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Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt [Gebundene Ausgabe]

Ernst Jünger
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Gebundene Ausgabe, Januar 1982 --  

Kurzbeschreibung

Januar 1982
Aus dem Vorwort zur ersten Auflage 1932 von Ernst Jünger:
"Der Plan dieses Buches besteht darin, die Gestalt des Arbeiters sichtbar zu machen jenseits der Theorien, jenseits der Parteiungen, jenseits der Vorurteile als eine wirkende Größe, die bereits mächtig in die Geschichte eingegriffen hat und die Formen einer veränderten Welt gebieterisch bestimmt."

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 322 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta (Januar 1982)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608950222
  • ISBN-13: 978-3608950229
  • Größe und/oder Gewicht: 17,7 x 11,6 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 636.115 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein erregendes, furioses, ja ungeheures Buch, Zeitdiagnose, Geschichtsmetaphysik und Apokalypse zugleich, ein Buch der Extreme, aus Feuer und Eis gefügt, in Anspruch, Radikalität und Aussagekraft dem Marxschen Manifest, den Schriften des späten Nietzsche verwandt." Gerd-Klaus Kaltenbrunner -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Über den Autor

Ernst Jünger, geboren in Heidelberg am 29. 3. 1895, gestorben am 17. 2. 1998. Bruder von Friedrich Georg Jünger; seine Schriften "In Stahlgewittern" (Tageb., 1920), "Der Kampf als inneres Erlebnis" (Essay, 1922) und "Feuer und Blut" (En., 1925) gelten als Verherrlichung von Soldatentum und Krieg. Später Schriften gegen Gewalt und Macht. Jüngers Teilzeitideologien sind bis heute ebenso umstritten wie seine literarischen Werke, u. a. "Der Friede" (Essay, 1945), "Eine gefährliche Begegnung" (R., 1985), "Zwei Mal Halley" (Tageb., 1987); "Die Schere" (Schriften, 1990). 1982 erhielt er den Frankfurter Goethe-Preis, 1985 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

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Kundenrezensionen

3.2 von 5 Sternen
3.2 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wir alle sind Arbeiter 24. August 2010
Von mathey8
Format:Gebundene Ausgabe
Warum sollte jemand heute diesen Text aus den frühen 30er Jahren lesen? Warum sollte man sich ausgerechnet mit "Arbeitern" beschäftigen, die es bekanntlich in ihrer klassischen Form als Industrieproletarier im heutigen Europa immer seltener gibt?

Wenn man sich auf Jüngers "Arbeiter" einlässt, stellt man fest, dass vom Aussterben des Phänomens keine Rede sein kann. Und dass die Faktoren, die gemäß Jüngers Diagnose das Leben des modernen Menschen determinieren, sich auch durch Zweiten Weltkrieg, Kalten Krieg und nachfolgenden Turbokapitalismus nicht substanziell geändert haben und wir uns nach wie vor, wie schon Jünger 1930, fragen müssen, was in der Zeit seit Beginn der Industrialisierung eigentlich vor sich geht. Letztlich haben alle Umwälzungen des 20. Jahrhunderts dazu beigetragen, die Herrschaft des "Arbeiters" zu komplettieren und zu festigen. Und auch in der heutigen postindustriellen Gesellschaft mit immer mehr Personen, die aus dem Arbeitsleben herausfallen, bleibt der "Arbeiter" (neuzeitlich würde man vielleicht sagen: das "Leistungsprinzip") das Maß aller Dinge.

Man kommt allerdings kaum umhin, den Begriff "Arbeiter" in Anführungszeichen zu setzen, denn mit Soziologie oder Politikwissenschaft und somit mit den gewohnten Konnotationen hat Jüngers Sicht nichts zu tun. Es geht dem Autor, wie imgrunde in allen seinen Werken, um die Erfassung eines transzendenten Sinngehalts.

Wer ist dieser "Arbeiter"? Es handelt sich um den modernen Menschen schlechthin. Jeder Mensch, der sein Leben an "Zwecken" ausrichtet und sich technischer Hilfsmittel in Arbeit oder Freizeit bedient, ist ein "Arbeiter". Mit anderen Worten, der "Arbeiter" ist die heutige Art, das Leben zu interpretieren und zu leben. Eine Art, die seit der Französischen Revolution verstärkt nach der Macht gegriffen und sich dabei bis heute auch der bürgerlichen Ideale von Freiheit und Gleichheit bedient hat. Dabei werden jedoch für den Einzelnen mit fortschreitender Machtergreifung des "Arbeiters" die Wahlmöglichkeiten immer geringer. Denn es geht nach der modernen Weltauffassung eigentlich nicht um wirtschaftliche oder politische Freiheiten, auch wenn die Propaganda das ständig vorgaukelt. Allerdings geht es um Gleichheit: Gleichheit im Sinne von Gleichschaltung, von Totalität. Jünger versucht nachzuweisen, dass die Herrschaft des "Arbeiters" dem Einzelnen letztlich wesentlich weniger Freiräume lässt als frühere Formen der Weltauffassung.

Darüber kann man gewiss streiten. Dass jedoch die moderne Weltauffassung allein durch die Hilfsmittel der Technik mehr Möglichkeiten zur totalen Herrschaft besitzt als etwa das mittelalterliche Christentum, dürfte unbestreitbar sein. Jünger macht den Leser an diversen Stellen durch provokante Bemerkungen darauf aufmerksam, wie wirkmächtig sich die neue "Religion" inzwischen die Gedanken und Vorstellungen unterworfen hat. Wer käme beispielsweise auf die Idee, die heutigen Vorstellungen vom "unendlichen" Weltraum für eine Art religiöse Überzeugung zu halten, deren Wahrheitsgehalt sich von der mittelalterlichen gar nicht wesentlich unterscheidet? Wer sich auf Jünger einlässt, muss bereit sein, unhinterfragte Gewissheiten in Zweifel zu ziehen.

Jüngers Zugang zu seinem Gegenstand ist ein phänomenologischer, er versteht sich als Beobachter. Wer vor allem Wahrnehmungen beschreiben will, muss sich Wertungen weitgehend enthalten. Jünger betont dies zwar immer wieder, aber der Leser spürt dennoch, wo die Sym- und vor allem die Antipathien des Autors liegen. Von Anfang an schwingt denn auch im Text die Frage mit, wie sich der Einzelne gegenüber dem totalen Herrschaftsanspruch des "Arbeiters" verhalten sollte? Jünger hat diese Frage in seinem Leben unterschiedlich beantwortet. Aber er hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass die Herrschaft des "Arbeiters" ein Siegel unserer Zeit ist, unter dem wir alle stehen.

Auch wenn Jünger heute oft zugestanden wird, wesentliche Entwicklungen früher als Andere erkannt und in ihrem Kern beschrieben zu haben, wird sich der Leser damit abfinden müssen, dass einiges in diesem Text auch dem Geist der Entstehungszeit verhaftet bleibt. Dies betrifft in erster Linie die Diktion, die im "Arbeiter" noch stark vom Soldatischen und Patriotischen gefärbt ist. Wer darüber nicht hinweglesen kann, verfällt schnell dem Irrtum, Jüngers Aussagen und Erkenntnisse seien überholt. Dem ist keineswegs so - nie war der "Arbeiter" aktueller als heute. An vielen Stellen des Buches stellt man sogar mit tiefem Erschrecken fest, wie wenig sich imgrunde seit 1930 verändert, bzw. wie vieles sich weiter erheblich verschärft hat. Dies gilt vor allem für das sich immer noch steigernde Veränderungstempo und die damit zusammenhängenden Unsicherheiten in den Lebensplanungen der Individuen. Jüngers "Arbeiter" zeigt uns nicht, wie wir von dem immer schneller beschleunigenden Zug abspringen könnten, aber er ermutigt uns, bei der Fahrt die Augen offen zu halten.
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34 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Octavian
Format:Gebundene Ausgabe
Noch in seinem letzten Interview, vor seinem allzu frühen Tod, sagte Ernst Jünger, dass selbst Geistesgrößen wie Oswald Spengler und Carl Schmitt den "Arbeiter" nicht vrstanden hätten. Wieso sollte es also dem Rezensenten Heck gelingen; er befindet sich da in bester Gesellschaft. Dieser eine Stern beleuchtet dabei nicht das Werk Jüngers....

Einige begreifen das Buch aber doch. Und je mehr Zeit vergeht - typisch für die Texte dieses großen Autors - desto klarer wird die Hellsichtigkeit, seine unnachahmliche Erfassungskunst, was die zukünftigen Entwicklungen unserer Welt angehen. Der Arbeiter steht für das "Titanische", dem Jünger für das 3. Jahrtausend (sehr richtig) einen unvergleichlichen Siegeszug voraussagt. Der Arbeiter als Typus des Kommenden und Herrschenden. Nicht der ausgediente Proletarier ist hier gemeint, sondern die Abermillionen Computernutzer und digitalen Welteneroberer unserer und kommender Tage. Das ist "der Arbeiter".

Und was Jünger hierzu in seinem genialen Essay sagte und prognostizierte (vor fast 80 Jahren!) sollte sich niemand entgehen lassen, der sich mit der Welt ohne ideologische Scheuklappen konfrontiert sehen will.

Der Arbeiter ist das Schicksal unseres Planeten.

Im Reich der Sinne - in der Arche des Verstands. Absolut empfehlenswert!
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Man kann von Ernst Jünger nicht behaupten, er hätte keine Beobachtungsgabe gehabt, denn er betrachtete die sich vollziehenden kulturellen und ökonomischen Umwälzungen sehr genau und was er über das Verschwinden des Individuums in der uniformierten Masse, hinter der anonymen Nummer eine modernen Bürokratie und hinter den Gasmasken auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges zu sagen hat, ist auf erschreckende Weise richtig. Was Jünger in diesem Essay beschreibt, ist nichts anderes, als eine technokratische Zivilisation, die den Menschen, zu einer abhängigen, unmündigen und vermassten Schraube im Getriebe degradiert hat. Viele dieser Beobachtungen sind durchaus auch heute noch von Aktualität, daran kann kein Zweifel bestehen.

Das Problem bei Ernst Jügner liegt nun aber nicht in den Beobachtungen, die er getroffen hat und welche jeden halbwegs kritisch denkenden Menschen nachdenklich stimmen sollten, sondern in den positiven Schlußfolgerungen, die er daraus zieht. Wer "In Stahlgewittern" gelesen hat, kennt Jüngers Haltung zum Krieg, seine Romantisierung des Soldatentums und seinen "heroischen Realismus", jene Ideologie, die stillschweigendes Ertragen des eigenen Schicksals und stoische Pflichterfülung bis zum Tod zum Maß aller Dinge erklärt und verklärt. Es dieser Frontsoldat, den er in "Der Arbeiter" nun zum Typus eines neuen Menschentums deklariert. Bürgerliches Krämerdenken und proletarisches Geltungsbedürfnis verabscheue dieser neue Menschentypus, seine Bestimmung finde er stattdessen im selbstlosem Handeln für die neue Gesellschaft , die auf der Befehlsordnung und nicht mehr auf dem Verfassungsvertrag beruhen soll. Dieser Typus des Arbeiters identifiziert sich vollkommen mit der neuen Form der Herrschaft, weil er sich als aktives Element dieser neuen Gesellschaftordungng versteht und deren Zielsetzungen vollständig als die seinigen akzeptiert hat.

Individualismus und kritisches Denken sind in dieser neuen Gesellschaft nicht gewünscht und werden als Teil einer dekadenten und widernatürlichen Vergangenheit betrachtet, denn die neue Ordnung befindet sich wieder im Einklang mit den alten Elementarmächten, also im Einklang mit den Gesetzen des Kosmos, so dass die neue Gesellschaft selbst spirituelle Legitimation besitzt. Jünger neue Mensch ähnelt durchaus jenem "eindimensionalen Menschen", wie er von Marcuse beschrieben worden ist. Der eine läßt sich vom "heroischen Realismus" seine Untertänigkeit zum Heldentum stilisieren, der andere akzeptiert das "Reich der Notwendigkeit", mit dem die herrschende Bürokratie ihre Herrschaft legitimiert, nur das für Jünger der grimmige neue Mensch eine echte Weiterentwicklung darstelt, während Marcuse sich gerade für die Emanzipation des Menschen aus politischen und ökonomischen Zwängen stark macht.

Jüngers Denken zu dieser Zeit ist noch so sehr von soldatischer Pflichterfüllung durchtränkt, dass er nie auf die Idee kommt, kritischer Fragen über Herrschaft zu stellen. Seine Ablehnung bürgerlichen Denkens endet nicht in der Hinterfragung von Strukuren, sondern in der Verurteilung individuellen Handelns. Die Armee ist ihm Schule für die Gesellschaftu nd er will ihre Komanndostrukturen auf die gesamte Gesellschaft übertragen wissen um auf diese Weise die totale Mobilmachung der Gesellschaft zu ermöglichen. Soldatisches Gedankengut soll auf allen Ebenen wirken und dem vermassten Mensch Bedeutung verschaffen, in dem er sich als Teil einer organischen Gesellschaft fühlen kann, als Teil einer totalitären Einheit.

Es ist eine schöne neue Welt, die Jünger da postuliert und das gibt dem Buch einen höchst faden Beigeschmack.
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