In der "Yes-Familie" gab es ja schon immer sehr viel Knatsch, persönliche Streitereien und musikalische Unstimmigkeiten unter den einzelnen Musikern. Es ist einfach nicht einfach, wenn so starke Charaktere in einer Band zusammenkommen jedem gerecht zu werden. Das war bei der "AOR-Supergroup" - ASIA - die ja zum Teil auch aus ehemaligen "Yes-Mitgliedern" bestand nicht anders, und nach der Tour zum Best-Of-Album - Then and Now - Anfang der Neunziger war zunächst erst einmal Schluss. Steve Howe kümmerte sich fortan nicht nur intensiver um seine Solokarriere, sondern stieg auch 1996 wieder bei seiner legendären Hauptgruppe YES ein, bei der er bis zum heutigen Tag ein fester Bestandteil blieb. Carl Palmer hingegen reanimierte zusammen mit Keith Emerson und Greg Lake für eine kurze Zeit von knapp drei Jahren wieder die legendäre "Dinosaurier-Rockband" - Emerson, Lake & Palmer - und spielte die beiden Alben - Black Moon und In The Hot Seat ' ein.
"Bedeutete das, dass AUS für ASIA?" - Nicht wirklich. Bandleader Geoff Downes formierte kurzer Hand eine Reihe neuer exzellenter Studiomusiker um sich herum, wobei Steve Howe und Carl Palmer das Album - AQUA - noch einspielten, bevor sie die Band "endgültig" verließen. Unter anderem gelang es Downes den großartigen Sänger John Payne ins Boot zu holen, der den neuen Liedern mit seiner kräftigen und markanten Stimme eine ganz neue, allerdings weniger bombastische, dafür aber sehr persönliche Atmosphäre einhauchte. Auf - AQUA - sprudelt eine ganz neue Musikenergie, und auch die Songs sind wesentlich abwechslungsreicher als die "streighten" und "mainstreamorientierten" Bombast-Songs aus den Achtzigern.
Das Album beginnt erstmals mit einem wundervoll gespielten Akustikgitarren-Instrumental-Lied von Steve Howe, begleitet von einem atmosphärischen Wellenrauschen, das Geoff Dawns auf den Keyboards zaubert. Sofort taucht der Hörer ein in eine wundervolle Unterwasserwelt, die einem die Augen schließen und die Welt vergessen lässt. Danach geht es allerdings rund, und es folgt ein sehr guter Song nach dem anderen. Das Album rockt, poppt, bluest und liefert durchweg Vielseitigkeit. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle keinen einzigen Song. Das ganze Album ist vom Anfang bis zum Schluss hervorragend, und ASIA schaffen es mit dem neuen Sänger John Payne - ähnlich wie seinerzeit Marillion auch mit Steve Hogarth - ihre Musik in eine völlig neue Richtung zu lenken.