Vor circa 70 Jahren führte das Frankfurter Institut für Sozialforschung eine Befragung deutscher Arbeiter und Angestellten durch. Erich Fromm leitete ein Team von Wissenschaftlern, welches die These überprüfte, ob tatsächlich "nur solche Meinungen starke Motivationen zum Handeln darstellen, die in der Charakterstruktur eines Menschen verwurzelt sind ... Wir folgerten aus dieser Annahme, dass nur dann, wenn wir die Charakterstruktur der deutschen Arbeiter und Angestellten genau kannten, ihre voraussichtliche Reaktion aus einen Sieg des Nationalsozialismus vorauszusehen seinen".
Es wurden 3300 Fragebögen verteilt. Die offenen Antworten ließen die Charakterstruktur der Probanten besser erkennen. 584 mehr oder weniger komplett ausgefüllte Fragebögen wurden zurück gesendet. Die Machtübernahme der Faschisten verhinderte eine Veröffentlichung der Ergebnisse. Erst im Jahre 1980 fügte Wolfgang Bonß, der im Rahmen seiner Dissertation Kontakt mit Erich Fromm aufgenommen hatte, die Bruchstücke in mühevoller Recherche zusammen und veröffentlichte die Studie.
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Das Ergebnis der Studie bestätigte Fromms These. Während circa ein Viertel der Befragten autoritäre bzw. antiautoritäre Neigungen zeigten (15 % antiautoritär und 10 % autoritär), nahmen drei Viertel der Befragten eine ambivalente Haltung ein - das Reservoir, aus dem die Nationalsozialisten ihre Wähler rekrutierten.
Viele Menschen sind auch heute noch erstaunt über den rasanten Zulauf an nationalsozialistischen Wählern, obwohl die Linksparteien in der Weimarer Republik nach dem Zusammenbruch der Monarchie über eine große Mehrheit verfügten. Doch zahlreiche Anhänger waren nicht verlässlich. Fromm bezeichnet deren Charakter als rebellisch-autoritär. "In der Nachkriegszeit traten solche rebellisch-autoritären Charaktertypen häufig in die Sozialistischen oder kommunistischen Parteien ein. Die Linke war für sie vor allem deshalb attraktiv, weil sie den Kampf gegen eine bestehende Autorität repräsentierte ... Eben hier jedoch setzte später auch die nationalsozialistische Propaganda an: Auch der Nationalsozialismus öffnete Ventile für rebellische Gefühle, mit dem Unterschied allerdings, dass die von ihm bekämpften Machtsymbole und Autoritäten die Weimarer Republik, das finanzkapital und das Judentum waren." Ähnliche Schlüsse zieht auch Barrington Moore in seinem Buch ,Ungerechtigkeit'.
Da die Befragten auch nach ihrer Parteizugehörigkeit bzw. dem Wahlverhalten befragt wurden, konnten die Antworten mit der politischen Einstellung korreliert werden. Auf die Frage, ob ein Krieg verhindert werden kann, antworteten die Konservativen, dass Kriege unvermeidlich seien, die Anhänger der Linksparteien sahen im Krieg die Konsequenz einer kapitalistischen Gesellschaft. Einzig die Liberalen bezeichneten den Krieg als "überflüssiges Relikt aus der Vorgeschichte des Menschen".
Das europäische Bürgertum ist nach der Aussage Fromms durch Sparsamkeit und Misstrauen gekennzeichnet, während die Arbeiterklasse nicht über entsprechende finanzielle Mittel verfügt. Dies die Studie bestätigt, dass die Hilfsbereitschaft unter der armen Bevölkerung höher war im Vergleich zu der einkommensstärkeren Schicht. Fromm nennt als möglichen Grund die Erwartung der Solidarität im eigenen Bedarfsfall.