Hat sich schon mal jemand darüber Gedanken gemacht, ob Aqua und ein sinfonisches Orchester zusammenpassen? Nein? Tröstlich. Ich mir bislang auch nicht. Aber ordentlich der Reihe nach:
Zwischen der Veröffentlichung von AquariuM und AquariuS (mit S am Ende) liegen ziemlich genau drei Jahre. Und die merkt man - nicht nur am bemerkenswert professionell aufgemachten Erscheinungsbild von Booklet und (tatah! Multimedia-) CD, sondern auch am Musikstil.
Besser gesagt an den Stilen, denn im Vergleich zur älteren Aquarium deckt die Aquarius eine ziemliche Bandbreite ab.
Selbstverständlich gibt es den typischen (je nach Geschmack geliebten oder verfluchten) "BarbieGirl"-Rhythmus zur Genüge, aber dazwischen verstecken sich musikalische Perlen wie "Around the World" (für Lara Croft-Fans), "Freaky Friday" (als Country-Parodie), "Halloween" (für Horror-Liebhaber) und - mein ultimatives Sahnestück - "Aquarius". Wo "Cartoon Heroes" schon erste Orchester-Ansätze zeigte, schlägt diese Ballade voll zu und ist für den unvorbereiteten Lauscher eine heftige Überraschung mit Gänsehaut- und Kloß-im-Hals-Effekt. Eigentlich nur mit Reinhard Mey`s "Lilienthals Traum" und den Berliner Philharmonikern zu vergleichen. Man tut sich irgendwie schwer damit, daß dies die Quietsche-Stimmen-Lene sein soll... wie dem auch sei, DAS Stück würde ich gerne mal in der Royal Albert Hall dirigieren. Direkt dahinter positioniert wirkt "Cuba Libre" schon fast wie ein störender Fremdkörper!
Nett sind auch die jeweiligen Texte (einfach nur Jux oder tiefsinnig gemeint? Manchmal schwierig, das zu entscheiden...) mit neckischer Selbstironie und Running-Gag-Bezug auf die eigenen Stücke.
Zusammenfassend sei gesagt, daß die Aquarius zu den CDs gehört, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Und das betrachte ich als Kompliment!