bei DEM Neuzugang am Bass). Dazwischen gibt es mit Tracks wie "Archetype", "Drones" oder "Act of God" zwar die gewohnte FF-Kost, aber doch irgendwie eine Spur frischer, härter, fetter und mit deutlich hervorgehobenen maschinellen Soundeffekten. "Undercurrent" kommt dann sogar im klassischen NüMetal Gewand daher und hätte so auch von Spineshank stammen können. Die Produktion ist wirklich astrein (unglaubliche Basslines!), Aufmachung und Booklet sind gewohnt gelungen. Die Lyrics sind auf diesem Output wirklich erstklassig.
Die vorliegende Basisversion unterscheidet sich von der Limited Edition durch eine 15-min.-DVD mit Material von der letzten Australien Tour. Diese muß man allerdings nicht gesehen haben, da dem Fan hier keine Livesongs, sondern lediglich eine Art Tour Diary sowie das Video zu Cyberwaste geboten werden. Zur CD gibt es insgesamt nur ein Fazit: der Metalfan kommt an diesem Meilenstein der Musikgeschichte nicht vorbei. Archetype ist so abwechslungsreich ausgefallen wie kein anderes FF-Machwerk und stellt die bisherige Meßlatte Demanufacture locker in den Schatten. Die CD bietet keinen einzigen schlechten Song (zugegeben, das Instrumental "Ascension" hätten sie sich sparen können), die erste Hälfte der Scheibe walzt einfach alles und jeden platt.
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