Das Postitive an dem Buch: Das sechsseitige "Kinder Spezial", das gute und leicht verständliche Antworten auf Kinderfragen zum Thema Aquaristik gibt (drollig: "Wasserpflanzen haben einen riesengroßen Vorteil: man braucht sie nicht zu gießen! Ist doch klasse, oder?"). Auch die Überlegungen finanzieller Art vor dem Kauf der Ausstattung werden, gleich zu Beginn, klärend angesprochen. Außerdem finde ich gut, daß vom Kauf eines Goldfischglases abgeraten wird. In positivem Sinne erwähnenswert finde ich auch den Exkurs über den Kreislauf der Atemgase im Aquarium und das Kapitel über die Leitfähigkeit des Wassers; ein wichtiger Parameter, der in anderen Ratgebern oft zu kurz kommt. Zur Einrichtung werden viele gute Ratschläge gegeben, auch informiert das Buch recht gut über Krankheitssymptome, -diagnose und -bekämpfung. Im Zusammenhang mit der Algenbekämpfung wird auf den Einsatz algenvertilgender Fische hingewiesen, doch die Empfehlung der Siamesischen Rüsselbarbe (Crossocheilus siamensis) finde ich fehl am Platz, wenn man bedenkt, daß dieser Fisch recht groß wird und dieser Ratgeber nicht zuletzt für Kinder verfaßt wurde, die zum Einstieg in die Aquaristik wohl kaum gleich artgerecht große Becken wählen werden. Leider werden überhaupt nur wenige Wasserpflanzen und Fischarten vorgestellt. Die Erwähnung des Goldfisches (Goldfische sind Teichfische) finde ich sehr gewagt, ebenso die des Bürstennasenwelses (Ancistrus temminckii) für eine Beckenlänge ab 80 cm, weil dieser Fisch auch recht groß werden kann. Etwas, was ich bisher in fast allen Aquaristikratgebern so oder in ähnlicher Form gelesen habe, finde ich auch hier sehr schade: " ... nach einer Woche ..., kann es endlich losgehen!" Gemeint ist der Zeitpunkt, wann man endlich die ersten Fische einsetzen darf, was lediglich daran festgemacht wird, wann die Pflanzen angewachsen sind und die Technik störungsfrei funktioniert. Abgesehen davon, daß es von Becken zu Becken vollkommen unterschiedlich ist, wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, ist das in in den wenigsten Fällen bereits nach einer Woche der Fall. Den Tip auf derselben Seite (fast am Ende des Buches), neu erworbene Fische vor ihrem "Umzug" in ihr neues Heim erst einmal eine Zeitlang in einem Quarantänebecken zu halten, finde ich nicht schlecht, aber das hätte man auch an früherer Stelle erwähnen können. Für drei Beckengrößen werden anregende Gestaltungsvorschläge gemacht, aber ich finde, daß der Autor jeweils zu überhöhten Fischzahlen rät (hier widerspricht er sich, denn in einem früheren Kapitel gibt er eine gängige Faustformel zum Fischbesatz an) - darüberhinaus vergesellschaftet er in einem Beispiel Fische, die sich mit anderen Arten nicht so gut vertragen würden, obwohl er auch hier nicht vergißt, wenige Seiten vorher eben diese eine Eigenschaft der Fischart zu beschreiben, die der anderen das Leben im gemeinsamen Becken unter Umständen zur Hölle macht... schade außerdem, daß er bei den vermehrungsfreudigen Lebendgebärenden zu einem höheren Männchen-Besatz rät, wobei die vielen Männchen den wenigen Weibchen "im wirklichen Leben" sehr zusetzen würden.
Ich als Aquaristikneuling mußte eine seltsame Erfahrung machen: drei Aquarianer, mindestens vier Meinungen; ganz gleich, ob es sich um Hobbyaquarianer, Buchautoren oder Fachhändler handelt. In der breiten Masse der Aquarienbesitzer scheinen sich nun mal hartnäckig einige Meinungen zu halten ("Dieser Fisch läßt sich durchaus in hartem Wasser halten", "Der Fisch ist doch nicht zu klein, der paßt sich dann an die Beckengröße an" - aber, wohlgemerkt: das waren keine Zitate aus dem Buch!), und keineswegs ist in diesem Buch alles zur Aquaristik gesagt.