Bereits der erste Satz des Vorworts fängt mit "Ich" an, und diese Perspektive setzt sich über den Rest der insgesamt 112 Seiten konsequent fort. So erfährt man unter anderem, warum Bernhard Vogel Stillleben mag, warum er z.B. Blumen-Stillleben malt, warum er sie malt wie er sie malt, was er sich so dabei dachte, als er sie malte, warum Rosa eine seiner Lieblingsfarben ist, welche Farbkombinationen seine Favoriten sind, und so weiter und so fort. Den Nutzwert daran zu beurteilen fällt nicht leicht, wenn man sich anhand des allgemein-gehaltenen Buchtitels naheliegenderweise etwas mehr erhoffte, als nur Vogels Selbsterklärungsversuche. Bei allem Respekt für das Schaffen und Wirken des Autors: Das Maß aller Dinge ist auch Bernhard Vogel nicht, wenn es um "Aquarellkunst" geht.
So wäre der Titel "Bernhard Vogels Stillleben" eigentlich treffender, denn einen Allgemeinanspruch können die teils zwar sachlich-erklärenden, aber überwiegend subjektiv-schwadronierenden Selbstanalysen keinesfalls geltend machen. Wie immer, wenn Künstler sich selbst und ihre Werke fernab des eingesetzten Hand- und Konzeptwerks vordergründig-metaphysisch zu erklären versuchen, wo es eigentlich nicht viel zu erklären gibt, bleibt außer den opulent-dargestellten Werken ansich auch hier inhaltlich nicht viel mehr übrig. So sind bedeutungsschwangere Sätze wie "Das Papierweiß im Hintergrund erzeugt eine geheimnisvolle Gegenlichtstimmung" typisch für das gesamte Buch: Mit viel gutem Willen kann man dem ein paar nützliche Informationen entziehen, ansonsten bleiben dem allgemein-künstlerisch interessierten Leser unterm Strich nicht viel mehr als eine Vielzahl an hervorragenden und unterhaltsamen Werk-Ansichten im Spezial-Format.
Wohlwollender sieht es hingegen aus, wenn man ein eingefleischter Fan ist und sich selbst als Maler auf einen fast-identischen Stil festgelegt hat. Wer schon immer mal mit Bernhard Vogel unter vier Augen durch eine seiner Ausstellungen schlendern wollte, um bei jedem Bild ein paar Kommentare und Gedankengänge des Meisters dankend in sich aufzusaugen, der wird hier exzellent bedient.
Weitere allgemeine Ansätze zur Kritik gibt es aufgrund einiger Widersprüchlichkeiten und unabsichtlicher Ironien. So z.B. zitiert Vogel zum Auftakt des kurzen Abschnitts über den "eigenen Stil" Ferdinand Waldmüller mit den Worten: "In der akademischen Zwangsjacke verliert die Meisterschule jede Bedeutung; Also keinen akademischen Unterricht mehr", und plädiert für das Abstreifen von Vorbildern sowie für eine Zielsetzung zur Unverwechselbarkeit... Wohlgemerkt in einer Verlags-Buchserie, die sich "Die Kunst-Akademie" nennt, und sich hier genau jener Zielgruppe widmet, die ihrem Vorbild Bernhard Vogel stilistisch nacheifert.
Insgesamt betrachtet muss man also vor der Anschaffung dieses Buches warnen, aber zugleich auch dazu raten: Der Druck ist qualitativ, die Bildwerke sind toll, die Einblicke in Bernhard Vogels Gedanken-Welt grundsätzlich interessant und unterhaltsam, mit ein paar guten Tipps und Anregungen zu ähnlichen konzeptionellen Herangehensweisen.
Fazit:
Für eingefleischte Bernhard Vogel Fans, die dem Meister in Stil und Umsetzung künstlerisch nacheifern, ein guter Tipp! Alle anderen sollten sich selbst der Frage stellen: Bringt mir das was, und will ich das?