Die ersten beiden Alben des Outkast-Duos sollen im Jahr 1998 noch einmal durch einen Geniestreich überboten werden, der den Namen "Aquemini" trägt. Grund ihres brillanten Werks ist die Pefektion ihrer eigenen, selbst entworfenen Musik, die bereits in "Atliens" Form angenommen hat und nun ihr Endstadium erreicht hat. Wenige Alben können, was Vielfalt angeht, mit "Aquemini" mithalten; die Rede ist hier von musikalischer Vielfalt und innovativ-kreativer Raffinesse, die von Big Boi und Andre 3000 an den Tag gelegt werden.
Der in "Atliens" produzierte Chilled Out-Space Funk wurde übernommen, weiter geformt und in neuen Dimensionen weiterverarbeitet; aus diesem Mix erhielt man den einzigartigen Sound von "Aquemini". Die erste Single "Rosa Parks" wird von einer Gitarre eingespielt, begleitet von DJ-Scratches und gesungenen Refrains, "Return of the G" wurde von einem Live Orchester unterstützt, mit "Syntheziser" kommt ein sehr elektronisch-gehaltener Track daher, Reggea-Gehupe und Dub-Style-Elemente schmücken "SpottieOttieDopaliscious", bei dem "Art of Storytellin'" werden ein Piano und melancholisch-traurige Gesänge zur Hilfe genommen, das abschliessende "Chonkyfire" überfällt den Hörer mit "hard rockenden" E-Gitarren; jeder Titel bietet seine besonderen Eigenheiten, die miteinander bestens harmonieren und zusammen ein musikalisches Meisterwerk ergeben.
Abwechslung findet sich nicht nur in der Gestaltung der Tracks wieder, sondern auch in der Thematik und Art. So lassen sich ruhigere, lautere, schnellere, langsamere, lustig-fröhlich gehaltene und nachdenklich bis traurig-kritische Stücke finden und welche, die mehreres verbinden (wie das großartige "Da Art of Storytellin' Pt. II"). Hinzu kommt, dass Big Boi und Andre 3000 nicht nur gut rappen können und sich prima ergänzen (das konnte man bereits 1994 und 1996 feststellen), sie demonstrieren zur genüge, um was für kreative und innovative Künstler es sich handelt; sie können die von der Musik evozierte Stimmung mit ihren Texten und ihrer Art zu rappen perfekt verbinden und sogar noch verstärken, durch ihre Fähigkeiten, sowohl schnell, energisch, ambitioniert, teils wütend, als auch langsam und nachdenklich-ruhig zu rappen und diese mit ihren oft auftretenden Gesängen zu verfeinern.
All diese Elemente dauern ganze 74 Minuten an und sorgen dennoch nie für Eintönigkeit und Langeweile, sondern bieten genau das Gegenteil, so dass es sicherlich zum besten Hip-Hop Album von 1998 trotz starker Konkurrenz ("Black Starr", "Moment of Truth" oder Baby J's "Birth") gekürt werden kann und zum besten Werk von Outkast.