Aran Knitting ist ein umfassendes, solides Musterbuch. Einige der vorgestellten, üppig bezopften Modelle haben Kultstatus, obwohl ihr kastiger Schnitt nicht mal an den sicher nicht übergewichtigen Models gut aussieht. Die Modifikation von überschnittenen Schultern in set-in-sleeves (und evtl. andere modische Anpassungen wie Taillierung und Kragen-Abwandlungen) scheint, Historie hin oder her, in den meisten Fällen angeraten. Positiv: Es gibt Schnittmuster und Chart-Darstellungen der verwendeten Muster. Negativ: Eine Zumutung sind die sich teils über mehrere Seiten erstreckenden "next row - next row - next row"-Anleitungen. Im englischen Sprachraum entspricht das dem Standard. Wie's ökonomischer geht, zeigen die Japaner (siehe Hitomi Shida oder Keito Dama), die ja auch nicht gerade für simple Muster bekannt sind.
Die in 15 Schritte aufgeteilte Anleitung, wie Aran-Muster selbst designt werden können, ist nützlich und mit einer Reihe hübscher Beispielmuster versehen - dieser Teil darf mit Recht als vorbildlich gelten und wäre zusammen mit den schönen Modellen volle Punktzahl wert.
Punktabzug gibt's für den unerträglich eitlen und arroganten Ton, in dem Starmore schreibt: Sie diffamiert alle anderen, die sich des Themas "Aran" anzunehmen getrauten, als hoffnungslose Dilettanten und Diebe ihrer einzigartigen Idee, keltische Knoten in Strick umzusetzen. Angesichts des kämpferischen und rechthaberischen Tons sind die historischen Ausführungen mit Vorsicht zu genießen. Das ist schade, da ihre Analyse historischer Sweater des Museums in Dublin kenntnisreich und nachvollziehbar scheinen. Wer Elizabeth Zimmermann, Stephanie Pearl-McPhee oder Norah Gaughan schätzt, wird mit Starmores Ton ein Problem haben.
Fazit: Dieses Buch bekommt einen Sonderplatz, weitab von meinen anderen Strickbüchern - als nützliches Nachschlagewerk, aber auch, weil ich sonst Schlägerein im Bücherschrank befürchte...