Ich kann nachvollziehen, dass viele Rezensenten dieses Buch mit 5 Sternen bewerten. Es ist ziemlich umfangreich und täuscht so ein definives Werk zum Thema Zierfische vor.
Zwei Hauptgründe veranlassen mich aber zu einer Warnung:
1. Das Buch enthält keinen repräsentativen Querschnitt der wichtigsten Arten
2. Das Buch ist in Aquarianerkreisen legendär für die vielen Fehlinformationen
Auch ich war als Anfänger (habe das Hobby vor 3 Jahren begonnen) zunächst von der Vielzahl der vorgestellten Fischarten beeindruckt.
Dennoch hat sich sehr schnell herausgestellt, dass viele der aktuell relativ häufig gepflegten Fischarten in diesem ersten Band fehlen. Es ist keineswegs so, dass die zur Zeit wichtigsten Fische in Band 1 beschrieben werden und in den Folgebänden zunehmend seltenere Arten auftauchen.
Immerhin hat sich seit Erscheinen des Buches vor etlichen Jahren auch in der Aquaristik viel getan. Dies hängt damit zusammen, dass wirtschaftliche und wissenschaftliche Einflüsse wie auch Modewellen das aktuelle Angebot stark beeinflussen. Es verschwinden immer wieder Arten aus den verschiedensten Gründen aus dem Fokus der Hobbyisten. Andererseits werden noch heute Arten neu entdeckt oder erst jetzt auf den Markt gebracht. Exportverbote für bedrohte Arten oder zu kostenintensive Nachzuchten veranlassen die Händler auf andere Fische auszuweichen. Umgekehrt kann der Durchbruch durch neue Methoden einer wirtschaftlich rationellen Zucht eine größere Verfügbarkeit bewirken.
Natürlich ist dies ein Standardwerk und steht auf dem Buchmarkt konkurrenzlos da. Aber es muss darauf hingewiesen werden, dass diejenigen Leser, die einen (annähernd) vollständigen Überblick über das Sortiment erwarten oder Informationen über erst in den letzten Jahren erstmals erhältliche Arten haben möchten, dazu gezwungen sind, sich auch die Bände 2-6 anzuschaffen.
Was bei zur Zeit 25,- EUR pro Taschenbuch ziemlich kostspielig wird.
Ich habe mir bereits nach kurzer Zeit Band 2 dazu gekauft, womit ich jetzt besser dastehe. Aber viele der von mir favorisierten oder selbst gepflegten Arten sind auch dort noch nicht zu finden.
Als Alternative - insbesondere für die Aquarianer, die lieber Geld für Fische als für Bücher ausgeben - bietet sich der Fotoband an, der die Arten der ersten fünf Bände in knapper Form enthält, allerdings nur mit jeweils einem Foto und den Grunddaten.
Man muss den Mergus - das sei hier ausdrücklich betont - immer sehr, sehr kritisch lesen. Viele Informationen zur Haltung sind mittlerweile veraltet. Fotos und Namen wurden vertauscht. Besonders eklatant sind die Angaben zur Beckengröße. Diese sind durchweg deutlich zu gering angesetzt. Es wird sogar mehrfach für Fische, die ausgewachsen mehrere Dezimeter oder gar über 1 m lang werden eine Beckengröße von 80 oder 100 cm empfohlen! Dies kann sich allerhöchstens auf Jungfische beziehen.
Überhaupt sind etliche Arten aufgenommen, die vielleicht noch für Zooaquarien geeignet sein mögen, im Hobby aber nichts zu suchen haben.
Trotz der vielen Mängel ist der Mergus ein empfehlenswertes Buch - sofern man mit gesundem Menschenverstand und kritisch urteilen kann. Insofern ist dies kein Buch für leichtgläubige Anfänger! Bitte immer parallel auch im Internet, über Fachzeitschriften oder bei versierten Aquarianern Informationen einholen!
Fazit: Keinesfalls 5 Sterne wert! Weil es aber nach wie vor auf dem Buchmarkt für Hobbyaquaristik kein vergleichbares Werk gibt, darf es dennoch nicht in der Sammlung ambitionierter Aquarianer fehlen. Persönlich tendiere ich daher eigentlich zu knapp 4 Sternen. Um aber etwas Gegengewicht im Bewertungsdurchschnitt zu schaffen, vergebe ich hier nur die 3!