Kurzbeschreibung
Enthalten sind außerdem Beiträge von Roland Günter, dem Erfinder Industrie-Kultur, der den Tourismus im Ruhrgebiet in Schwung gebracht hat und die Siedlung Eisenheim in Oberhausen gerettet hat. Zuletzt hat er an der Ruhr-Universität Bochum eine Gastprofessur gehalten. Weiterhin Beiträge von Michael Pohl, Supervisor aus Bielefeld, Umweltfachmann Konrad Kempkes sowie von Thomas Hoof, dem Gesellschafter des Versandunternehmens Manufactum, das sich in der Stadt der Schiffshebewerke niedergelassen hat.
Einen wichtigen Teil in diesem Industriekultur-Buch nimmt die Ruhrgebietsgeschichte ein, die exemplarisch an der Zeche Waltrop im Kreis Recklinghausen aufgezeigt wird. Dazu gibt es eine detaillierte Liste zur Ruhrgebietsliteratur und einen Anhang mit wichtigen Begriffserklärungen aus dem Bergbau.
Klappentext
Was so nüchtern klingt, ist in Wirklichkeit ein herausragendes Projekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA).
Dieses Buch stellt Geschichten und Geschichtliches zur Zeche Waltrop aktuellen Tendenzen und Veränderungen gegenüber.
Herausgekommen ist ein Reiseführer. Und ein Lesebuch. Und ein Geschichtsbuch ist es eigentlich auch geworden.
Neben dem Autoren Michael Braun und dem Fotografen Thomas Schild stellen verschiedene Gastautoren ihre ganz persönliche Sicht vor.
Dazu gehören Texte von Industrie-Kultur-Erfinder Roland Günter, von Manufactum-Geschäftsführer Thomas Hoof, von Umweltfachmann Konrad Kempkes und von Supervisor Michael Pohl.
Über den Autor
Der gebürtige Wattenscheider Thomas Schild ist Jahrgang 1956 und fotografiert seit 1988 für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung in Waltrop. Aufgewachsen neben einer Kleinzeche und als bekennender 'Ruhri' hat ihn der Bergbau schon immer interessiert. 1999 war er für die Fotos in dem Buch 'Waltrop' verantwortlich.
Auszug aus Arbeiten im Park - Die Zeche Waltrop von Michael Braun, Thomas Schild. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Doch was macht man mit diesen alten Relikten des ausgehenden Industriezeitalters? Die Ideen dazu waren ebenso mannigfaltig wie die Zahl der einzelnen Monumente selbst. Hier wurde auf Kulturveranstaltungen gesetzt, dort auf Ausstellungen, woanders auf neue Arbeitsmöglichkeiten.
Jedes Konzept erscheint würdig, durchgesetzt und erhalten zu werden. Doch zu monoton wirkt die alleinige Nutzung, eine Verödung scheint wie zuvor schon bei der vorausgegangenen industriellen Nutzung zu drohen. Von der einen Monostruktur in die nächste?
Wenig ausprobiert wurde die Kombination aus Arbeit, Freizeit und Kultur an einem der altindustriellen Standorte. Sicher, nicht jeder Ort eignet sich für eine solche Kombination. Umso mehr lohnt es sich, in solche Standorte alle Energie hineinzustecken, über die man verfügt.
Wir betrachten mit diesem Buch die Zeche Waltrop genauer. Auch hier ragten jahrzehntelang Stahlkolosse in den Himmel, reihte sich Mauerskelett an Betonfassade. Dann kam das Ende der Anlage, und die Menschen verschwanden aus den leblosen Bauten. Über eine lange Zeit geschah hier - nichts. Die Anlage verfiel - in natura und in den Köpfen vieler Menschen. Die hohe Zechenmauer schirmte die verrottende Anlage gegen alles und jeden ab - ohne jede Lücke. Die Zeche Waltrop schlief ein. Dann öffnete man die Tore - und entdeckte den Charme und das Potential dieses historischen Standortes. Die alten Mauern wurden aufpoliert, die Böden saniert, die Freiflächen bepflanzt.
Man stellte fest, dass sich die alte Zeche Waltrop durchaus für eine neue Nutzung eignen könnte. Freizeit? Oder Arbeit? Oder gar Kultur? Verschiedene Denkmuster kursierten in den Köpfen der Menschen. Bis jemand das Wort und einbrachte und man erkannte, dass gerade die Kombination aus den drei Bereichen an diesem einen Ort reizvoll sein könnte. Man machte sich ans Werk.
Gut ein Jahrzehnt später kann man auf das blicken, was erreicht worden ist. 1999 wurde das neue Gelände, die neue Zeche Waltrop, offiziell übergeben, doch der Wandel ist damit noch lange nicht beendet.
Wir haben dieses einzigartige Ensemble genauer untersucht, Geschichte und Geschichtliches mit aktuellen Tendenzen kombiniert und in diesem Buch zur Diskussion gestellt. Gleichzeitig haben wir verschiedene Autoren gebeten, den Strukturwandel aus ihrer ganz persönlichen Sicht zu beschreiben. Dabei haben sich, so meinen wir, ganz unterschiedliche Standpunkte entwickelt. Aber lesen Sie selbst.
Herausgekommen ist ein Reiseführer. Und ein Lesebuch. Und ein Geschichtsbuch ist es eigentlich auch geworden. Das Buch kann man zu Hause in Ruhe studieren, um sich mit der Geschichte des Ruhrbergbaus im Allgemeinen und mit der Entwicklung der Zeche Waltrop im Speziellen zu befassen. Anekdoten und persönliche Ansichten laden außerdem zum gemütlichen Lesen dieser Lektüre ein. Und schließlich kann man das Buch auch, dem Format sei Dank, einfach einstecken und als Reiseführer vor Ort nutzen, wenn man durch die Manufactum-Hallen schlendert, den Spurwerkturm besteigt oder die Kunst im Skulpturengarten bewundert.
Man kann sich mit dem Buch schließlich irgendwo auf dem Zechengelände niederlassen und in Ruhe Lesen, ab und zu aber auch den Kopf heben, um die Menschen bei ihrer Arbeit zu beobachten. Denn das ist es, was diesen Standort ausmacht: Arbeiten im Park.