Aus der Amazon.de-Redaktion
In den späten 90er Jahren kam von einer Seite her Bewegung in den deutschen Film, die eigentlich noch gar nicht entdeckt war. Es kamen gleich mehrere Filme von jungen in Deutschland aufgewachsenen türkischen Regisseuren heraus, die sich ganz um die schizophrene Welt der Immigranten drehen, ohne dabei in Larmoyanz zu zerfließen oder den sozialen Zeigefinger aufdringlich zu erheben. Das Spektrum reichte von Fatih Akins
Kurz und schmerzlos, einer stark von Martin Scorseses
Hexenkessel geprägten Genre-Studie über Kleinganoven, bis zu den spröden, von Robert Bresson und Paul Schrader beeinflussten Filmen Thomas Arslans.
Yüksel Yavuz' Aprilkinder, der gelungenste unter diesen Produktionen, bewegt sich etwa in der Mitte zwischen diesen beiden Polen. Seine Geschichte einer türkisch-kurdischen Familie, die aufgerieben wird von den Widersprüchen des Lebens im Exil, das für die in Deutschland aufgewachsenen Kinder eine problematische Heimat darstellt, verbindet geschickt Genre-Elemente mit einem beinahe dokumentarischen Blick. Cem (Erdal Yildiz -- vielleicht der Star des deutschen türkischen Kinos, der auch in Kutlug Atamans Lola und Bilidikid eine der Hauptrollen gespielt hat) und Mehmet (Bülent Esrüngün), die zwei völlig verschiedenen Brüder, repräsentieren zwei gegensätzliche Wege des Umgangs mit ihrer gesellschaftlichen Außenseiterposition. Cem versucht, sich einzugliedern in die Gesellschaft, die ihn doch nur an ihrem Rand akzeptiert, und arbeitet sich fast kaputt in einer Wurstfabrik. Mehmet verachtet ihn dafür und spielt selbst den Gangster, der aber im Prinzip noch weniger erreicht als sein Bruder.
Das Bild, das Yüksel Yavuz durch die beiden und ihre Umwelt zeichnet, ist ein ungeheuer authentisches und zutiefst melancholisches. Cem wird praktisch zerrissen von seinem Wissen, dass hier andere Gesetze gelten als in den Dörfern, aus denen sie kommen, und dass hier zu leben, eine größere Freiheit bedeuten kann, und seinem Gefühl der Verpflichtung gegenüber seinen Eltern und seiner Herkunft, die ihm die Flucht aus den Traditionen unmöglich macht. --Sascha Westphal
Video Jakob Kurzinhalt
Chem, Mehmet und Dilan sind in Deutschland aufgewachsene "Aprilkinder". Chem verdient sein Geld in der Wurstfabrik, sein Bruder Mehmet sucht sein Glück im Drogenhandel. Schwester Dilan verliebt sich in einen von Mehmets Kumpeln und Chem in eine Nutte, obwohl seine Heirat mit einer kurdischen Cousine abgemacht ist. (aus Blickpunkt:Film)