Man muss sicherlich sagen, dass in Deutschland noch keine amerikanischen Verhältnisse herrschen. Aber wenn man sich umsieht, bekommt man schon das Gefühl, dass man sich langsam annähert. Große Unternehmen mit Milliardengewinn entlassen massenhaft Angestellte, das Sozialnetz wird weiter abgebaut und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst beständig. Daher ist es wirklich empfehlenswert sich mit diesem Buch zu befassen. Barbara Ehrenreich beschreibt eindrucksvoll die Welt der Arbeiter in den USA, die sich mit extrem niedrigen Löhnen durchschlagen müssen, oft mehr als einen Job brauchen, damit sie die alltäglichen Kosten tragen können und oft überhaupt keine Absicherung haben. Dabei bleibt sie neutral, denn die Erlebnisse bei ihrem Experiment sprechen eindeutig für sich. Ironische und bissige Bemerkungen beziehen sich dann auch meistens auf ihr eigenes drohendes Scheitern in diesem System, wo die Arbeitgeber sich jegliches Recht heraus nehmen dürfen (z.B. Drogentests, scharfe Verhaltensregeln am Arbeitsplatz), aber dem Angestellte praktisch keinerlei Ansprüche zustehen. Es offenbart sich ein spannender (und auch sehr ernüchternder) Blick auf jenes Land, von dem immer noch Leute glauben, dass man dort vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen kann. Es ist zweifelhaft, ob Barbare Ehrenreich nach ihren Erfahrungen dem noch zustimmen würde.