Ganz so euphorisch wie viele andere Reszenten kann ich "Arbeit poor" nicht loben. Dazu sind die drei Ausflüge ins Reich des Billiglohnsektors von Frau Ehrenreich einfach zu kurz. Auch wenn "in der Kürze die Würze" liegt, muß man das Geschilderte als nicht repräsentativ betrachten. Mal kurz von A nach B ziehen, zu erwarten, dass billiger Wohnraum auf einen wartet, ist wohl etwas blauäugig. Trotz allem ist das Berichtete eine traurige Wahrheit. Leider gibt es Leute die trotz Arbeit unter der Armutsgrenze leben. Immer verfolgt diese Gruppe eine minderqualifizierte Arbeiten. Ich glaube Frau Ehrenreich gerne, wenn sie behauptet , "working poor" Leute seien genauso fleißig wie die Ameisen und andere Rechtschaffende.
Leider gibt es ein paar Haken in der Argumentation hinsichtlich Lohnniveau. Nehmen wir an der Billiglohsektor bekommt die wohlverdienten höheren Löhne. Nehem wir ebenso an es werden deshalb keine Leute entlassen. Selbst der Wirtschaftslaie wird zustimmen können, dass der Arbeitgeber dadurch höhere Kosten hat. Es geht also auf Kosten seines Gewinnes (bis hin zum Verlust) oder er erhöht die Angebotspreise. Wahrscheinlich ist, dass die erhöhten Löhne auf die Konsumpreise schlagen werden. Die konsumierenden Haushalte haben dadurch weniger Geld zur Verfügung. Der Grund ist die Einkommen sind fix. Sie unterliegen einer sogenannten Bugetrestriktion. Anders gesagt: "Ich kann nicht mehr ausgeben als ich habe. Ich kann die Ausgaben nur anders verteilen." Es muß also an anderen Stellen gespart werden. Beispielsweise wird keine Putzfrau aus dem Niedriglohnsektor (mit schließlich und endlich auch höheren Lohnforderungen) mehr eingestellt. Jeder Ökonom weiß, dass Frau Ehrenreichs Argumentationskette auch richtig sein kann. Wie im richtigen Leben sagen eben "manche so und manche so".
Es ist der Tat besorgniserregend was die die Kluft bzw. sozialer Unterschiede zwischen den Menschen betrifft. Die Tendenz in Deutschland zu 400 ¤ Jobs, um Sozialversicherung etc zu entgehen, ist beängstigend. Ich kenne auch Fälle bei denen mit der Angst der Angestellten bewußt gespielt wird. Man erwähnt erst gar nicht, dass auch Mini-Jobs ein Anrecht auf Urlaubsentgeld (nicht Urlaubsgeld) haben. Der Minderqualifizierte weiß es nicht oder will nicht auch noch sein Zubrot verlieren. Deshalb schweigt er bzw. sie. Dem Kapitalisten solls recht sein. Schließlich gilt: "Wie kommt dein Geld in meine Tasche."
Wenigstens das im Buch viel bescholtene Unternehmen Wal-Mart hat hier in Deutschland die Segel streichen müssen. Anscheinend funktioniert Deutschland doch etwas besser als die USA. Ein Lichtblick am Ende des Tunnels. So hat die Autorin eigentlich Recht wenn sie fordert niemand sollte für diese Dumpinglöhne auch nur einen Finger krumm machen. Ganz ohne Angestellte geht es nämlich auch nicht.
Grundsätzlich finde ich das Buch gut. Es gibt ein paar inhaltliche Mängel. Die Recherche ist nicht ganz so intensiv wie z.B. bei Günter Wallraff. Darum nicht alle Sterne. Trotzdem wichtig, dass es solche Bücher gibt.