Gerade am Anfang seines Studiums ist man angewiesen auf sorgfältige methodische Einführung. Oft fällt man in eine theologische Krise, wenn man das erste Mal beginnt, mit wissenschaftlichen Methoden die Bibel zu lesen. Andreas Lindemann zeigt in seinem mit Hans Conzelmann begonnenen Grundwerk neutestamentlicher Exegese Wege auf, daß dies nicht sein muß. Einen ausführlichen Teil nimmt die Methodendiskussion ein. Sie ist knapp und übersichtlich geführt. Exegetische Methoden werden genau vorgestellt, und zwar so, daß man sehen kann, was sie wirklich wollen: Licht in den Text bringen und nicht etwa den Glauben zerstören. Die Darstellung ist dabei so praxisbezogen, daß sie auch als Anleitung zur Exegese verwendet werden kann. Eine genügende Anzahl von Arbeitsvorschlägen lädt zum selbständigen Erproben ein. Im Gegensatz zu anderen Arbeitsbüchern dominieren diese Arbeitsvorschläge aber nicht. Ihre Ausführung ist nicht notwendig, um dem Duktus des Buches folgen zu können. Darstellungen der Theologie des NT oder eine gute Hermeneutik erstetzt es nicht - aber kann ein solches Buch überhaupt mehr leisten? Wenn es auf gut 500 Seiten nicht nur die Methodenlehre, sondern auch noch die wichtigsten Hintergründe neutestamentlicher Exegese überhaupt (z.B. Einführung in die Schriften, neutestamentliche Zeitgeschichte) bieten möchte, ist man auf Kürze angewiesen. Für die Methodik kann man sicher auch ausführlicheres finden, aber die knappe Reduktion auf das wichtigste macht gerade den immerwährenden Reiz dieses Buches aus. Gern habe ich es nach meinem neutestamentlichen Proseminar immer wieder zur Hand genommen! In einem guten theologischen Bücherschrank darf es kaum fehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)