"Geh über Wörter wie über ein Minenfeld", lautet eine der zentralen Zeilen dieses kleinen, aber bedeutsamen Bändchens. Es ist in der Tat ein "Minenfeld". - Immer noch fristet der 1913 in Wilna geborene Abraham Sutzkever in der Literatur ein bescheidenes Dasein. Dabei ist er einer der wichtigsten Autoren und Dichter in jiddischer Sprache.
Auch die Texte dieses Buches kann man sowohl in jiddischer als auch in deutscher Sprache lesen. Wichtiger aber noch als dies sind die Texte - Sutzkever nennt sie "Kurze Beschreibungen / Kurtse Baschrajbungen". In ihnen erzählt er von Grausamkeit und Tod im Wilnaer Ghetto. Es ist ein Gespräch mit den Toten und eine grausame "Erinnerung an den Todesengel"; eine Erinnerung, wie diese: "Und ein Wolf, ein im Schnee geschliffenes, blankes, vierfüßiges Messer", das "zerschneidet die Landschaft".
"In der Stille schlüpfen die Wörter" - und lesen sich dann so: "Der Schein eines messinggelben Scheiterhaufens im nahen Wald, mit Bäumen halbzerfallener Skelette, beleuchtet mit brennenden Schatten das Gebein lebendiger Toter...".
Aber: "Mensch, was tust du, bist du blind, siehst du nicht, hier im Regen ist Gott".
Kleine Geschichten sind dies, so auch eine "Liebesgeschichte" in Angesicht des Todes, in der es heißt: "...Ich will dir ein Gedicht vorlesen, über dich' Hör zu!" - 'Auswendig Liebster, kenn ich das Gedicht, ich selbst gab dir die Worte." - "Einmal noch will ich deinen Leib spüren".
Die Texte haben eine immense Intensität und ein hohe Musikalität. Vor allem aber ist es dir sprachliche Kraft - und natürlich der Inhalt; die dieses Bändchen so lesenswert machen.