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April in Paris. Roman Gebundene Ausgabe – 19. April 2010


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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (19. April 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442741068
  • ISBN-13: 978-3442741069
  • Größe und/oder Gewicht: 9,8 x 2,4 x 16 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren. Er lebt seit 1997 als Roman- und Drehbuchautor sowie als Regisseur in Berlin. Seine Inszenierung von "Willy Brandt - Die ersten 100 Jahre" am Theater Lübeck wurde 2013 in der Kritikerumfrage der WELT unter die zehn besten deutschsprachigen Theateraufführungen des Jahres gewählt. International bekannt wurde Michael Wallner als Autor durch den in über 20 Länder übersetzten Roman „April in Paris“. Zuletzt erschienen von Michael Wallner bei Luchterhand die Romane „Die russische Affäre“ (2009) und "Kälps Himmelfahrt" (2011).

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Pont Royal, 1943

Ich erfuhr von der Versetzung vor Mittag. Der schmale Streifen aus Licht erreichte das Fensterbrett. Mein Major behielt beim Eintreten die Klinke in der Hand, winkte mit der anderen, ich solle sitzen bleiben. Ob die Schweinerei aus Marseille fertig sei? Ich zeigte auf das Papier in der Maschine, halb beschrieben. Wenn das getan sei, könne ich gehen.
»Und die Depeche aus Laure-sur-Marne?« fragte ich überrascht.
»Muß ein anderer machen. Sie werden gebraucht.«
Ich preßte unterm Tisch die Knie aneinander. Viele gingen zur Zeit an die Front. »Abkommandiert?«
»Der Rue des Saussaies ist ein Übersetzer ausgefallen.« Der Major strich an der linken Brustseite hinunter, Reiterabzeichen, Kriegsverdienstkreuz. Er werde den Deibel tun, denen was abzuschlagen. Nur vorübergehend, ich solle mir keine Sorgen machen.
»Was ist mit dem Übersetzer aus der Rue des Saussaies passiert?«
»Vergangene Nacht zu Tode gefahren.«
»Partisanen?«
»Ach wo. Der Kerl ist besoffen über die Brücke getorkelt. Wegen der Verdunkelung hat ihn der Streifenwagen zu spät gesehen. Leider nicht sofort tot, scheußlich. So oder so, die Anforderung für den Dolmetscher liegt auf meinem Schreibtisch. Sie scheinen dort einen besonderen Ruf zu haben«, sagte der Major mit seltenem Lächeln. »Die Rue des Saussaies wollte ausgerechnet Sie.«
Mein Kreuz wurde hart. Ich warf einen Blick auf die Karte gegenüber, eins zu fünfhunderttausend. Pfeile, Schraffierungen, die Gipsrosette über der Tür, Reste von Stofftapete aus der Zeit, als hier noch gewohnt wurde. Mein Schreibtisch, das französische Wörterbuch, abgekaute Bleistifte. Den schönen Ausblick auf die Dächerkette im Westen würde ich vermissen.
Der Major sah mich trübe an. »Machen Sie die Marseille-Sache fertig. Dann nehmen Sie frei. Morgen Dienstantritt drüben. In ein paar Tagen sind Sie wieder zurück. Die mögen fremde Gesichter dort nicht besonders.«
Ich stand auf, grüßte, da der Major selbstvergessen den Arm hob. Blieb noch stehen, als er schon draußen war. An der Wand wurde das Fensterkreuz vom Licht nachgezeichnet. Mir war plötzlich kalt, ich schloß den obersten Knopf, nahm die Kappe, als würde ich gehen. Legte sie wieder hin, sank auf den Stuhl, las den französischen Text und begann, mit zwei Fingern die Übersetzung zu tippen.
Du hättest einen anderen Weg nehmen können, dachte ich. Unvorsichtig, ausgerechnet durch die Rue des Saussaies zu gehen. Vor dem Hauptquartier war die schwarzsilberne Uniform aufgetaucht, kurzer Wortwechsel. Hatte der andere Feuer verlangt? Du wirst vorsichtig sein. Nur Ausdrücke aus dem Wörterbuch übersetzen. Wirst auf den Tisch schauen, keinem in die Augen. Wirst vergessen, was man dich sehen läßt. Abends wirst du in dein Hotel gehen, morgens pünktlich zum Dienst erscheinen. Bis sie dich nicht mehr brauchen. Dann kehrst du zu deinem Major zurück, der nichts will, als die Stadt genießen und das Gefühl, ein Sieger zu sein. Der es dir überläßt, auf der Wandkarte Pfeile und Ziffern umherzuschieben und deine Berichte mit seinem Namen versieht. Solange du ihm unentbehrlich bist, verhindert er, daß sie dich in den wirklichen Krieg schicken.
Der Pont Royal stand bis zu den Schultern im Wasser, nur noch ein halber Meter bis zur Hochwassermarke von siebzehnhundertsoundso. Angler beugten sich über die Mauerbrüstung. Die Steine waren heute schon warm, die Menschen saßen mit halb geschlossenen Lidern der Sonne zugewandt. Als sie die genagelten Absätze hörten, drehte mancher sich weg. Ich drängte ins Gewirr um Saint-Germain. Je mehr Menschen, desto weniger fiel meine Fremdheit auf. Beim Pont Solferino toste das Wasser in der Eisenkonstruktion. Eine dicke Orientalin vor dem
Stand eines Gemüsehändlers; nacheinander befühlte sie drei armselige Äpfel. Nicht weit davon glotzten ein Oberschütze und sein Kamerad die Frau an, auf deren Stirn ein silberner Halbmond glänzte.
»Dolle Weiber gibt es hier«, sagte der Oberschütze.
Der andere nickte. »Für so 'ne kleine Rassenschande wär ich zu haben.«
Sie war trotz ihrer Fülle elegant und benahm sich, als habe sie kein Recht, auf der Straße zu sein. Da der Ladenbesitzer heraustrat und die Frau argwöhnisch musterte, legte sie die Äpfel zurück. Tat ein paar unsichere Schritte, bemerkte die Landser, die ihr mit unverwandtem Grinsen im Weg standen.
Ich trat hinter die Feldgrauen zurück, nahm den Weg in eine Seitengasse. Ich ging schneller, als mir zumute war. Fraß die Straßen unter den Sohlen, obwohl ich eigentlich schlendern wollte. Zählte Hotelschilder, die über mir vorbeiglitten. In eins hineingehen, dachte ich, ein Zimmer im obersten Stock verlangen. Die Stiefel ausziehen, nur leise, die raumhohen Fenster geöffnet, und die Zeit verstreicht ohne Bewegung.
Ich wurde langsamer. Der Laden auf der anderen Seite war mehrere Zimmer tief, weit hinten brannte eine Glühbirne. Vor dem Eingang gestapelte Stühle mit rosa Bespannung. Ich bückte mich und berührte die brüchige Seide. Ganz hinten hob ein Mann den Kopf, das Licht schnitt sein Gesicht hart aus dem Hintergrund. Als er mich ansah, fuhr ich hoch, als sei ich bei etwas Verbotenem ertappt worden.
Ich suchte breitere Gassen, Menschen, Gedränge. Die meisten Läden waren schon abgeräumt, zeigten dem Vorbeieilenden nur ihre leeren, braunen Gestänge. Eine Bäckerei hielt noch offen, die Schlange war lang. Ich stellte mich an, vermied Blicke, man hielt Lücke zur Uniform. Ich kaufte ein mehlbestäubtes Brot. Als ich heraustrat, fegte ein Garçon Sägespäne aufs Trottoir. Die Lokale öffneten früh.
Nie war mir aufgefallen, daß jenes schwarze Tor nicht in ein Haus, sondern in eine Gasse führte. Ich reckte das Kreuz, um das verblaßte Schild zu entziffern - Rue de Gaspard? Das Tor war geschlossen. Trotz meiner Neugier zögerte ich, lehnte mich gegen das Türblatt. Vorübergehende musterten mich, wie ich so zwischen Straße und Eingang stand. Ich warf einen Blick hinter die eiserne Schwelle. Die Gasse verschwand im Schatten einer Mauer, graues Licht lag auf dem Pflaster. Ich schlüpfte durch dieses Tor und ging los. Überall zugezogene Läden; wo die Häuser niedriger waren, drang Abendsonne herein.
Als ich um die Ecke bog, stieß ich auf einen Trödler, der seine Waren ins Comptoir brachte. Eine Bronzebüste auf dem Arm, verstellte er mir den Weg. Keine Befangenheit vor dem Feldgrau. Ich betrachtete eine Pendeluhr, die an der Mauer lehnte. Nußholzgehäuse, das Pendel aus poliertem Messing.
»Il me semble, j'ai vu exactement la même à Munich», sagte ich.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Josephine Sterner TOP 500 REZENSENT am 26. Mai 2013
Format: Gebundene Ausgabe
1943 im besetzten Paris: Der junge deutsche Gefreite Roth, der tagsüber als Übersetzer der Wehrmacht arbeitet, begibt sich zu Nachtzeiten und bei freien Ausgängen gerne zu seiner französischen Geliebten Chantal, die dem Widerstand angehört. Er schlendert durch seine geliebte Stadt Paris, schaut beim Friseur oder Buchhändler ab und an vorbei. Doch lange kann seine Tarnung als Franzose in kariertem Anzug nicht währen und bei einem großen Missverständnis kann er sich der Folter der Wehrmacht auch nicht mehr entziehen...

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und transportiert somit meiner Meinung nach noch besser die Hilflosigkeit, der die Figur Roth in seinem Soldaten- und getarnten Zivilleben ausgesetzt ist. Die immer währende Angst seinen eigenen Kameraden ausgeliefert zu sein und von heute auf morgen als Hochverräter zu gelten, ist für den Leser unübersehbar. Man liest dieses Buch nicht einfach, man spürt es. Die Sprache ist nüchtern, auf den Punkt gebracht, ohne Umschweife oder Erwähnungen über die ach so toll zwitschernden Vögel. Zwei-Wort-Sätze verstärken die Dichte des Romans. Es ist weder ein Spionagethriller noch ein Drama über den Krieg. Es ist eine schlichte Mischung aus Eindrücken, einer Liebesgeschichte und Tatsachen, wobei hier die dramatische Ära rund um den zweiten Weltkrieg ausgesucht wurde. In keiner Epoche musste man in Paris mehr vor Krieg, dem Feind oder Folgen Angst haben als 1943 zur Zeit der Besetzung. Ich würde den Stil des Autors als eine Mischung aus von Ken Follett und Coetzee bezeichnen. Für mich ist dieses Buch ein großer Geheimtipp, die Kapitel sind fesselnd, gerade wegen der Derbheit und persönlichen Direktheit der Berichterstattung Roths. Ein verstecktes Meisterwerk.

~Bücher-Liebhaberin~
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