"Auftakt von "Aquagene" bildet ein pedantisch und atemberaubend skizzierter Höllenritt eines Hubschrauber-Rettungseinsatzes. Bewundernswert, wie Hagen hier recherchiert haben muss, falls er nicht selber Pilot ist. Selbst wenn die Fakten um den Flug der Helikopter-Crew in absoluter Dunkelheit, Sturm und Fallwinden über dem Nord-Polarmeer Humbug sein sollten - das ist ja für den Laien selten erkennbar -, beherrscht Cord Hagen die Kunst, dass sie sich für den Leser wahr anfühlen." Diese Buchbesprechung im SF-Magazin hatte mich neugierig gemacht und ich wurde einmal nicht enttäuscht. Das Buch ist ein Actiontrip. Auf über 540 Seiten entführt Hagen den Leser in die Welt von Mutanten, die den Klimawandel als Chance begreifen und in der Abgelegenheit von Grönland eine Stadt unter dem Eis bauen. Mehr will ich hier aber nicht verraten. Das Buch liest sich wie ein Film und obwohl nicht weniger gut recherchiert als Schätzings "Der Schwarm" kam bei mir nie Langeweile auf. Das mag auch an den rasanten Dialogen liegen, die ab und zu leider ins Slapstickhafte abrutschen. Das unterstreicht aber gerade das Neue an diesem subversiven Roman, der den Klimawandel von einer ganz neuen Seite betrachtet.
Wer Thriller mag und etwas Neues sucht, für das es noch keine amerikanische Vorlage gibt, der wird AQUAGENE mögen.
Als kleines Beispiel des lockeren, witzigen Stils erscheint mir diese Szene geeignet, die an Bord einer Bohrinsel vor Ostgrönland spielt. Der Hydroingenieur Brandel und sein Assistent Bieker sitzen gerade gewaltig in der Klemme, nachdem sie entdeckt haben, daß die Besatzung der Plattform nicht ganz menschlich ist:
In einer Seekiste hatte Bieker ein kleines Schminkset für den Nachtkampf entdeckt und tunkte seinen Zeigefinger in die schwarze, ölige Farbe.
"Ich werde mal sehen, wohin der Schacht führt"', sagte er. '"Schaden kann es nichts, oder?'"
Was kann einem Totalschaden schaden?, dachte Brandel. Er nickte freundlich und ordnete seine Decken.
'"Willst du auch was?' "Mit einer ziemlich weiblichen Geste, aus der viel Verlegenheit sprach, reichte er Brandel das Set."'Lies nur mal die Namen, mein Großer: Codex Grey, Space Wolf Grey, Shaw Grey, Chaos Black, Skull White ...' Bieker lies sich die Namen förmlich auf der Zunge vergehen. 'Ich denke, Codex Grey würde nicht schlecht zu dir passen.' "
'"Nein, danke'", sagte Brandel, "'ich hasse diesen schwulen Militärfetischismus. Außerdem passt die Farbe nicht zu dem hübschen Hämatom, das meinen Unterrücken bedeckt."'