Einmal mehr überrascht Arvo Pärt durch Kompositionen, welche wie im titelgebenden Stück "Arbos" einen klanglichen Baum entstehen lassen. Dieser Vergleich ist die Form, mit der diese CD beginnt. Wie Äste ranken sich die einzelnen Blechbläser in den Himmel, um dann in ihrer Krone einen Klangteppich zu bilden. Vielschichtige Schwingungen lassen eine natürlich einfache, doch durch ihre sachliche Klarheit bestechende Räumlichkeit entstehen. Pärt versteht es, eine unbändige, rein instrumentale Naturbetrachtung an den Anfang zu setzen, die sich dann im Laufe der weiteren Kompositionen vom Hektischen zur ruhig meditativen Lyrik-Vertonungen emporklimmt. Der Themenwechsel von der Vielschichtigkeit der Natur (Arbos) markiert nun in "Es sang vor langen Jahren" die Vielschichtigkeit des melancholisch zurückblickenden Lebens. Bestechend ist hier die perfekte Harmonie, in der Text, Gesang und Instrument eine Einheit bilden. Es ist wahrscheinlich die schönste Vertonung dieses Brentano-Gedichtes. In diesem Kontext ist auch das Orgelstück "Part Intervallo" und das vom Hilliard-Ensemble gesungene "De Profunfis"zu verstehen. Diese Stücke kommen aus der Tiefe. Thomas Lorenz