Diese CD ist eine Überraschung des Jahres 2010 für mich. Nach der sehr verprogten letzten CD Aurora Consurgens ist es vier Jahre sehr still um die brasilianischen Ausnahmemusiker geworden. Einige der Band Mitglieder haben Solo Scheiben veröffentlicht. Es schwirrte ja sogar mal das Gerücht durchs Netz, Angra seien Geschichte. Das sind sie definitiv nicht, wenn man sich das neue Meisterwerk Aqua anhört. Gleich mit dem Intro und dem Opener Arising Thunder machen die südamerikanischen Jungs klar, wohin die Reise geht: Technisch absolut hochwertiger Powermetal mit vielen Progversatzstücken, die aber niemals aufgesetzt klingen, sondern sich absolut ins Gesamtbild der Musik einfügen. Die Gitarren feuern ein Götterriff nach dem anderen ab, der Rhythmus ist treibend und zwingend. Tja, und Edu Falaschi singt so gut wie schon immer zuvor. Der Unterschied zum Vorgängeralbum wird auch gleich deutlich. Die Melodien gehen schneller ins Ohr, trotz all der Verfrickeltheit. Wobei bei Awake from Darkness schon ganz schön die Prog Keule geschwungen wird, nichts desto trotz präsentiert sich das Lied durch den epischen Break im Mittelteil und die fantastische Auflösung am Ende absolut gelungen. Ruhigere Töne werden dann schliesslich bei Lease of Life angestimmt. Diese Halbballade wirkt aber zu keiner Zeit aufgesetzt oder kitschig, und Edu macht einen auf James Labrie ( Dream Theater). Das Ende des Liedes ist derart gefühlsintensiv, da bekomme ich jedes Mal aufs neue Gänsehaut. Danach gehts mit dem epischen The Rage of the Waters schneller und sehr Power Metal lastig weiter. Der Refrain zündet sofort und hätte so auch auf der Nova Era stehen können. Besonderheit an dem Lied ist eindeutig der jazzige Mittelteil, der sich aber schön ins Gesamtkunstwerk einwebt. Mit Spirit of the Air folgt dann der legitime Nachfolger von Songs der Marke The Shadow Hunter oder auch Rebirth, großes Ohrenkino. Bei Hollow lassen defintiv Symphony X grüßen. Aber zu keiner Zeit klingen Angra wie eine schlechte Kopie der Referenzband. Immer wieder klingt der typische Angra Sound durch. A Monster in her eyes ist eine weitere Halbballade, die sehr erdig rüber kommt in den Strophen, aber sich sehr episch in den Bridges und in den Refrains auflöst. Typisch Angra. Mit Weakness of a Man folgt ein weiteres verschachteltes Prog Feuerwerk, das über weite Teile eher im Midtempobereich angesiedelt ist. Aber auch hier will der Refrain schnell zünden. Mit Ashes wird dann eine 50 minütige hochwertige musikalische Reise nach Brasilien sehr ruhig und geschmackvoll abgeschlossen. Sehr gelungen.
Fazit: Fans der progressiveren Angra und Anhänger des neuen Sängers Edu Falaschi können hier blind zugreifen. Die CD ist einfach endgenial und kann mit den großen Veröffentlichungen der Band auf Augenhöhe stehen. Jeder, der angeprogten Powermetal im Stile von späten Sonata Arctica und Kamelot mag, sollte aber auch mal Aqua anchecken. Die Brasilianer haben ihren eigenen Charme und dies schon seit Anfang der neunziger. Ich kann mich dem Herrn Schöwe aus dem Metal Hammer nur anschliessen. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, weshalb diese innovative Band in Deutschland ein derartiges Schattendasein fristet.