Die Journalistin Balci stellt am Beispiel eines von ihr begleiteten arabischstämmigen Jugendlichen die Parallelgesellschaft türkischer und arabischer Migranten in Berlin vor. Ihre Schilderungen sind von schonungsloser Härte und einer Offenheit, die manchmal an die Grenze des Erträglichen geht. Von orientalischer "Ehrkultur" mit ihrer Frauenverachtung über weichliche und weltfremde Sozialarbeiter, welche diese Kultur nicht verstehen, über "bildungsferne" migrantische Eltern, welche den Kindern ihre Zukunft verbauen bis hin zu ethnisch-deutschen "Opfern" und deren Unterschichtenkultur kritisiert sie viele Akteure, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Das Buch öffnet dem Leser die Augen für ein Problem, dem man sich in Großstädten wie Berlin kaum noch entziehen kann. Wer in der Integrationsdebatte mitreden will, kommt um dieses Buch nicht herum. Man sollte allerdings kein wissenschaftliches Werk erwarten. Dieses will das bewusst an Einzelfällen orientierte Buch auch nicht sein. Kritisch könnte man noch anmerken, dass die Autorin manchmal in einen Erzählstil verfällt, der einzelne Abschnitte sehr detailliert nacherzählt. Man fragt sich hier, ob nicht einzelne Aspekte erzählerisch etwas ausgeschmückt wurden. Zweifel der an Glaubwürdigkeit kommen zwar nicht auf, aber ein etwas sachlicherer Stil wäre besser gewesen.