Kundenrezensionen

64
4,3 von 5 Sternen
Aprilgewitter
Format: TaschenbuchÄndern
Preis:9,99 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Hörbuch-Bewertung: APRILGEWITTER von Iny Lorentz, glesen von Anne Moll
6 Audio-CDs im aufklappbaren Pappcase (zum Einstecken) | 404 Minuten Laufzeit | 37 Tracks | erschienen bei LÜBBE AUDIO

APRILGEWITTER ist die Fortsetzung von DEZEMBERSTURM einer historischen Schmonzette (Ende 19. Jahrhundert) aus der Feder des berühmten "Autorenehepaars aus der Nähe von München".

Wieder geht es um Lore von Trettin, die in DEZEMBERSTURM ja schon so einiges erlebt und überlebt hat. Es gibt eben einen Haufen Neider auf dieser bösen bösen Welt, die dem armen Mädchen ihr Erbe streitig machen wollten...

Nach dieser ersten Episode lebte Lore einige Jahre glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Fridolin, doch dann musste dieser beruflich nach Berlin und damit ändert sich so einiges für Lore. Nicht zum Guten - man ahnt es ja schon.
Während Fridolin langsam beruflich in seinem Bankiersjob aufsteigt und sein Chef und Vorgesetzter ihn immer öfter auch nach der Arbeit für gesellschaftliche Events zu sich nach Hause einlädt, muss die arme Lore zu Hause bleiben. In der feinen Gesellschaft verbreitet sich das Gerücht, dass Lore eine einfache Schneiderin ist und nicht von Adel! Zudem verschwört sich diese Bankiersfamilie regelrecht gegen Lore, denn die verwöhnte Tochter hat sich in Fridolin verguckt und schmiedet mit der Mutter Pläne Lore und Fridolin auseinanderzubringen, damit sie Fridolin heiraten kann... Für den Vater käme das sogar ganz recht, weil der gute Fridolin dann ja sein Erbe antreten könnte --- mitsamt der Tochter. Quasi: Alles bleibt dann schön in der Familie...

Das Beste an der Schmonzette in praktischem Hörbuch-Format ist jedoch, dass der Großteil der Handlung in einem Bordell spielt, wohin der arme arme Fridolin von seinem Chef regelmäßig mitgenommen wird. (Zunächst wider Willen, versteht sich!) Dort trifft er eine Jugendfreundin wieder, der er in Sachen Finanzen helfen möchte. In besagtem Etablissement passieren jedoch noch andere Sachen die ich hier schwerlich erwähnen kann ohne rote Ohren zu bekommen!

Mein Mann war schwer begeistert. Sein Statement zu Iny Lorentz (seit er von mir mit dem Hörbuch Die Wanderhure zwangsbeglückt wurde) hat sich bestätigt: "Rentnerpornografie. Übelste Sorte, quasi!"

Es geht in APRILGEWITTER schließlich nicht nur darum welcher Adelige, Politiker oder sonstige feine Pinkel in diesem Bordell seine geheimen Wünsche auslebt, es wird noch eine total fiese Verschwörung gegen den Thronfolger geplant und da kommt der arme Fridolin einigen bösen Leuten gerade recht und wird in ein arges Komplott verwickelt...

Alles mal wieder mächtig aufregend! Was mich immer wieder bei diesen seichten "die ganze Welt gegen ein armes eigentlich ganz nettes Mädel"-Geschichten an Iny Lorentz fasziniert ist ja, dass man beim Zuhören regelrecht in Rage gerät, weil ja alle so böse sind. Aber am Ende ... na, Sie werden es ja ahnen ... wird alles gut!

Mein Statement zu APRILGEWITTER: Aufwühlende Seifenoper fürs Ohr. Auch dank Anne Moll, die es wieder gekonnt schafft, die Guten so richtig anmutig bis brav-klingend zu interpretieren und den Bösen Übeltätern einen schurkischen Unterton zu verpassen, dass einem das Messer in der Hose aufspringt!
Großes Iny Lorentz Ohren-Kino!

Hier die Reihenfolge der Trilogie (verlinkt sind die Hörbücher).
Dezembersturm: 1. Teil einer Trilogie.
Aprilgewitter: 2. Teil einer Trilogie.
Juliregen: 3. Teil einer Trilogie.
44 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Juli 2010
Iny Lorentz' neuer Roman "Aprilgewitter" ist die Fortsetzung ihres Bestsellers "Dezembersturm" und führt die Protagonistin Lore Huppach und damit auch uns Leser ins Berlin Ende des 19. Jahrhunderts.

Denn in Berlin wollen Lore und Fridolin ihr Glück finden. Fridolin findet Arbeit in einem bedeutenden Bankhaus, und Lore eröffnet mit ihrer Freundin einen Modesalon; und so scheint einer glücklichen Zukunft nichts mehr im Wege zu stehen. Doch in der Damengesellschaft der Großstadt findet Lore keinen Anschluss. Sie wird ignoriert und bekommt die Aversionen und Antipathien der Gesellschaft nur allzu deutlich zu spüren. Gerüchte und Behauptungen werden in die Welt gesetzt - und ganz allmählich scheint sich Lore immer mehr in einem Netz aus Verleumdungen und Diffamierungen zu verfangen.
In dieser Situation stellt sich unwillkürlich die Frage nach Fridolins Treue und Loyalität - zumal er in der Besitzerin des Edelbordells "Le Plaisir" eine alte Bekannte wiedertrifft.

Eins vorneweg: "Aprilgewitter" ist wesentlich besser als sein Vorgänger "Dezembersturm". Sicher, "Dezembersturm" war in einigen Teilen ein durchaus spannendes und sinnliches Auswandererdrama, leicht zu lesen und historisch gut recheriert, aber die mangelnde Tiefe der Charaktere und die teils klischeedurchzogene und überaus vorhersehbare und leider auch kitschige Handlung haben das Lesevergnügen doch erheblich getrübt.
In "Aprilgewitter" ist Lore zwar nach wie vor überaus charakterstark, mutig, entschlusskräftig, handlungsschnell - ein eigentlich perfekter Charakter also, und genau das muss auch kritisiert werden -, die Handlung ist allerdings wesentlich schlüssiger aufgebaut mit glaubhafteren Spannungsmomenten und weniger Kitsch. Nicht alle Charaktere gewinnen an Tiefe, aber sie bleiben lange nicht so blass wie im ersten Teil. Der zweite Teil gewinnt also ein gehöriges Maß an Glaubwürdigkeit, und macht genau deshalb ungleich mehr Spaß als sein Vorgänger.
Die Geschichte hat nur wenige Längen und ist dramaturgisch gut aufgebaut, so dass man mit den einzelnen Charakteren immer mehr mitfiebert und das Buch schließlich, zumal es recht flüssig zu lesen ist, überraschend schnell schon zu Ende gelesen hat.
Zudem gibt der Roman einen fesselnden Einblick hinter die Fassaden der Berliner Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts. Die Verbindung von historischen Fakten und Ereignissen und erzählerischer Fiktion gelingt also ganz ausgezeichnet, und auch deshalb kann man Lorentz' neuen Roman durchaus in eine Reihe stellen mit ihren bisher besten Werken wie "Die Wanderhure" oder "Die Goldhändlerin".
Trotzdem wäre noch mehr Mut bei der Zeichnung der Charaktere durchaus wünschenswert; ein Protagonist mit Fehlern und Schwächen, keine derart klare Trennung zwischen "Guten" und "Bösen", insgesamt noch mehr Authentizität also - all das darf und muss man auch von einem historischen Roman erwarten. Literarische Qualität ist keine Kategorie, die für historische Romane nicht gilt; zumal es mittlerweile einige, auch deutsche Auoren und Autorinnen gibt, die das eindrucksvoll nachgewiesen haben.

"Aprilgewitter" erzählt also eine spannende Geschichte, gut und intelligent eingebettet in einen historischen Rahmen, hat aber durchaus einige Schwächen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
VINE-PRODUKTTESTERam 28. September 2010
Fridolin und seine Cousine / Ehefrau Lore reisen nach Berlin, um dort ein neues Leben zu beginnen. Zusammen mit ihrer Freundin Mary eröffnet Lore ein Modesalon, während Fridolin in einer großen Bank seinen "ersten, richtigen" Job beginnt. Doch wie so oft bleibt das Leben nicht einfach ruhig, Intrigen und Gerüchte machen sich in der höheren Gesellschaft über Lore, ihre Ehe und ihr Können breit. Gerade als sie Fridolin am meisten braucht, scheint ihre Ehe tatsächlich zu kriseln, denn Fridolin hat eine alte, wohl bekannte, Dame wieder : die Besitzerin des Bordells "Le Plaisir".

Nach einem eher kitschigen ersten Teil, ist es dem Ehepaar Lorentz gelungen, diese "Preußen-Reihe" zu verfeinern. Lore und Frodolin erleben zwar immer noch die tollsten Sachen, zum Beispiel ein fast Attentat auf den Kaiser, aber nicht mehr in so einer Heftigkeit, wie in Dezembersturm. Überhaupt finde ich diesen Teil sehr viel authentischer und spannender.

Die Charaktere, seien es Mary, Lore oder Fridolin, bekommen in Aprilgewitter eine Tiefe, die ich mir für Dezembersturm auch gewünscht hätte. Besonders Lore wächst einem jetzt in diesem Teil ans Herz und man war wirklich gespannt, wie das alles so zu Ende geht. Man kann sagen, dass Lore mutiger und selbstbewusster ist und nicht mehr so kindlich wie zuvor, das war sehr angenehm beim Lesen. Was Fridolin angeht, so fand ich eigentlich die Heirat der beiden im ersten Teil sehr überstürzt und war mir nicht wirklich sicher, was er für Lore empfindet. In diesem Teil bekommt ihre Ehe natürlich viel Platz, zum krachen, toben und zum lieben, sodass man als Leser sein eigenes Gefühl dafür bekommt, wie Aufrichtig diese Ehe eigentlich ist.

Mir gefiel das Ende gut und es lässt einen erahnen, dass es auch hier einen weiteren Teil geben wird, wann dieser Teil erscheint, ist mir bisher ab noch unbekannt.

Was mir besonders an dem Schreibstil der Lorentz's gefällt ist, dass sie sehr auf den sprachlichen Stil der Zeit geachtet haben. Da haben sie entweder wirklich gut recherchiert, oder aber einfach sich nur richtig gut in ihre Figuren versetzt. Auch die Beschreibung Berlins war sehr real und man konnte es förmlich vor Augen sehen.

An diesem Buch, konnte man erahnen, warum die "Wanderhure" z.B. so ein großer Erfolg wurde. Nach Dezembersturm konnte ich das noch nicht verstehen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Januar 2011
Mit "Aprilgewitter" führt das Autorenehepaar Ingrid Klocke und Elmar Wohlrath die Geschichte um Lore von Trettin gekonnt fort . Es überrascht den Zuhörer mit einer spannenden Geschichte um Liebe, Leid und Macht zum Ende des 19. Jahrhunderts. Im Vergleich zum Vorgänger "Dezembersturm" brilliert dieser Teil der Trilogie mit einer charakterstarken Darstellung der Hauptfiguren. Bei Lore und Fridolin handelt es sich nun nicht mehr nur um stereotype Vertreter der damaligen Zeit. Aus dem freundlichen und hilfsbereiten jungen Fridolin ist ein aufsteigender und ehrgeiziger Mann geworden, der bei seinem Streben nach beruflichem Erfolg und Ansehen die Belange seiner Frau nach und nach aus den Augen verliert und damit seine Ehe nachhaltig aufs Spiel setzt. Lore indes hat ihre Zurückhaltung verloren, sieht sich jedoch den Anfeindungen der Gesellschaft zunächst machtlos gegenüber. Sie muss hilflos mit ansehen, wie ihr der einst so vertraute Ehemann immer mehr zu entgleiten droht.

So überrascht und erfreut es den Zuhörer gleichermaßen, dass die Höhen und Tiefen der jungen Ehe durchaus realistisch und nicht, wie vielleicht erwartet, die Liebe zwischen den beiden glorifiziert dargestellt wird. Interessant sind ebenfalls die Nebencharaktere, die teils bereits aus "Dezembersturm" bekannt sind. Die kleinen Intrigen, meist ausgehend von neidgeplagten Frauenzimmern, treten jedoch nur randläufig in Erscheinung und räumen der Haupthandlung den nötigen Raum ein. Sowohl die politischen Intrigen um Otto von Bismarck als auch die Abstecher ins Berliner Rotlichtmilieu mit den Darstellungen der sexuellen Ausschweifungen der vordergründig feinen Herren der Gesellschaft erweitern hervorragend das Spektrum der Charaktere und Schauplätze. Der Sprung zwischen den einzelnen Handlungsfäden lässt zu keiner Zeit Langeweile aufkommen und zum Ende des Hörbuches ist die Spannung kaum auszuhalten.

Wie in der überwiegenden Zahl der veröffentlichen Hörbücher von Iny Lorentz wurde auch diesmal Anne Moll als Sprecherin ausgewählt. Erneut glänzt sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und verleiht der Geschichte den charakteristischen Klang eines spannenden historischen Romans. Es bleibt zu hoffen, dass der Hörer in "Juliregen" (erscheint im Juli 2011) mit einer ebenso beeindruckenden Geschichte als Abschluss der Trilogie um Lore von Trettin rechnen darf.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. August 2011
Wie in allen Romanen des Autorenpaares Lorentz ist auch dieser gut und flüssig durchgearbeitet, die Situationen sind logisch herbeigeführt (mit einigen kleinen Ausnahmen) und die Handlung ist gut und folgerichtig durchgezogen. Bereits auf den ersten Seiten wird der Leser in die Geschichte hineingezogen. Allerdings wirft gerade der erste Dialog weder auf Fridolin noch auf Lore ein gutes Licht, besonders Fridolin kommt hier schlecht weg, die erste Szene fand ich nicht so gelungen. Die Stärke der Autoren ist es unzweifelhaft, eine abenteuerliche, dem Trivialen manchmal recht nahekommende Geschichte in einer für das Autorenpaar ungewöhnlichen und zunächst etwas gewöhnungsbedürftigen Zeitepoche, dem Ende des 19. Jahrhunderts, zu erzählen. Die Geschichte Lores steht hier eindeutig vor der Ausgestaltung des historischen Hintergrundes, auch wenn wir in diesem Band sehr viel über den Enkel des Kaisers, den späteren Kaiser Wilhelm II, erfahren. Im Mittelpunkt des Buches steht das Geschenk für Wilhelm, den Enkel des derzeitigen Kaisers, und in diesem Zusammenhang gelingt es den Autoren auch, die bewegte Zeit der Attentate auf gekrönte Häupter lebendig werden zu lassen. In diesem Zuge lernen wir auch den späteren Kaiser Wilhelm und den noch mächtigen Reichskanzler Bismarck persönlich kennen, beide sind von den Autoren sehr lebendig gezeichnet. Aber auch in diesem Roman schrecken die Autoren vor der Verwendung trivialer Elemente nicht zurück, aufgrund des Handlungszeitraumes erinnert mich dieses Buch immer noch sehr an die Romane von Karl May. Die Autoren fabulieren vor der Staffage des historischen Hintergrundes munter drauflos, wichtig ist vor allem die flüssige und einigermaßen logische Durchziehung der fiktiven Geschichte, was auch in diesem Buch für eine interessante, nie langweilig werdende Handlung mit einigen Kriminalelementen sorgt. Ein Kriminalroman ist es jedoch nicht, obwohl die Morde aufgeklärt werden, steht dieser Handlungsstrang nicht im Fokus des Romans. Genau diese Handlungsstränge sind es, die das Buch in das Fahrwasser der (eher unbekannteren) Bücher von Karl May, die zur selben Zeit in Deutschland spielen, bringt (z. B. Der Peitschenmüller"). Selbst vom Stil her sind einige Ähnlichkeiten unübersehbar.
In diesem Roman gelingt es dem Ehepaar Lorentz schon sehr viel besser als im ersten Band, dramaturgische Schwächen und Ungereimtheiten zu vermeiden. Die Handlung plätschert leicht und flüssig dahin und führt immer wieder zu Spannungshöhepunkten, dies ist dann wieder ein Roman, wie man ihn eben von Iny Lorentz gewöhnt ist. Fridolin als aufstrebender Bankeigner gewährt uns so manchen Einblick in das Bankwesen der damaligen Zeit, am Beispiel des hoch verschuldeten Landrats von Stenik wird deutlich, wie die Banken dieser Zeit verlorenem Geld aus Protektion noch weiteres Geld hinterherwerfen. An diesem Verhalten dürfte sich bis heute nicht viel geändert haben. Auch die Familie Trepkow, die nach dem Motto Vornehm geht die Welt zugrunde" lebt und lieber hungert, ehe sie (außer Caroline) eine ehrliche Arbeit annimmt, wirft, ähnlich derjenigen, die Wilhelm eine teure Jacht zum Geschenk machen wollen, ohne einen Pfennig Geld zu besitzen, ein bezeichnendes Licht auf die höhergestellte" Schicht dieser Zeit. Die Autoren zeichnen jedoch auch ein schonungsloses Bild des späteren Kaiser Wilhelms, hier ist mit dem herrschenden Nationalismus und Militarismus bereits spürbar, dass Deutschland nach dessen Machtübernahme mit forschem Stechschritt auf den ersten Weltkrieg zumarschieren wird. Bereits zu diesem Zeitpunkt zählt die Uniform schon mehr als der darin steckende Mensch. Der Ausflug Lores in die Bergwelt der Schweiz vermittelt uns darüber hinaus einige Einblicke in den Tourismus und die Bergrettung der damaligen Zeit und sorgt darüber hinaus zum Ende des Romans hin für einige ausgesprochen spannende Momente. Kleine unlogische Sequenzen sind wieder einmal enthalten, so suchen sich beispielsweise die Grünfelders einen verheirateten Mann als potentiellen Schwiegersohn aus, dies wird zwar von den Autoren durchaus mit vielen eventuell sogar glaubhaften Erklärungen bedacht, wirkt insgesamt jedoch doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Von Schusswaffen scheinen die Autoren auch nicht allzu viel zu verstehen, wer einen entsicherten Colt in einer Handtasche transportiert, dürfte relativ lebensmüde sein.
Wieder einmal ist bei diesem Buch im Klappentext keine Jahreszahl genannt, so dass man sich mittels der Bemerkung auf der zweiten Seite über vergangene 5 Jahre die genaue Jahreszahl errechnen muss. Prompt hat man sich dann um ein Jahr vertan, da das Buch Dezembersturm" im Jahr 1875 beginnt, aber erst im Jahr 1876 endet. Auf Seite 30 wird dann jedoch endlich die genaue Jahreszahl genannt, der Roman beginnt im April 1881. Ich halte dies für keine elegante Lösung. Auch in diesem Roman steht die Geschichte von Lore und Fridolin im Vordergrund, bis auf die genannten Auftritte Wilhelms und Bismarcks bleibt der historische Hintergrund weitestgehend verschwommen und nur in einigen Dialogen wird auf nötige Hintergrundinformationen Bezug genommen.
Wie in vielen Romanen I. Lorentz' können die meisten männlichen Charaktere den weiblichen Protagonisten nicht das Wasser reichen. Fridolin von Trettin kommt in diesem Roman gleich von der ersten Seite an sehr schlecht weg und muss zum Ende hin die Überlegenheit Lores eingestehen, allerdings ist gerade bei ihm eine Entwicklung zum Besseren auszumachen. Zum ersten Band hin hat er sich doch sehr verändert und ist kaum wiederzuerkennen. Seine Veränderung wird zwar einigermaßen logisch begründet, so ist er ein aufstrebender Miteigner einer Bank und er tut wirklich alles, um seine nach außen hin sehr konservativen, insgeheim aber den zwielichtigen Verlockungen nicht abgeneigten Geschäftspartnern zu gefallen. Aber die alten Feinde schlafen nicht und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf und allen Bemühungen zum Trotz wird Fridolin bei den ersten Schwierigkeiten von seinen neuen Freunden fallen gelassen. Dieses Buch stützt sich nicht so sehr auf einen Schurken von Format, viele unglaubliche Verwicklungen und Zufälle stehen hier im Vordergrund. Als Lore ihren Fridolin wegen eines dummen Gerüchts und falschen Augenscheins verlässt, kommt sie mir als inzwischen gereifte und sehr selbständige Person doch sehr weltfremd vor. Fridolin und Lore erinnern mich doch sehr an Marie und Michel nach längerer Ehezeit in der Tochter der Wanderhure", ähnlich wie Marie wirkt auch Lore in manchen Situationen recht zickig. Nur Nati ist immer noch die alte und wird auch durch ein Schweizer Internat nicht von ihrer Widerspenstigkeit und Aufmüpfigkeit geläutert. Auf diesem Wege sorgt sie weiterhin für einige amüsante Szenen und Schmunzler.
Die dramatische Rettung Lores und die Versöhnung des Ehepaares ist in diesem Buch sehr viel besser gelungen als die Liebesgeschichte im ersten Band. Das Ende ist deshalb spannender und läuft auch ordentlich aus. Der zweite Band bietet eine erhebliche Steigerung in der Flüssigkeit und in der Spannung und ist trotz einiger kleiner Schwächen sehr unterhaltsam und liest sich flott weg. Der dritte Band ist ähnlich unterhaltsam und schon aus diesem Grunde lohnt sich das Dranbleiben. Der zweite Teil ist auch ohne den ersten Band durchaus verständlich, aber der dritte Band nimmt doch sehr viel Bezug auf den zweiten Teil, deshalb sollte man Aprilgewitter" unbedingt gelesen haben, ehe man zum Juliregen" übergeht.
Aus allen diesen Gründen ist das Buch unbedingt empfehlenswert!
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Hörbuch-Bewertung: APRILGEWITTER von Iny Lorentz, gelesen von Anne Moll
404 Minuten Laufzeit | 37 Tracks | erschienen bei LÜBBE AUDIO

APRILGEWITTER ist die Fortsetzung von DEZEMBERSTURM einer historischen Schmonzette (Ende 19. Jahrhundert) aus der Feder des berühmten "Autorenehepaars aus der Nähe von München".

Wieder geht es um Lore von Trettin, die in DEZEMBERSTURM ja schon so einiges erlebt und überlebt hat. Es gibt eben einen Haufen Neider auf dieser bösen bösen Welt, die dem armen Mädchen ihr Erbe streitig machen wollten...

Nach dieser ersten Episode lebte Lore einige Jahre glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Fridolin, doch dann musste dieser beruflich nach Berlin und damit ändert sich so einiges für Lore. Nicht zum Guten - man ahnt es ja schon.
Während Fridolin langsam beruflich in seinem Bankiersjob aufsteigt und sein Chef und Vorgesetzter ihn immer öfter auch nach der Arbeit für gesellschaftliche Events zu sich nach Hause einlädt, muss die arme Lore zu Hause bleiben. In der feinen Gesellschaft verbreitet sich das Gerücht, dass Lore eine einfache Schneiderin ist und nicht von Adel! Zudem verschwört sich diese Bankiersfamilie regelrecht gegen Lore, denn die verwöhnte Tochter hat sich in Fridolin verguckt und schmiedet mit der Mutter Pläne Lore und Fridolin auseinanderzubringen, damit sie Fridolin heiraten kann... Für den Vater käme das sogar ganz recht, weil der gute Fridolin dann ja sein Erbe antreten könnte --- mitsamt der Tochter. Quasi: Alles bleibt dann schön in der Familie...

Das Beste an der Schmonzette in praktischem Hörbuch-Format ist jedoch, dass der Großteil der Handlung in einem Bordell spielt, wohin der arme arme Fridolin von seinem Chef regelmäßig mitgenommen wird. (Zunächst wider Willen, versteht sich!) Dort trifft er eine Jugendfreundin wieder, der er in Sachen Finanzen helfen möchte. In besagtem Etablissement passieren jedoch noch andere Sachen die ich hier schwerlich erwähnen kann ohne rote Ohren zu bekommen!

Mein Mann war schwer begeistert. Sein Statement zu Iny Lorentz (seit er von mir mit dem Hörbuch Die Wanderhure zwangsbeglückt wurde) hat sich bestätigt: "Rentnerpornografie. Übelste Sorte, quasi!"

Es geht in APRILGEWITTER schließlich nicht nur darum welcher Adelige, Politiker oder sonstige feine Pinkel in diesem Bordell seine geheimen Wünsche auslebt, es wird noch eine total fiese Verschwörung gegen den Thronfolger geplant und da kommt der arme Fridolin einigen bösen Leuten gerade recht und wird in ein arges Komplott verwickelt...

Alles mal wieder mächtig aufregend! Was mich immer wieder bei diesen seichten "die ganze Welt gegen ein armes eigentlich ganz nettes Mädel"-Geschichten an Iny Lorentz fasziniert ist ja, dass man beim Zuhören regelrecht in Rage gerät, weil ja alle so böse sind. Aber am Ende ... na, Sie werden es ja ahnen ... wird alles gut!

Mein Statement zu APRILGEWITTER: Aufwühlende Seifenoper fürs Ohr. Auch dank Anne Moll, die es wieder gekonnt schafft, die Guten so richtig anmutig bis brav-klingend zu interpretieren und den Bösen Übeltätern einen schurkischen Unterton zu verpassen, dass einem das Messer in der Hose aufspringt!
Großes Iny Lorentz Ohren-Kino!
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Kurzbeschreibung:
Ende des 19. Jahrhunderts: Glücklich und voller Hoffnung brechen Lore und Fridolin nach Berlin auf. Hier erfüllt sich Lore ihren großen Traum, mit ihrer Freundin einen Modesalon zu eröffnen. Doch bald muss sie erkennen, dass sie von den Damen der Gesellschaft geschnitten wird, ja dass ganz offensichtlich gegen sie intrigiert wird. Zu allem Überfluss beginnt es auch noch in ihrer scheinbar so glücklichen Ehe zu kriseln, denn Fridolin hat eine alte Bekannte wieder getroffen - die Besitzerin des Edelbordells Le Plaisir'

Die Spannung kommt später'

Dies war mein erstes Buch von Iny Lorentz, an welches ich mit sehr gemischten Gefühlen herangegangen bin.
Zu Beginn schienen sich diese zu bewahrheiten'.
Ich kam nur sehr schwer in die Geschichte hinein. Ich war gefangen in einer Vielzahl von Personen, die ich mir alle nicht behalten und dementsprechend einordnen konnte. Die politischen Aspekte waren mir zu detailgenau beleuchtet und schon nach kurzer Zeit habe ich mich schrecklich gelangweilt.
Doch irgendwann geht eine Veränderung in der Geschichte vor. Plötzlich besteht die Handlung nicht mehr nur als Längen, sondern sie gewinnt Fahrt und man wird gefesselt. Auch die Charaktere sind nicht mehr schwer voneinander zu unterscheiden, da zwischen 'Gut' und 'Böse' klare Grenzen gezogen werden.
Die Veränderungen gegenüber dem Vorgänger 'Dezembersturm' kann ich leider nicht beurteilen, da ich das Buch nicht gelesen habe. Aber auch ohne den Inhalt des 1. Teils zu kennen, sind bei mir doch keine Wissenslücken offen geblieben. Über die Zeit werden alle Fragen und Punkte geklärt, die für den Leser noch irgendwie wichtig sein könnten.

Iny Lorentz überzeugt mit einer gut recherchierten Geschichte, bei der die nötige Portion Fiktion nicht fehlt. Allerdings war mir der Schreibstil oft zu fade; mir hat die Authentizität der Geschichte gefehlt.

Volle Punktzahl kann ich diesem Buch nicht geben, aber ich kann im Nachhinein sagen, dass ich doch nicht ganz umsonst zu diesem Buch gegriffen habe.
Vielleicht versuche ich es ja irgendwann nochmal mit einem Iny-Lorentz-Roman.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. August 2010
Dieses Aprilgewitter hinterlässt einen faden Geschmack.Übersichtliche Charaktere,klischeehafte Handlungen,gute alte preussische Tugenden,Überschaubarkeit,Überlängen.....alles in allem eher eine fade Suppe,denn ein Gewitter.Ich hatte Mühe bis zum guten Ende durchzuhalten...es hat sich nicht wirklich gelohnt.
22 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Oktober 2010
Ich fande dieses Buch wirklich herrlich zu lesen. Sicherlich findet man sich in Klischees und einigen Übertreibungen wieder, die aber machen einen Teil des Buches aus.
Hier bietet sich ein anderer Einblick in die Welt der Frauen der damaligen Zeit.
Ein voeheriges Lesen von Dezembersturm ist nicht zwingend notwendig, aber doch hilfreich, um Charaktere und deren Reaktionen und Taten besser zu verstehen und einordnen zu können.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Januar 2011
Eins vorweg; Ich habe den ersten Teil nicht gelesen, kann also daher keinen Vergleich anstellen.
"Aprilgewitter" ist ein Buch für das man einen langen Atem braucht. Nicht, weil es so viele Seiten hat, sondern weil die Handlung oft unter Überlängen leidet.
Da wären zum einen die vielen Charaktere, die sich oftmals nicht signifikant voneinander unterscheiden. Anstatt 5 intrigante Personen einzuführen, hätte Iny Lorentz das Hauptaugenmerk besser auf einen Bösewicht gelegt und ihn charakterlich mehr ausdifferenziert. Dadurch, dass so viele Personen auftauchen, gewinnt das Buch schonmal an unnötiger Länge. Denn auch den eigentlichen Nebefiguren wird zuviel Spielraum gewährt, in dem zum Beispiel ihre Lebensgeschichte oder ihre Emotionen ausführlich geschildert werden.
Zum anderen wird in "Aprilgewitter" alles immer genau erklärt und eingeleitet. Spontanität, was den Handlungsaufbau anbelangt, sucht man hier vergebens. Jeder Ehestreit, jede Kutschfahrt, jedes Abendessen muss unter einer Vielzahl von Schilderungen und Begründungen erst einmal vorbereitet werden, bevor es in der selben ausschweifenden Art erzählt werden kann.
Die Geschichte scheint unentschlossen, was sie denn genau sein will.
Da gibt es Romanzen, Eheschwierigkeiten, die Unterdrückung der Preussischen Gesellschaft, Studentenrevolten, Intrigen, Wirtschaftsprobleme, politische Umbrüche, Attentatspläne usw. Alles wird mit der selben "Wichtigkeit" ausgewalzt. So wirkt die Geschichte insgesamt überladen.

Man sollte sich als Leser also darauf einstellen, kein "schnelles" Buch aufzuschlagen, sondern eines, dass eben ein bisschen ausführlicher ist. Für viele Leute wird das kein Problem darstellen, wie ja auch aus der Zahl der vielen positiven Rezensionen hier hervorgeht.

Ich habe 2 Sterne vergeben, weil "Aprilgewitter" einer meiner seltenen Ausflüge ins Historische war. Normalerweise lese ich lieber Krimis, und habe daher diese Rezension auch für diejenigen geschrieben, die vielleicht eher selten historische Romane lesen und etwas temporeiches erwarten...
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Dezembersturm: 1. Teil der Trilogie.
Dezembersturm: 1. Teil der Trilogie. von Iny Lorentz (Audio CD - 9. Oktober 2009)
EUR 3,99

Der weiße Stern: Roman (Knaur TB)
Der weiße Stern: Roman (Knaur TB) von Iny Lorentz (Taschenbuch - 1. April 2014)
EUR 9,99

Juliregen
Juliregen von Iny Lorentz (Taschenbuch - 1. Juli 2011)
EUR 9,99