Ich habe den neuen iPod der 4ten Generation nun für ein paar Wochen in Benutzung. Auch wenn es bisher noch wenig Zubehör von Drittanbietern für dieses Gerät gibt, war schon etwas Gelegenheit Erfahrungen damit zu sammeln.
Bevor ich dieses Gerät erwarb, hatte ich für kurze Zeit das Vorgängermodell. Optisch kommt, im Vergleich zum Vorgängermodell welches ausschließlich mit berührungsempfindlichen und tiefrot beleuchteten Bedienelementen ausgestattet war, der neue iPod mit dem nicht beleuchteten und herkömmlich zu drückenden „Click-Wheel" billiger und weniger elegant daher. Die leichte und logische Bedienung hat sich jedoch durch das neue „Click-Wheel", welches vom iPod mini übernommen wurde, nicht verbessert oder verschlechtert. Der wirkliche Vorteil des neuen Modells, sind daher seine inneren Werte und der gesenkte Preis. Insbesondere sind hier die spürbar längere Akkuleistung und das leichtere Gewicht, welches auch zu einem etwas flacheren Gehäuse führt zu nennen.
Die Software des iPod hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell kaum geändert. Es sind, außer der erleichterten Zufallswiedergabe und der einstellbaren Geschwindigkeit für das Abspielen von Hörbüchern, keine neuen Features hinzugekommen. Das auf einem Monochrom-Display präsentierte Menü ist intuitiv und logisch gestaltet. Der Benutzer wählt sich mit Hilfe der mittleren Taste, der berührungsempfindlichen Radfläche und des Menüknopfes vor und zurück durch ein horizontal aufgebautes Menü. Die Wiedergabelisten werde aus der auf dem PC/ Mac notwendigerweise aufgespielten Musikdatenbank iTunes 4.6 übernommen. Zudem können Musiktitel auch nach Interpreten, Alben, Liedern und anderen Kriterien ausgewählt werden. Die Synchronisation mit iTunes funktioniert problemlos und dank Firewire recht schnell. Dies gilt aber nur solange, wie man den iPod nur an einem Computer betreibt. Man kann zwar auf den iPod auch von anderen Computern mittels iTunes manuell Lieder überspielen, aber um diese Lieder wieder auf den eigenen Hauptrechner zu bekommen bedarf es kostenlos im Internet erhältlicher Zusatzprogramme. ITunes, in der automatischen Synchronisation, überschreibt ansonsten hemmungslos die neuen Lieder auf dem iPod. Kompatibel ist der iPod zum mp3-, aac-, aif-, wav- und appleloseless-Format. Nicht darauf abspielbar ist das ogg-vorbis- (.ogg) und windowsmedia-(.wma)Format, wobei sich bei letzterem auf Grund des möglichen rigiden Digital-Rights-Managements fragt, ob die Welt wirklich auf dieses auch ansonsten mittelmäßige Format gewartet hat.
Ferner lässt sich das Gerät als mobile Firewire/ USB2 Festplatte benutzen. Noch habe ich diese Möglichkeit, insbesondere hinsichtlich deren Problemlosigkeit bei Verwendung zwischen Mac und PC und PC und PC und Mac und Mac nicht testen können. Ein in meinen Augen besonders nützliches Feature, ist die Möglichkeit Kontaktdaten und Kalenderinformationen mit nur einem Knopfdruck per iSync am Mac oder umständlicher mit dem vCard-Format von Outlook usw. am PC auf den iPod zu überspielen. Dort können diese Daten in einem gut aufgebauten Menü, ähnlich wie bei Mobiltelefonen, betrachtet aber leider nicht bearbeitet werden. Der iPod ersetzt insoweit dann doch leider keinen Handheld. Zusätzlich stehen noch vier einfache Spiele (Solitär, Bricks (eine Arkenoid-Adaption), Musicquiz (die vom Benutzer aufgepielten Lieder müssen erraten werden), Parachute (ein seltsames und wohl überflüssiges Kriegsspiel bei dem auf Helikopter und Faltschirmspringer geschossen wird)) zur Verfügung.
Im praktischen Leben möchte ich den iPod nicht mehr missen. Im Auto ersetzt mir die kleine 140 Gramm wiegende Kiste meine gesamte unübersichtliche Kassettenkollektion, im Zug den wackelanfälligen CD-Spieler und zu Hause ist der iPod Teil meiner Stereoanlage und hat insoweit aus Bequemlichkeit meinen Laptop und iTunes aus dieser Position verdrängt. Der Akku hat im Dauerbetrieb mit einigem vor- und zurückspulen von Liedern (wobei häufiger die Festplatte bewegt wird, was extra Strom verbraucht) über neun Stunden durchgehalten, das ist der allergrößte und leider auch beinahe einzige Pluspunkt im Vergleich zum Vorgängermodell, welches unter vergleichbaren Bedingungen nach fünf bis sechs Stunden mit einer Akkuladung am Ende war.
Zu Konkurrenzmodellen, insbesondere von Philips und Dell, sei gesagt, das die Hemmungslosigkeit mit der Design, Software und sogar Verpackung von Apple kopiert werden einen etwas im gewerblichen Rechtsschutz bewanderten Juristen, wie ich, den Kopf schütteln lassen, warum dies von Apple so hingenommen wird.
Bei den Nachteilen ist zuerst die sehr kratzanfällige Oberfläche zu nennen. Hier empfiehlt es sich dringend eine Hülle zu erwerben, wobei zur Zeit außer der Hülle von Apple, zum wirklich unverschämten Preis von 39 Euro, noch nicht viele Alternativen auf dem Markt sind. Dies wird sich sicherlich in den nächsten Monaten ändern, angesichts der Vielfalt an Hüllen für den iPod der 3ten Generation. Zum Zweiten ist der Lieferumfang geringer geworden, wodurch der niedrigere Preis des iPod erklärbar wird. Beim Vorgängermodell mit 20 GB bekam man noch Tasche, Dock und Fernbedienung mitgeliefert. All das muss man sich, wenn man es braucht, einzeln für je etwa 39 Euro kaufen. Dafür gibt es nun, insbesondere für die PC-User, das USB 2-Kabel mitgeliefert. Zum Dritten ist noch eine unvermeidliche Pause von etwa einer Sekunde zwischen jedem Lied zu nennen, die das Gerät benötigt um den neuen Titel von der Festplatte zu laden. Dies fällt jedoch nur bei Mix-Alben mit ineinander gehenden Liedern auf. Zu letzt ist noch der nicht, offiziell, durch den Anwender austauschbare Akku zu erwähnen. Apple hat, soweit ich weiß, ein „Battery Replacement"-Programm aufgelegt, wobei aber wohl auch um die 100 Euro gezahlt werden müssen. Dritthersteller boten hier schon für die Vorgängermodelle Austauschakkus mit Selbsteinbauanleitung an. Dass der iPod über kein Farbdisplay, wie z.B. Mp3-Spieler von Archos oder Thomson, verfügt, empfinde ich nicht als Nachteil, da ein solches Display keine neuen Funktionen für ein Audiogerät eröffnen würde und zudem einen deutlich höheren Stromverbrauch hat.
Fazit: Der iPod ist ein schöner und solide verarbeiteter Mp3-Spieler mit hohem Funktionsumfang, intuitiver Bedienung und langer Spieldauer. Im Vergleich zum Vorgängermodell hat Apple aber keinen großen Wurf gemacht, was ein wenig enttäuscht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist inzwischen für das Basisgerät befriedigend. Manches Originalzubehör und die Garantieerweiterung sind aber in meinen Augen maßlos überteuert. Der iPod ist, auch wenn er absolut Windows-kompatibel ist, und das beruhigt den Mac-User irgendwie, doch ein Apple durch und durch. Viel Spaß damit, ich habe ihn.