Tahar Ben Jelloun ist ein von mir sehr geschätzter Autor, der mich neugierig machte, was der in Marokko ursprünglich Geborene, zum arabischen Frühling zu sagen hat. Er geht in seinem neuen Buch auf die Länder Tunesien, Ägypten, Algerien, Jemen, Marokko, und Libyen ein. In diesem Frühling, können wir keine Zeitung lesen, ohne nicht etwas von Protesten der Zivilbevölkerung arabischer Staaten zu hören. In Ägypten hören wir von Revolution, in Lybien vom Bürgerkrieg. Menschen die auf die Strasse gehen, weil sie ihrem Protest Ausdruck geben wollen, bezahlen nicht selten dafür mit ihrem Leben.
Gewaltherrschaft, Diktatur, das Durchgreifen von Militärs gehört zur Tagesordnung. Die Machthaber ziehen die Proteste auf sich, die arabische Welt, die zumindest für mich fremd ist, steckt tief in der Krise. Jelloun erzählt von Menschen und Einzelschicksalen, die Unrecht erfahren, Erniedrigungen erfahren, nicht selten bei Demonstrationen erschossen werden bis hin zur eigenen Selbstverbrennung, können wir hier einiges lesen. Ein Buch, das im Hinblick auf die Hilflosigkeit einiger Länder aufmerksam macht, von der Aufrechterhaltung der verschiedenen Regime erzählt, die sich ihre Macht durch Terror und Gewalt aufrechterhalten. Jelloun schreibt:"Wir stecken heute mit diesem Krieg in einer neuen Tragödie fest, deren Verlierer in jedem Fall die Demokratie in der arabischen Welt sein wird."
Mit nüchternem Auge wirft er einen Blick auf verschiedene Machthaber, wie bspw. Gaddafi. Beschreibt den Wahn, der nicht zu stoppen zu sein scheint. Erzählt auch von der Manipulation und der Gewalt durch die Polizei, die anständige Menschen an der Rand ihrer Existenzberechtigung treiben. Eine erschütternde Schrift, wie Menschlichkeit ausgelöscht wird, Menschen in Kontakt mit Gewalt kommen, bis sie diese irgendwann gegen sich selbst richten. Jellouns Buch ist eine kritische Sicht, auf die aktuellen Ereignisse in den arabischen Ländern, die längst ihre Würde verloren haben, und keine Aussicht darauf haben, dass sich Alles zum Guten wenden könnte. Ernüchternd, realistisch, kritisch, anklagend, aufzeigend, das Unrecht darstellend. Ein wichtiges Buch, auch wenn man es nicht gerne liest. Betroffen macht es trotzdem.