Die Arbeitslosen von Marienthal - So fast nichts sagend einfach dieser Buchtitel auch immer klingen mag, so viel größer und mächtiger ist der Inhalt dieser Literatur anzusehen.
Als ich dieses Werk las, erinnerte ich mich des Öfteren Erzählungen meiner Großeltern über deren Kindheitserlebnisse, etwa zur gleichen Zeit diese soziagraphische Untersuchung stattfand. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass es zu einer Hauptmahlzeit lediglich eine Suppe gibt, und der eventuell vorhandene eine Bissen Fleisch dem Vater vorbehalten bleibt. Dass Arbeitssuchenden jede auch nur mögliche Arbeit zum Broterwerb annehmen. Solche Lebenssituationen sind in diesem Buch auf vielen Seiten zu erkennen. Eingehend beschäftigte sich die Forschergruppe um Marie Jahoda, mit völlig neuen Methoden, mit den Auswirkungen der Schließung einer Textilfabrik dieser Stadt - in welcher mindestens eine Person fast jeden Hausstandes beschäftigt war - auf den nahezu vollständigen Zusammenbruch kulturellen Lebens. Ein anderes Kapitel widmet sich dem Thema Familien(-leben) und des aus den Umständen resultierenden, individuell unterschiedlichen, aber doch ausschließlich negativen Alltags.
Vieles des Gelesenen kommt einem heute unwirklich vor und kann höchstens mit Entwicklungsländern oder der Dritten Welt in Verbindung gebracht werden.